Früh genug hinschauen

Alexandra Kremmel, Regine Riedler und Kerstin Hofer führen an den ersten Mittelschulklassen in Lustenau Mobbing- und Gewaltworkshops durch.
Alexandra Kremmel, Regine Riedler und Kerstin Hofer führen an den ersten Mittelschulklassen in Lustenau Mobbing- und Gewaltworkshops durch. ©bvs
 Die OJAL Lustenau führt präventive Mobbing- und Gewalt-Workshops in allen ersten Klassen der Lustenauer Mittelschulen durch.
Mobbing- und Gewaltprävention an Schulen

 

Lustenau „Ansätze von Mobbing entstehen meist schon in der Volksschule“, beginnt die Sozialarbeiterin Kerstin Hofer zu erzählen. Langeweile oder von eigenen Schwächen ablenken sind häufige Motive für Mobbing. Kinder finden schnell in der Klassengemeinschaft ein „schwächeres“ Glied, dass den Anfeindungen der Mitschüler standhalten muss. Sie rät betroffenen Kindern, Hilfe zu holen und die Missstände anzusprechen. „Kinder dürfen das melden. Mit petzen hat es nichts zu tun“, so Hofer. Es sei wichtig, dies von Anfang an klarzustellen. Denn oft haben Kinder Angst, ihre Klassenkameraden zu verraten.

Kinder und Jugendliche aufklären

Mobbing kommt schleichend und ist allgegenwärtig. „Wir durften diesen Herbst 21 Workshops an den Schulen durchführen“, so Hofer. Die Mobbing- und Gewaltpräventionsworkshops sind gefragter denn je. Das Land und die Marktgemeinde Lustenau fördern dies. Gemeinsam mit den Jugend- und Sozialarbeiterinnen Regine Riedler und Alexandra Kremmel führt Hofer die vorbeugenden Workshops durch. Einen Vormittag lang werden Probleme angesprochen und den Kindern versucht auf Augenhöhe, die tückischen Folgen zu erklären. „Wir tasten uns immer wieder aufs Neue an Probleme in den Klassen heran“, erzählt Riedler. Das verlangt Fingerspitzengefühl und Spontanität, um schnell auf Dynamiken reagieren zu können.

Eigene Mobbingstelle im Land

Seit vier Jahren gibt es im Land sogar eine eigene Mobbingstelle, an die sich Schulen wenden können. Je nachdem, ob sie präventiv Hilfe benötigen oder bei bereits eskalierten Konflikten, werden die Aufträge vom Land an verschiedene Institutionen vergeben. Im Bereich der präventiven Arbeit kommen die Sozialarbeiter der Offenen Jugendarbeiten zum Zug. Im besten Falle erhalten diese vor Ort die Befugnis von der Koje, des Koordinationsbüros für Offene Jugendarbeit und Entwicklung. „Doch nicht jede Offene Jugendarbeit hat dafür geschultes Personal. Wir sind für Lustenau und auch für Feldkirch zuständig“, erklärt Hofer.

Kinder öffnen sich

„Wir werten nicht im Gespräch mit den Kindern“, sagt Riedler. „Unsere Aufgabe ist es ihnen aufzuzeigen, dass bei Konflikten sehr viele unterschiedliche Gefühle entstehen können.“ Dazu machen sie verschiedene Rollenspiele mit ihnen, bei der die ganze Klasse sensibilisiert wird. Denn Angst kann nicht nur das betroffene Kind haben, sondern auch jene Schüler, die nicht aktiv beim Mobbingprozess teilnehmen. „Bei all unseren Vormittagen mit den Schülern kommunizieren wir mit ihnen auf Augenhöhe und einem wertschätzenden Du.“ Die drei Jugend- und Sozialarbeiterinnen resümieren überaus positiv ihre Workshops und wissen, mit ihrer Arbeit den Kindern nachhaltig geholfen zu haben. „Wenn die Kinder sehen, wie sich das Ausgrenzen und die abwertenden Kommentare auswirken, sind sie eher dazu geneigt, es nicht zu machen. Wir klären auf.“ bvs

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