Gedenktafel für Götzner Euthanasieopfer

Walter Ladner und Helmut Loacker (Kameradschaftsbund), Redner Wolfgang Türtscher, Bgm. Christian Loacker und Martin Obmann (Bürgermusik).
Walter Ladner und Helmut Loacker (Kameradschaftsbund), Redner Wolfgang Türtscher, Bgm. Christian Loacker und Martin Obmann (Bürgermusik). ©Arno Meusburger
Zur Erinnerung und Mahnung. Gedenktafel für Götzner Euthanasieopfer vor der St. Ulrichskirche eingeweiht.

Götzis. Dem Gedenken an die elf Götzner, die beim Euthanasieprogramm der Nazis als „lebensunwertes Leben“ ermordet wurden, dient die neben dem Kriegerdenkmal der Marktgemeinde platzierte Tafel.

Auf der Tafel wird an Rosa Ender, Wilhelmina Bell, Berta Dünser, Josef Fleisch, Anna Knöpfler, Josef Lampert, Katharina Lampert, Erna Mittelberger, Josef Scheyer, Josef Ströhle und Maria Magdalena Lampert erinnert.
Sie wurden zwischen 1939 und 1942, meist in Schloss Hartheim, umgebracht.

Laut Wolfgang Türtscher vom Kameradschaftsbund gab es in Götzis wegen des besonders fanatischen Nazi-Gemeindearztes überdurchschnittlich viele Opfer. Das jüngste war 14, das älteste 68 Jahre alt. Türtscher wies in seiner Rede auf die Verdienste des früheren Kathi-Lampert-Schulleiters Gerhart Hofer bei der Aufarbeitung des Themas, die Diplomarbeit von Verena Hofer, Julia Kaufmann, Hannah Strobl und Lena Türtscher (HLW Rankweil), das 2019 bei der Schule eröffnete Denkmal sowie das Buch von Harald Walser, Wolfgang Berchtold, Gerhart Hofer und Werner Gächter über die NS-Opfer der Kummenbergregion hin.

Wachsam bleiben

Der Kameradschaftsbund Götzis hat zehn Jahre an der Vorbereitung der Gedenktafel gearbeitet, unter anderen war Student Lukas Nußbaumer als Ferialpraktikant für die nötigen Recherchen in den Archiven und in Schloss Hartheim beschäftigt. Die Umsetzung des Projekts hat Ralf Scheier vom Bauamt der Marktgemeinde geleitet, an der Realisierung waren laut Gemeindearchivar Thomas Kirisits dieselben Firmen beteiligt, die schon 1963 das Kriegerdenkmal errichtet haben: Ernst Strassacker aus Süssen/Baden Württemberg sowie Wilhelm&Mayer und Höfle aus Götzis.

Bevor Dekan Rainer Büchel das Denkmal segnete, wies Eröffnungsredner Türtscher darauf hin, dass die sogenannte Eugenik keine Eintagsfliege der NS-Zeit war, sondern schon Ende des 19. Jahrhunderts in Europa aufgetaucht ist. Der Gedanke der Euthanasie habe mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht aufgehört zu bestehen, die derzeitige Gesetzeslage erlaube die Abtreibung eines behinderten Kindes bis kurz vor der Geburt.

Europäische Grundwerte sind laut Türtscher nicht nur in Polen und Ungarn gefährdet, sondern auch in den EU-Gründungsstaaten Holland und Belgien, wo Alte und Kranke gegen ihren Willen getötet werden könnten. „Das Leben eines Menschen ist in jeder Phase etwas Heiliges“, schloss Türtscher seine eindrucksvollen Ausführungen.

Musikalisch gestaltet wurde die Segung der Gedenktafel durch die Bürgermusik Götzis unter der Leitung von Alfons Wurmitzer und eines Mitglieds der Militärmusik, einen Kranz legte Vizebürgermeisterin Edith Lampert-Deuring nieder. 

AME

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