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Frischer Wind bei der Feuerwehr Gisingen

Das neue Kommando bei der Feuerwehr Gisingen.
Das neue Kommando bei der Feuerwehr Gisingen. ©Tay Hagen
Gerhard Tschann übergibt Dominik Leimegger das Kommando. 
Impressionen der Feuerwehr Gisingen (2022)
Aus der Geschichte

FELDKIRCH-GISINGEN Die Pandemie mit ihren weitreichenden Folgen geht auch und speziell an den Einsatzkräften der Blaulichtorganisationen nicht spurlos vorüber. Umfangreiche Anpassungen im Übungs-, Proben- und Einsatzdienst sind die Folge, wie zum Beispiel Maskenpflicht, Alarmierung von Einzelgruppen im Tag- und Nachtwechsel, Nachuntersuchung von erkrankten Atemschutzträgern, Testungen bei Proben, Aufenthaltsverbote im Gerätehaus, Übungen in Kleinstgruppen oder auch völliges Aussetzen der Probentätigkeit.

Zudem kommen das soziale Leben, das gesellige Miteinander und der persönliche Austausch zwischen den Mitgliedern der Gisinger Wehr und die aktive Mitgestaltung des Dorflebens (Dorffest, kirchliche und sonstige Ausrückungen, Festbesuche, usw.) unter die Räder der Covid-Pandemie. Feuerwehrmitglieder wurden im Angesicht der bedrohlichen Zustände und Entwicklungen auch zum Dienst an Grenzübergängen und in Testzentren herangezogen – glücklicherweise allerdings nur kurzfristig bis zur Übernahme durch Polizei, Bundesheer und Behördenorgane. Das oberste Ziel – die Aufrechterhaltung der ständigen und uneingeschränkten Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Gisingen – konnte durch teils drastische, aber im Voraus betrachtet absolut notwendige, Maßnahmen erreicht werden.

Kommando in neuen Händen

Seit der Entstehungsgeschichte 1909 mit Friedel Gau zählt die Gisinger Wehr 15 Kommandanten. Bei der vergangenen Jahreshauptversammlung gab es größere Änderungen in der Führungsetage der Gisinger Wehr. Gerhard Tschann (57) hat dabei seine Funktion als Kommandant in jüngere Hände gelegt: Dominik Leimegger (32, Kommandant) und Florian Ebner (Kommandant-Stellvertreter) haben das Zepter übernommen. Tschann war bereits durch seinen Vater im Kindesalter mit der Gisinger Wehr in Verbindung. Mit 16 Jahren entschied er sich, mit seinen vier Freunden Mitglied zu werden – durfte auch in damaligen Verhältnissen (ohne Jungfeuerwehr) direkt bei Einsätzen dabei sein. In all den Jahren war die Feuerwehr vor allem eines für ihn: “Kameradschaft und Freundschaft, in die man hineinwächst”, sagt Tschann. “Man muss die Feuerwehr als Ganzes sehen: Es sind nicht nur die actionreichen Einsätze und das ‘Leben retten’, sondern vor allem Menschen, denen man jedes Mal das Leben anvertraut. Zur Feuerwehr zu kommen, war einer der prägendsten Momente meines Lebens”, hält der Gisinger fest.

Für Dominik Leimegger war sein Götte Patrick Müllner die wegweisende Person: Er durfte früher immer zum Feuerwehrhaus in Rankweil mitgehen. “Es war wie ein Event”, führt Leimegger aus. “Der Film ‘Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen’ hat dann das Übrige dazu beigetragen, sodass Leimegger mit 11,5 Jahren seine Fußballschuhe gegen den Feuerwehranzug eingetauscht und sich für die Jungwehr in Gisingen eingeschrieben hat. 2005 kam er in den Aktivstand und 4 Jahre später hat er das Gruppenkommando und die Jugend übernommen. 2013 folgte das Amt des Zugskommandanten bis zur letzten JHV. “Bei der Feuerwehr lernst du wirklich Freunde kennen, die du ein Leben lang nicht verlierst”, meint Leimegger ganz stolz.

Aus derzeitiger Sicht kann gesagt werden, dass die Feuerwehr Gisingen mit ihrem Mannschaftsstand von knapp 100 Mitgliedern – davon rund 10 Prozent Frauen (Aktive, Ehrenmitglieder und Feuerwehrjugend) -, sei es in Bezug auf Ausrüstung und Ausbildung oder in Sachen Einsatzangelegenheiten, auf dem neuesten Stand ist und im Vergleich mit anderen Wehren jederzeit mithält und als Vorbild fungiert. “Die Bevölkerung von Gisingen kann sich auf ihre Wehr verlassen, die ganzjährig sowie rund um die Uhr in der Lage ist, in Not geratenen Mitbürgern entsprechend professionelle und zeitnahe Hilfe angedeihen zu lassen”, so Gerhard Tschann. Er selbst bleibt weiterhin im Aktivstand der Feuerwehr.

In 5 Minuten vor Ort

Die Gisinger Feuerwehr ist der technische Stützpunkt für hydraulische Rettungsgeräte. Sprich, bei einklemmten Personen (Verkehr- und Arbeitsunfälle) werden sie immer überörtlich mitalarmiert. Bei den 60-70 Einsätzen im Jahr liegt der Schwerpunkt bei Verkehrsunfällen, Katastrophenschutz, Beseitigung von Ölspuren, Schneeeinsätzen oder Hochwasser (Nafla) sowie Wohnhausbränden und Industriebränden (Gefahrengut). Bei Unwetterkatastrophen werden die Blaulichtorganisationen im Krisenstab im Vorfeld alarmiert und die Lage beobachtet. Im Normalfall ist die Feuerwehr nach Alarmierung mit dem ersten Fahrzeug bereits 2-3 Minuten später losgefahren und 5-6 Minuten später bereits beim Einsatzgebiet.

Über die Entstehung

Da schon um die Jahrhundertwende in verschiedenen Orten des Landes Freiwillige Feuerwehren existierten und sich bewährten, entschloss man sich 1909, auch in Gisingen eine Feuerwehr zu gründen. Zu diesem Zweck wurde, unter Vorsitz von Andreas Hilbe und des Ortsvorstehers Alois Köchle, im ehemaligen Gasthaus “Sternen” eine Versammlung zur Gründung einberufen. Bei der Gründungsversammlung am 21.12.1909 traten 29 Mitglieder der neuen Wehr bei. Aus ihrer Mitte wurde Fiedel Gau als 1. Feuerwehrkommandant gewählt.

Für die Ausrüstung der Wehr wurde ein privates Darlehen in Höhe von 1000 Kronen (ca. 300.000,- ATS), öffentliche Mittel standen keine zur Verfügung. Zusätzlich musste jedes Mitglied einen monatlichen Beitrag von 20 “Heller” (Gulasch, 2 Bier) bezahlen. Als erste Anschaffungen erhielt jeder Wehrmann einen Helm, einen Steigergurt und einen Pickel, von der Firma Rosenbauer wurden Leitern, Fackeln und Werkzeug für den Einsatz gekauft. Mangels eines zentralen Gerätedepots waren die Gerätschaften in verschiedenen Häusern deponiert, die persönliche Ausrüstung hatte jeder Wehrmann zu Hause. Bei Einsätzen wurde mittels Kirchenglocken und Hornbläsern alarmiert.

Nach dem erstmaligen Auftreten als Körperschaft in der Öffentlichkeit bei einem kirchlichen Anlass trat man 4. Oktober 1910 dem Gauverband (heute “Landesfeuerwehrverband”) bei. Zu dieser Zeit zählte der Verein schon 71 unterstützende und 3 Ehrenmitglieder. Es folgte die erste große Bewährungsprobe bei einem Hochwassereinsatz. Vom Ersten Weltkrieg blieb auch die Wehr Gisingen nicht verschont. 18 Mann mussten Kriegsdienst leisten, ein Teil davon kehrte nicht mehr zurück. Nach Kriegsende wurde der Bestand durch Neuaufnahmen wiederhergestellt. 1920 erfolgte die Einweihung des ersten Gerätehauses neben der Schule St. Sebastian. Ab diesem Zeitpunkt war eine zentrale Verwahrung der Gerätschaften möglich. TAY

 

Steckbriefe

Dominik Leimegger
Geboren: 20.11.1989 in Feldkirch
Wohnhaft in Gisingen
Verheiratet, 1 Kind (2) 

Gerhard Tschann
Geboren: 31.08.1964 in Feldkirch
Wohnhaft in Gisingen
Verheiratet, 2 Töchter (18 und 16) auch bei Feuerwehr

 

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