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Fischmännchen erkennen Sex-Appeal ihrer Rivalen

Fischmännchen können den Sex-Appeal ihrer Rivalen einschätzen - und richten ihr Anbandlungsverhalten taktisch danach aus.

Halten Männchen des Mexiko-Kärpflings einen zuschauenden Konkurrenten für attraktiv und sexuell aktiv, zeigen sie betontes Desinteresse an ihrer “Traumfrau” – und schwimmen sogar zu einem nicht bevorzugten Weibchen. “Sie fürchten, ihr bevorzugtes Weibchen könnte ihnen weggeschnappt werden und legen deshalb eine falsche Fährte”, sagt der Biologe David Bierbach.

Die Erkenntnis, dass Fische komplexe soziale Informationen sammeln und diese beim Handeln berücksichtigen, hat ein Forscherteam um Bierbach und Martin Plath von der Goethe-Universität Frankfurt/Main in Deutschland gewonnen. Die Ergebnisse werden in den “Biology Letters” der britischen Royal Society veröffentlicht.

“Solch ein Verhalten wurde bisher eher bei Primaten und höher entwickelten Tieren angenommen”, erklärt der Wissenschafter. Als attraktive Geschlechtspartner gelten eher große Männchen, die für gewöhnlich auch bunter sind. In Versuchen ließen die Forscher Mexiko- Kärpflinge (Poecilia mexicana) einander für eine Woche im Becken kennenlernen. Einige Männchen wurden immer abgetrennt, also “solo” gezeigt, andere stets in der Nähe von Weibchen, weshalb diese von den Konkurrenten automatisch auch als sexuell aktiv wahrgenommen wurden. “Und desto stärker reagierten die anderen Männchen auf diese Konkurrenten.”

In der Natur gibt es auch sexuell inaktive Fische, zum Beispiel, wenn einer krank, verletzt oder unterernährt ist. “Auf solche Rivalen zu reagieren, wäre reine Zeitverschwendung”, erläutert der Biologe. Überhaupt erst nötig wird dieser harte Konkurrenzkampf, weil meistens Weibchen-Schwärme existierten und sehr viel weniger Männchen. Und die männlichen Fische seien immer auf der Suche nach Weibchen, die gerade paarungsbereit sind. Bierbach: “Um dies abzuchecken, müssen sie direkt mit dem Weibchen in Kontakt treten. Und dafür nippen sie mit dem Mund an der Genitalöffnung des Weibchens.” Davon ließen sie ab, wenn sie ein großes, sexuell aktives Männchen in der Nähe wähnten.

Mexiko-Kärpflinge gehören zu den lebendgebärenden Zahnkarpfen. Die “spannende Frage” sei nun, für welche Fischarten und überhaupt anderen Tiere die neuen Erkenntnisse noch zutreffen, sagt Bierbach.

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