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Gesellschaftskritik künstlerisch Ausdruck verleihen

Künstler Rainer Wolf mit Landesrätin Barbara Schöbi-Fink.
Künstler Rainer Wolf mit Landesrätin Barbara Schöbi-Fink. ©Emir T. Uysal
Rainer Wolf eröffnet Ausstellung "Smartphonepandemie" in der Villa Claudia. 
Smartphonepandemie (2021)

FELDKIRCH In absehbarer Zeit wird die Zahl der Handys weltweit die Vier-Milliarden-Grenze erreichen. Dies lässt ohneweiters einen Vergleich mit einer Pandemie zu. Das Handy beeinflusst unser Leben nachhaltig in positiver und negativer Weise. Diese enorme Zahl an Smartphones benötigt gewaltige Mengen an Batterien. In einem Video wird gezeigt, welche Probleme allein die Gewinnung von Cobalt und Tantal für die Batterien verursacht. Dies war der Grund für Rainer Wolf (79), sich künstlerisch mit diesem Thema zu beschäftigten. Bei der Vernissage vergangenen Donnerstag gab der Künstler selbst zahlreiche Führungen durch die Räumlichkeiten der Villa Claudia.

“In einer eigener Welt”
Und alles begann mit einem Eindruck aus Barcelona. Als Rainer Wolf die “Sagrada Família”, die berühmte römisch-katholische Basilika in Barcelona, erkundete. Dort drehten sich die Besucher mehrmals um ihre eigene Achse, um ja jeden Winkel abzufotografieren. Es ähnelte einem Tanz. So auch das zentrale Werk in der Ausstellung. Und das “Handy” – wie es in Deutschland oder Österreich genannt wird – hat weltweit unterschiedliche Namen, lässt der Künstler wissen. Einige davon sind auf einer Leinwand in der jeweiligen Landessprache beschrieben. Dieser “treue Begleiter” zieht sich durch alle Altersschichten. Aber mit besonderer Kritik werden speziell (oder vor allem) jüngere Nutzer in seinen Werken bedacht. Teils stumm und isoliert von der Außenwelt nimmt Wolf Kinder und Jugendliche wahr, die in ihre eigene Welt abtauchen. Als Beispiel nannte er eine Trüffel-Versteigerung im Piemont: “Ein reges Treiben fand statt, nur ein Bub saß da inmitten der Menge auf dem Boden an seinem Handy und ließ sich auf keiner Weise ablenken”, so Wolf.

Der gläserne Mensch?
In dieser Ausstellung wird ebenso hinterfragt, ob die Entwicklung des Handys tatsächlich so eine geniale Erfindung war: “Es trägt zur Steigerung des gewaltigen Energiebedarfs der Kommunikationstechnologie bei, der begrenzten Ressourcen auf unserer Erde und es macht uns immer durchschaubarer (‘der gläserne Mensch’)”, führt der 79-Jährige weiter aus. “Metaphorisch für diesen Zustand sind die lebensgroßen Figuren aus verzinktem Hennengitter.” In einem Video wird auf die skrupellose Ausbeutung bei der Kobalt-Gewinnung für die notwendigen Batterien hingewiesen, wodurch der Begriff Neo-Kolonialisierung nahegelegt wird. 

Sämtliche Werke sind noch bis 31. Juli in der Villa Claudia ausgestellt. ETU

 

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