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"Für eine Handvoll Dollar"

Felix Roth fällt für den Saisonendspurt der Austria wohl aus.
Felix Roth fällt für den Saisonendspurt der Austria wohl aus. ©VOL.AT/Philipp Steurer
Der FC Lustenau empfängt heute (18.30 Uhr) die Vienna und will im Abstiegskampf an den Wienern vorbeiziehen.
FC Lustenau gegen 1st Vienna FC
BW Linz vs A. Lustenau ab 20:30 Uhr

Ein Punkt trennt den FC Lustenau und die Vienna in der Tabelle. In der Rückrunde konnten die Wiener ebenfalls einen Zähler mehr als die Blau-Weißen auf ihrem Konto verbuchen. Doch die Situation ist für beide gleich: Nur ein Sieg hilft im Kampf um den Klassenerhalt weiter. Die beiden Trainer Damir Canadi (41) und Alfred Tatar (48) erwarten ein Spiel auf Augenhöhe.

Bedeutet ein Sieg der Vienna eine Vorentscheidung im Abstiegskampf?
damir Canadi: Nein. Aber ein Sieg der Vienna bedeutet, dass sie nach dem Spiel einen Vierpunkte-Vorsprung auf uns hätten. Aber egal wie das Spiel endet, es sind noch acht Runden zu spielen. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen, daher wird noch viel passieren. alfred tatar: Nein, es wird sich nicht viel ändern. Wir müssen heute wieder an unsere Leistungsgrenze gehen und versuchen Punkte zu holen. Der FC Lustenau hat sich in der Rückrunde stark verbessert präsentiert. Ich sehe sie längst in einer höheren Preisklasse. Daher wird die Aufgabe schwer genug.

Wo sehen Sie im direkten Aufeinandertreffen Vorteile bei Ihrer Mannschaft?
canadi: Vorteile kann man so nicht sagen. Ich glaube, wir sind beide auf demselben Niveau. Beide haben bisher eine gute Rückrunde gespielt. Was mein Team betrifft, kann ich nur sagen: Wir haben mehr Kontinuität. Ich erwarte ein Geduldspiel und glaube, dass die Partie nach der Pause entschieden wird. Tatar: Das kann man so nicht beantworten. Einen Vergleich gibt es nicht. Die beiden Klubs haben verschiedene Philosophien, haben unterschiedliche Spieler und Trainer. Wie gesagt, wir müssen an unsere Leistungsgrenze kommen, alles andere ist schwer vorherzusagen.

Wie haben Sie die Pause genutzt?
canadi: Ich habe den Spielern am Osterwochenende freigegeben. Tatar: Vorwiegend mit Regenerationstraining. Die letzten englischen Wochen haben doch viel Substanz gekostet, daher ist uns das Osterwochenende entgegen gekommen.

Sie waren zusammen in Moskau. Jetzt treten Sie gegeneinander an. Ist das ein besonderes Duell?
Tatar: Ein Duell gab es im Film „Eine Handvoll Dollar“ von Sergio Leone. Die Pro­tagonisten sind heute nicht Damir Canadi oder Alfred Tatar, sondern die Spieler. Und das Duell heißt FC Lustenau gegen die Vienna. canadi: Ich schätze Alfred Tatar als Trainer sehr. Aber hier bin ich derselben Meinung wie mein Kollege. Heute spielt nicht Canadi gegen Tatar, sondern der FC Lusten­au gegen die ­Vienna.

Vier Punkte aus den letzten zwei Auswärtsspielen. Wie viel Selbstvertrauen hat das gebracht?
canadi: Ich denke, sehr viel. Aber es waren nicht die letzten zwei, sondern die vergangenen fünf Spiele, die von uns gut waren. Die Weiterentwicklung stimmt, vor allem was unsere Torausbeute nach Standardsituationen anbelangt.

Wie ist es, wenn der Abstiegskampf ein ständiger Begleiter ist?
Tatar: Es ist auf jeden Fall eine andere Situation, als wenn man um den Titel spielt. Bei einem Abstieg ist man weg von der Liga, dazu kommen finanzielle Einbußen. Der Abstiegskampf ist zugespitzter als der Titelkampf. Es gilt die Nerven zu bewahren, für Funktionäre, Spieler und Trainer.

Sie können aus dem Vollen schöpfen. Wird die Vienna mit einer Überraschung rechnen müssen oder bleiben das System und die Mannschaft unverändert?
canadi: Wir werden nicht allzu viel verändern, haben auch keinen Grund dazu. Es wird eventuell in der Abwehr oder im Angriff kleine personelle Umstellungen geben.

Wie schwerwiegend sind die Ausfälle von Marjan Markovic und Marcel Toth?
Tatar: Natürlich ist man als Trainer nicht froh darüber, wenn Spieler verletzt oder gesperrt sind. Aber diese Situation haben andere Vereine ebenfalls. Darum möchte ich nicht jammern, sondern jenen vertrauen, die mir heute zur Verfügung stehen.

 

Jetzt heißt es nachlegen

BW Linz wartet heute auf die Austria, die somit keine Zeit hat, Trauer zu tragen. Die „riesige Freude“ über die fußballerische Leistung im Cup-Viertelfinale hat sich bei Austria-Trainer Helgi Kolvidsson ebenso eingeprägt wie die Enttäuschung über das nackte Ergebnis. Das änderte sich auch nicht, als auf der Fahrt nach Linz im Bus für Mannschaft und Betreuer noch einmal die 90 Cupminuten auf dem Bildschirm zu sehen waren. Nur einer der Cup-Protaganisten hatte wirklichen Grund, Trauer zu tragen. Felix Roth droht für den Rest der Saison auszufallen. Bei einer MR-Untersuchung stellte sich die Verletzung des 24-Jährigen aus dem Cup als Innenbandeinriss im rechten Knie heraus. „Laut Arzt muss ich mit einer Pause zwischen vier und sechs Wochen rechnen“, so der Deutsche. Passiert war es in der Anfangsphase der CupPartie gegen die Austria aus Wien, als ein Schussversuch zu einem Pressball wurde. „Vielleicht habe ich Glück und kann der Mannschaft in den letzten beiden Runden noch helfen“, will Roth alles versuchen. Während der Offensivspieler bereits heute mit der Therapie beginnen möchte, müssen seine Teamkollegen vor allem den „inneren Schweinehund“ überwinden. Denn gut 50 Stunden nach dem Anpfiff im Cup-Viertelfinale wartet schon das nächste Spiel auf Kapitän Harald Dürr und seine Kollegen. In Linz heißt es für die Grün-Weißen nun nachlegen im Titelkampf. „Eine reine Willenssache“, weiß Trainer Helgi Kolvidsson. Genau deshalb will er sich in Sachen Aufstellung bis heute Zeit lassen. „Wir haben am Vormittag noch Training, dann will ich mit den Spielern sprechen“, so der Isländer, der von einem „noch schwierigeren Match“ spricht. Deshalb sei es vor allem wichtig, die Konzentration hoch zu halten. Gerade diesbezüglich hatte er gegen die Wiener Austria doch ein kleines Manko entdeckt. „Wir sind für unsere Unkonzentriertheiten bestraft worden.“ Damit meint der Coach vor allem die beiden Situationen, die zu den Gegentreffern geführt haben. Es habe in dieser Phase einfach ein wenig die Ruhe gefehlt. Begeis- tert war Kolvidsson hingegen vom Tempo, das seine Mannschaft gegangen ist. Auch wenn Dürr meint, man habe zu früh mit „nur hohen Bällen“ agiert. Dennoch haben die Austrianer Selbstvertrauen getankt. „Immerhin sind die Wiener Tabellendritter in der Bundesliga“, so Kolvidsson.

Gefährlicher Aufsteiger

Gegner BW Linz hat mit der Rückkehr von Torjäger David Poljanec – der 25-jährige Slowene hält derzeit bei 15 Saisontreffern – in die Erfolgsspur zurückgefunden. Und die Linzer spekulieren zudem mit der Müdigkeit der Lusten­au-Kicker. „Das interessiert mich nicht, was die anderen denken. Ich schaue und konzentriere mich nur auf meine Mannschaft“, lässt sich Kolvidsson erst gar nicht auf derartige Spekulationen ein. Vielmehr erwartet er von seinen Spielern, dass sie den großen Platz in Linz „klug ausnützen“. Heißt konkret den Ball laufen lassen und sich nicht selbst „totlaufen“.

(VN/Alge/Adam)

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