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Flut in Sachsen steigt

Während sich in einigen Hochwassergebieten in Europa die Lage am Donnerstag weiter entspannt hat, spitzte sich die Situation entlang der Elbe zu.

Die Flut des Flusses setzte auch in der sächsischen Schweiz zahlreiche Orte unter Wasser und richtete verheerende Schäden an. Tausende Menschen in Sachsen und im benachbarten Brandenburg wurden evakuiert, zahllose Häuser zerstört. Dresden bereitete sich auf die höchsten Wasserstände der Elbe seit mehr als 150 Jahren vor, die am Nachmittag erwartet wurden. Die Zahl der Todesopfer in Deutschland hat sich auf neun erhöht.

Die von Tschechien nahende Hochwasserwelle der Elbe setzte die Altstadt von Pirna und auch kleinere Orte wie die Grenzstadt Bad Schandau unter Wasser. In Sachsen-Anhalt wurde die Räumung von Teilen der Städte Magdeburg und Bitterfeld vorbereitet. Helfer errichteten pausenlos Sandsack-Barrikaden. Nach ersten Schätzungen beträgt der Schaden der Katastrophe bereits jetzt mehrere Milliarden Euro.

In Dresden wurden mehrere hundert Bewohner des Stadtteils Laubegast vor den schlammigen Wassermassen in Sicherheit gebracht. Im Stadtteil Gohlis drohte ein Damm zu brechen. Die Bewohner hatten das Viertel schon am Vortag verlassen. Helfer errichteten in Straßen und vor Häusern Sandsack-Barrieren. Auf der Elbe trieben in rasender Geschwindigkeit ganze Bäume und Bojen der Schifffahrt vorbei, die von den Wassermassen mitgerissen wurden. In der Nacht hatten Rettungskräfte damit begonnen, alle 170 Dresdner Intensivpatienten auf andere Kliniken zu verteilen.

In Pirna bot sich ein Bild der Verwüstung. Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin äußerte die Befürchtung, dass die Elbe durch eine Chemiefabrik in Tschechien mit hochgiftigem Dioxin und Quecksilber verschmutzt wird. Der Ort Weesenstein ist nach Angaben der Behörden fast völlig in den Fluten verschwunden.

In der Moldau-Stadt Prag hatte sich die Hochwasserlage stabilisiert. Es standen aber immer noch acht Prozent der Fläche der Millionenstadt ebenso unter Wasser wie weite Teile im Süd-Tschechiens. Nach Angaben der Behörden ist der Schaden an den historischen Palästen noch nicht abzuschätzen. Spezialkräfte der tschechischen Polizei stoppten durch gezielte Sprengungen fünf in Richtung Dresden treibende führerlose Schiffe.

In weiten Teilen Prags fiel der Strom aus, der U-Bahn-System wurde komplett ausgesetzt. Die Behörden schätzten den Schaden an dem unterirdischen Schienensystem auf rund 500 Millionen Kronen (15,7 Millionen Euro). Der Pegel der Elbe stieg indes in Nordböhmen weiter an und überschwemmte weite Teile der Stadt Usti nad Labem (Aussig), 110 Kilometer nordwestlich von Prag. In der Nähe von Usti nad Labem rissen die Halteseile von drei Schiffen. Eines wurde nach Behördenangaben auf der Elbe gesprengt, weil es drohte, die Brücken zu beschädigen.

Wegen der Elbeflut haben die Behörden in Magdeburg Katastrophenalarm ausgelöst. In der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts und im zwölf Kilometer entfernten Schönebeck sollen bis Samstag zahlreiche Stadtteile evakuiert werden. Auch die Bürger von Bitterfeld wurden am Donnerstagmittag aufgefordert, sich für eine Evakuierung bereit zu halten. Nach bisherigen Plänen müssten im Ernstfall etwa ein Drittel der 16.000 Bürger ihre Wohnungen räumen. Zu Mittag war ein Damm entlang der Mulde bei Löbnitz gebrochen.

Die Wassermassen der Elbe bedrohten auch Städte in Brandenburg. Ein Sprecher des Innenministeriums in Potsdam sagte, die erwartete Flutwelle werde voraussichtlich zwei Meter höher sein als die Deiche bei der Stadt Mühlberg. Man müsse von einer massiven Überflutung der Stadt ausgehen. Im Laufe des Tages werde die 4.000-Einwohner-Stadt komplett geräumt.

In Bayern entspannte sich die Lage allmählich. Die Wasserstände an den südlichen Donauzuflüssen wie Iller und Inn fielen nach Angaben der Behörden zum Teil unter die Meldegrenze. Von dort wurden Rettungskräfte nach Sachsen und Sachsen-Anhalt verlegt.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Wiederherstellung der durch Hochwasser zerstörten Infrastruktur auf „ein Vielfaches“ der geplanten Soforthilfe veranschlagt, die 385 Millionen Euro umfasst. Die Bundesregierung habe eine erste Tranche aus der Hochwasser-Barhilfe von insgesamt 100 Millionen Euro angewiesen. Der Bauernverband bezifferte die Ernteausfälle beim Getreide auf 1,5 Milliarden Euro.

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