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"Geh dorthin zurück, wo du herkommst!"

Viele Menschen erfahren leider immer noch Diskriminierungen - auch in Vorarlberg, wie die W&W-Umfrage zeigt
Viele Menschen erfahren leider immer noch Diskriminierungen - auch in Vorarlberg, wie die W&W-Umfrage zeigt ©AP
Ein aktueller fremdenfeindlicher Fall in einem Zug wirft die Frage nach Alltagsrassismus in Vorarlberg auf.

Es sind schwere Anschuldigungen, die per Social Media-Post gerade die Runde im Ländle machen: Ein junges Mädchen soll im Zug von Götzis Richtung Bregenz gesessen sein. Da viele Plätze im Waggon unbesetzt waren, habe sie ihre Tasche auf den Sitz neben sich gelegt. Eine ältere Frau sei eingestiegen, an dem Mädchen vorbeigegangen und habe sie angeherrscht, ihre Tasche wegzunehmen und den Platz für sie freizugeben, obwohl rundherum noch Sitzplätze frei waren. Das allein würde schon für einen Aufreger reichen. Aber der eigentliche Aufreger ist, dass es sich in der Geschichte um ein Mädchen mit dunkler Hautfarbe handelte – und die ältere Frau einen überaus rassistischen Ton anschlug: „Dieser Platz ist für mich und nicht für Schwarze. Geh dorthin zurück, wo du herkommst“, soll sie gesagt haben. Diese laut Verfasser wahre Geschichte sorgte für Aufsehen und Ärger im Ländle – und trat Diskussionen los. Zum einen über fehlende Zivilcourage, denn offenbar war niemand dem Mädchen zu Hilfe gekommen und für sie eingestanden. Und zum anderen über Alltagsrassismus in Vorarlberg.

Gesicht zeigen gegen Rassismus

Denn viele Kommentatoren und Betroffene berichteten von eigenen Erlebnissen. Und zeigten: Die vermeintlichen Einzelfälle sind leider an der Tagesordnung. WANN & WO sprach mit einigen von ihnen, die diesen Rassismus nicht hinnehmen wollen, sondern die ihre Geschichte erzählen, auf das Problem aufmerksam machen und ihr Gesicht gegen Rassismus zeigen wollen.

Umfrage – Wurdest du schon einmal rassistisch beleidigt?

Sindy, 13, Feldkirch: „Ein Vorfall hat sich im Bus ereignet: Eine Gruppe erwachsener Männer kam auf mich zu und hat mich umzingelt. Dann haben diese Männer auf mich eingeredet und mich beleidigt. Unter anderem sagten sie zu mir: ‚Du Nega, geh wieder da hin, wo du herkommst.‘ Ich habe das nicht auf mir sitzen lassen und ihnen gesagt, dass ich aus Vorarlberg komme und schon mein ganzes Leben lang hier bin. Daraufhin sind sie näher gekommen und haben gesagt, ich solle sofort aussteigen. Da ich keinen Stress anfangen wollte, bin ich dann lieber ausgestiegen.“

Sindy, 13, Feldkirch

Vincent, 33, Feldkirch: „Ich werde auffallend häufig polizeilich kontrolliert – jedenfalls definitiv häufiger als die meisten Hellhäutigen. Ich bin seit mittlerweile drei Jahren mit einer Österreicherin verheiratet, wir haben auch Kinder. Das ist offenbar der Anlass, dass uns immer wieder von Vorarlbergern unterstellt wird, wir seien Sozialschmarotzer und würden nur vom Staat leben. Das stimmt aber nicht. Ich gehe seit Jahren in Vollzeit arbeiten, meine Frau arbeitet geringfügig. Wir verdienen unser eigenes Geld und finanzieren unser Leben komplett selbst.“

Vincent, 33, Feldkirch

Selma, 38, Feldkirch: „Ich habe schon sehr viele Geschichten miterleben müssen, auch wenn sie freilich nicht mich selbst, sondern meine Kinder trafen. Eine besonders schlimme liegt schon einige Zeit zurück: Ich fuhr mit meiner Tochter Latisha, die damals etwa zwei Jahre alt war und im Buggy saß, im Bus. Uns gegenüber saß eine alte Frau, vielleicht an die 70. Plötzlich spuckte diese Frau meiner Tochter unvermittelt ins Gesicht! Voller Schock schrie ich sie an, was das solle. Und zum Glück hielten auch die anderen Fahrgäste zu mir und die Frau wurde aus dem Bus verwiesen.“

Selma, 38, Feldkirch

Sonja, 44, Dornbirn: „Ich habe ein Pflegekind aufgenommen, den achtjährigen Alessandro. Er lebt seit fünf Jahren bei mir. Wir hatten anfangs natürlich schon Angst, wie er hier aufgenommen werden würde – gerade in der Schule, unter all den für ihn fremden Kindern. Wir haben deshalb auch im Vorfeld mit dem Direktor gesprochen und es lief schlussendlich wirklich problemlos ab. In der Öffentlichkeit hingegen gibt es schon mal komische oder abschätzige Blicke. Aber die ignorieren wir, das ist es uns nicht wert, uns darüber aufzuregen.“

Sonja, 44, Dornbirn

Michi, 35, Feldkirch:

„Mein Mann ist Schwarz, wir haben zusammen sechs Kinder – das ist oft schon Anlass genug für rassistische Kommentare. Ein krasses Beispiel ereignete sich im Bus. Ich war gerade schwanger und saß neben meinem Mann. Dann stieg eine ältere Dame ein und mein Mann stand sofort auf, um ihr seinen Platz anzubieten. Doch von der Frau kam nur die Antwort: ‚Neben eine Negerhure setze ich mich nicht!‘ Mein Sohn Jason musste wegen Rassismus schon einmal die Schule wechseln – dabei ging das auch von seinem damaligen Lehrer aus.“

Michi, 35, Feldkirch

Drei rassistische Straftaten pro Monat im Ländle

Rassismus nimmt nicht nur im Gefühl der Betroffenen zu, sondern auch in den offiziellen Zahlen des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DOW). Laut Bundesministerium für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung wurden 2018 in Vorarlberg 34 rechtsextreme, islamophobe, rassistische und antisemitische Straftaten begangen. 13 rechtsextreme Tathandlungen gab es im Ländle in der ersten Jahreshälfte 2019.

Hier kannst du die heutige "Wann&Wo" kostenlos lesen.

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