Gämsen werden durch Klimawandel immer kleiner

Vier Kilogramm haben die Tiere in den vergangenen 30 Jahren abgenommen
Vier Kilogramm haben die Tiere in den vergangenen 30 Jahren abgenommen ©APA
Die Erderwärmung lässt Gämsen schrumpfen. Zu diesem Ergebnis kommt der Biologe Tom H. E. Mason von der britischen Durham Universität in einer neuen Studie. Aufgrund des Klimawandels wird es auch in den Alpen immer wärmer – mit verheerenden Folgen für die Tierwelt.

In den vergangenen dreißig Jahren haben Gämsen in den italienischen Alpen deutlich an Gewicht und Körpergröße eingebüßt. In einer Studie von Wissenschaftern der Universitäten Durham (Großbritannien) und Sassari (Italien) wurde veröffentlicht, dass daran möglicherweise der Klimawandel Schuld habe. Im Vergleich zu den 1980er Jahren wiegen die Tiere im selben Alter heute rund 25 Prozent weniger.

Drei bis vier Grad wärmer

Einen Zusammenhang mit dem Klimawandel sehen die Forscher aufgrund des gleichzeitigen Anstiegs der Temperaturen in der Region um drei bis vier Grad Celsius. Laut Masons Analyse ist die Erderwärmung einer der entscheidenden Faktoren für diese Entwicklung.

Schlechte Nahrungsbedingungen

Mason schreibt im Fachblatt “Frontiers in Zoology”, dass aber auch andere Einflüsse dazu beitragen könnten. Beispielsweise verschlechtern sich durch das veränderte Wetter die Nahrungsbedingungen. Ebenfalls ist die Zahl der Tiere stark angewachsen, wodurch sich der Kampf um das verfügbare Futter erhöht.

 

VN / Philipp Steurer
VN / Philipp Steurer ©Vorarlbergs Wildökologe Hubert Schatz (VN / Philipp Steurer)

Sammelsurium an Einflüssen

Auch die Vorarlberger Jägerschaft beobachtete in den letzten Jahren eine Gewichtsreduktion von Gämsen, berichtet der Wildökologe des Landes Hubert Schatz zu den Entwicklungen im heimischen Alpenraum. Dass die Tiere immer weniger wiegen ist für ihn das Ergebnis vieler verschiedener Einflüsse, die auf den Lebensraum der Tiere einwirken. Neben  schlechteren Nahrungsbedingungen, würden die Tiere höheren Stressfaktoren ausgesetzt sein. Schatz sieht hierbei die Hauptproblematik beim Menschen und dem Tourismus in den Alpen.

Mehr Ruhezeiten an heißen Tagen

Der britische Wissenschafter Mason hält dennoch an seiner Vermutung fest, dass der Klimawandel einen wesentlichen Anteil an den Veränderungen hat. Im Zuge der Forschungsarbeiten stellten die Biologen fest, dass sich die Tiere an warmen Tagen weit weniger bewegen als sonst. “Wir wissen, dass Gämse in heißeren Zeiten mehr ruhen und weniger Zeit mit der Futtersuche verbringen. Das könnte ihre Körpergröße stärker beschränken als die Qualität der Vegetation, von der sie sich ernähren“, so Mason.

Um vier Kilogramm leichter

Von 1980 bis 2010 werteten die Forscher Gewichtsdaten von über 10.000 geschossenen Gämsen aus. Das Ergebnis: In den drei untersuchten italienischen Alpenregionen sind vor allem die männlichen Tiere um bis zu vier Kilogramm leichter geworden. War 1980 ein Gewicht von 20 Kilogramm üblich, waren es 2010 nur noch 16 Kilo.

(red/rl)

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