Geschichten und Anekdoten rund um alte Häuser

Isabelle Rümmele, Barbara Motter (vl) beim Stadtspaziergang.
Isabelle Rümmele, Barbara Motter (vl) beim Stadtspaziergang. ©Edith Rhomberg
 Das kulturelle Erbe am Tag des Denkmals neu erleben – eine Leistungsschau des Bundesdenkmalamts. 
Tag des Denkmals Kalb-Haus
Tag des Denkmals - Stadtspaziergang

 

Dornbirn. „Wer ehrle denkt und handlat recht der kunt zu nünt und goht ihm schlecht“, dieser Sinnspruch steht am Haus Schillerstraße 22, dem Geburtshaus des Malers und Zeichners Edmund Kalb (1900-1952). „Es wurde ursprünglich 1884 als schlichtes Wohnhaus mit Stadel für den Kaminkehrer Josef Feurstein erbaut“, erzählte Barbara Grabherr-Schneider anlässlich der Besichtigung am Tag des Denkmals. Bereits zehn Jahre nach der Errichtung wurde das Gebäude erweitert und in der Folge mehrfach umgebaut, bis es einem kleineren Abbild größerer Villen in der Nähe gleichkam.

Seit nunmehr 60 Jahren ist eine Messer- und Scherenschleiferei untergebracht. Der neue Besitzer, Gerhard Wohlgenannt, hieß viele Besucher willkommen und gewährte Einblick in ein paar Räume des Hauses. Petra Zudrell, Leiterin des Stadtmuseums, sowie Barbara Motter und Barbara Grabherr-Schneider, Kuratorinnen der aktuellen Sonderausstellung „Heimarbeit-Wirtschaftswunder am Küchentisch“, stellten eine naheliegende Verbindung her: „Die Schleiferei hat von der Textilindustrie gelebt, es wurden superscharfe Scheren gebraucht“, wusste Gerhard Wohlgenannt. Dass die Frauen gute Scheren haben mussten, zeigte er anhand einer Stickerei, die von Hand ausgeschnitten worden war.

Der Abriss war geplant

Dem „Kultur- und Kunstverein Edmund Kalb“ (gegründet 2013) gelang es, den Abriss des Hauses zu verhindern. „Die Erhaltung des Hauses war ein wichtiges Vereinsziel. Vorstand und Mitglieder setzen sich dafür ein, die Bekanntmachung des Lebenswerks des Dornbirner Künstlers zu fördern“, informierte Ulrich Gabriel auf Anfrage der VN-Heimat. Allerdings wurde der Verein vor einem Jahr aufgelöst: Obwohl die Stadt Dornbirn das Konzept von Marina Hämmerle zur weiteren Nutzung des Kalb-Hauses finanzierte, wurde dieses nicht weiter verfolgt, bedauert Ulrich Gabriel. Der Geschäfts- und Hausbesitzer Wohlgenannt ist dabei, in Absprache mit dem Denkmalamt Restaurierungsarbeiten am und im Gebäude durchzuführen, um es künftig für seine Zwecke zu nutzen.

Besuch im Stadtmuseum

Zur Dialogführung mit der Kuratorin durch die Sonderausstellung „Heimarbeit – Wirtschaftswunder am Küchentisch“ lud im Anschluss das Stadtmuseum. Dieses sozial- und wirtschaftshistorische Forschungs- und Sammelprojekt beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Heimarbeit in Vorarlberg seit 1945.

Ein Stadtspaziergang

„Da ist einmal der Bahnhof selbst“, begann Isabelle Rümmele (Austria Guide) die Führung. Als Tor zur Stadt diente er der Repräsentation und wurde 1872 fertiggestellt. Im August 1881 reiste Kaiser Franz Josef an und wurde mit viel Pomp empfangen. „Das Gebäude gegenüber ließ Josef Weiss, Weinhändler aus Bozen, zunächst als Wohnhaus für seine neunköpfige Familie errichten. 1887 eröffnete er darin eine Weinstube und Café und erweiterte es 1892 zum Hotel. Josef Weiss soll zum Bahnhof exzellente Beziehungen gepflegt haben: War ein Gast mit seinem Viertele Wein noch nicht fertig, sollte dieser sich ruhig Zeit lassen. Weiss meldete, der Zug möge etwas warten, es komme noch ein Gast.

Man schrieb das Jahr 1919, als ein Wettrennen zwischen dem FC Lustenau 07 und der EBDL – Elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau – zugunsten des Fußballclubs ausging. Eine Staffel aus 35 Läufern legte die zwölf Kilometer lange Strecke zehn Minuten schneller zurück. Die Tram, wie sie im Volksmund auch genannt wurde, fuhr bis 1938 und wurde danach durch neun Omnibusse ersetzt.

Der amüsante und interessante Spaziergang führte weiter zum geklinkerten Wohn- und Geschäftshaus Reichart mit neo-barockem Portal, vorbei am früheren Café Rhomberg (jetzt Seniorenwohnhaus) und Hotel Rhomberg (VLV) bis zum Luger-Haus und zur Dornbirner Sparkasse. Der Architekt des Jugendstils, Hanns Kornberger (1868-1933), zeichnete für die Planung des Hotels Rhomberg und des Luger-Hauses in der Bahnhofstraße, sowie mehrerer Gebäude in Dornbirn, Hohenems und anderen Orten im Land, verantwortlich.

 

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