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Feuerwehrmann auf dem Rasen

Altach-Trainer Urs Schönenberger (49) sprach mit der NEUE über den zu großen Spieler­kader, die Gefahr von Fußpilz und warum er das Wunder von Thun für möglich hält.

Das erste Saison-Drittel ist absolviert. Altach ist mit sechs Punkten Tabellenschlusslicht. Wo steht der Klub am Ende der Saison?
Urs Schönenberger:
Darüber müssen wir nicht diskutieren. Sie haben mich als Feuerwehrmann geholt. Für mich gibt es nur ein Ziel, und das heißt Klassenerhalt. Es wäre schade, wenn wir mit einer solch tollen Arena absteigen müssten.

Sie sind seit knapp sieben Wochen Trainer von Altach. Wo haben Sie bei der Mannschaft Schwächen bzw. Stärken geortet?
Schönenberger:
Ich habe eine Mannschaft übernommen, die nach acht Spielen drei Punkte auf dem Konto hatte. Diese Negativspirale ist in den Köpfen und den Beinen der Spieler drinnen. Umso mehr haben mich die drei Spiele gegen die Austria und Ried gefreut. Wir waren jedes Mal nah dran und hätten eigentlich punkten müssen. Aber der letzte Wille hat gefehlt.

Der Sieg letzte Woche gegen den LASK war für mich die Folge dieser spielerischen Steigerung. Ist mit diesem Sieg die lang erhoffte Wende bei Altach geschafft?
Schönenberger:
Es wäre einfach, wenn man das so sagen könnte. Ich hoffe, dass diese drei Punkte bei den Spielern etwas ausgelöst haben. Eines hat mich beim Spiel gegen den LASK besonders zuversichtlich gestimmt. Nach dem 1:0 mussten wir den unglücklichen Ausgleich hinnehmen. Wir ließen uns aber nicht aus der Ruhe bringen und haben weiter Fußball gespielt. Wir haben das 2:1 gemacht und danach auch noch einen dritten Treffer erzielt. Und das obwohl viele Spieler sicherlich im Hinterkopf hatten, dass wir trotz zweimaliger Führung das Match noch hätten verlieren können.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Schönenberger:
Ich kann keine Wunder wirken. Wir müssen einfach konsequent weiter arbeiten und zuhause wieder eine Macht werden. Der Gegner soll spüren, dass es schwer ist, uns daheim zu besiegen. Jedes Spiel beginnt mit einem Unentschieden. Und es muss das Ziel eines jeden Spielers sein, nach dem Schlusspfiff mindestens einen Punkt auch wieder in die Garderobe zurückzutragen. Das können wir am Sonntag gegen Salzburg unter Beweis stellen.

Welche Spieler haben Sie zuletzt besonders positiv überrascht?
Schönenberger:
Das ist sicher Matthias Koch. Den habe ich beim Ried-Spiel statt Ze Elias ins Mitttelfeld geholt. Matthias hat ein enormes Potenzial. Gegen den LASK hat er ein Tor geschossen. Das hat er vielleicht mir geschenkt, weil ich ihn ein Spiel davor aufgestellt habe. Aber auch die Leistung von Mario Konrad freut mich. Der hat eine lange Durststrecke durchgemacht. Aber ich hoffe, dass auch bei den anderen allmählich der Knopf aufgeht.

Braucht es bei Altach nach der Winterpause Verstärkungen im Spielerkader?
Schönenberger:
Wir haben drei Tormänner und 24 Feldspieler. Dieser Kader ist zu groß. Wir müssen uns von Spielern trennen. Das ist für mich ganz klar. Ich müsste nach dem derzeitigen Stand der Dinge dem Präsidenten aber auch sagen, dass wir die Augen für die eine oder andere Verstärkung offen halten müssen.

Wo orten Sie die Defizite?
Schönenberger:
In jeder Reihe. Aber bis zur Winterpause werde ich mit dem Spielkader arbeiten, den ich derzeit zur Verfügung habe. Im Frühling müssen wir aber noch einmal Gas geben.

Wer steht auf der Kippe?
Schönenberger:
Das kann ich noch nicht sagen. Das ist zu früh. Ich muss meine Mentalität bzw. Philosophie auf die Spieler zuerst übertragen. Wenn sie jemand bis zum Winter aber nicht kapiert hat, dann kann ich mich als Trainer auf ihn nicht verlassen. Ich bin als Feuerwehrmann engagiert worden und mich interessiert nicht, ob ein Spieler beim letzten Trainer einen Stammplatz hatte. Für mich zählt nur der Ist-Zustand. Nur der Spieler, der mir zeigt, dass er am Sonntag auf dem Platz stehen will, der wird auch einlaufen.

Sie legen als Trainer sehr viel Wert auf Fitness und Disziplin. Hätte der Trainer Schönenberger mit dem Spieler Schönenberger Freude gehabt?
Schönenberger:
Ich glaube schon. Ich war kein Spieler, dem das Talent in den Schoß gelegt wurde. Ich musste hart an mir arbeiten. Ich war vor meinem Engagement beim FC Zürich bei einem Zweitliga-Klub. Da trainierte ich zweimal pro Woche. Beim Zürich waren es dann zweimmal pro Tag. Das für mich eine enorme Umstellung. Aber ich wollte unbedingt Profi werden und habe alles dafür gemacht. Ich musste kämpfen, dass ich spielen durfte. Und diese Einstellung habe ich auch als Trainer beibehalten. Ich will Erfolg haben und verlange von meinen Spielern Disziplin und körperliche Fitness.

Apropos Fitness: Wie ist es um die Kondition des Brasilianers Ailton bestellt? Er hat zuletzt ein Tor gegen den LASK geschossen.
Schönenberger:
Wenn Toni fit gewesen wäre, dann hätte er nicht ein, sondern drei, vier Goals geschossen. Er wollte bereits nach einer Viertelstunde ausgetauscht werden. Ich habe ihn mehrmals an die Seitenlinie geholt und ihm erklärt, dass das nicht geht. Denn wegen muskulärer Probleme musste ich andere Spieler austauschen.

Warum hat Ailton trotz seiner offensichtlichen Konditionsprobleme trotzdem von Anfang an gespielt?
Schönenberger:
Das war eigentlich gar nicht geplant. Aber er hat mich in Verlegenheit gebracht, weil er am Tag zuvor gut trainiert hat. Da hatte ich eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen hat mir mein Kopf gesagt, dass Toni von Anfang an spielen soll. Nach seiner Leistung gegen Ried hat diese Entscheidung wirklich Mut gebraucht. Aber er hat das Vertrauen, das ich ihm gegeben habe, zurückgebracht.

Sie kennen die Sicht des Spielers und die des Trainers. Was ist der härtere Job?
Schönenberger:
Ich habe als Spieler immer gemeint, dass der Trainer das schönere Leben hat. Aber das stimmt nicht. Als Trainer musst du heute viel mehr planen. Der Job ist viel zeitaufwändiger. Wenn sich ein Spieler verletzt, brauchst du den Kontakt zu Ärzten, Physio­therapeuten und Masseuren. Der Spieler soll auch bei einem kleinen Klub wie Altach spüren, dass hier profimäßig gearbeitet wird.

Es gibt drei Profi-Fußballmannschaften in Vorarlberg. Sind das nicht zuviel?
Schönenberger:
Ich will eigentlich nur von uns reden. Wir sind in der Bundesliga und wollen dort auch bleiben. Das ist in der derzeitigen, weltweiten Finanzkrise besonders wichtig. Denn wer oben ist, bekommt auch die knapper werdenden Gelder zuerst. Darum ist es für uns ein Muss, oben zu bleiben.

Wie lange wollen Sie in Altach bleiben?
Schönenberger:
Ich habe einen Vertrag bis zum Ende dieser Saison. Und wenn der Klub danach weiter mit mir arbeiten will, kann man mit mir reden. Ich brauche Rasen unter meinen Füßen. Ein Jahr lang hatte ich das nicht. Wenn ich keinen Rasen unter meinen Füßen habe, dann bekomme ich Fußpilz. Und wer den schon einmal gehabt hat, weiß wie der beißt.

Als Trainer haben sie das Unmögliche möglich gemacht. Sie haben den kleinen FC Thun in die Champions-League geführt. Ist so ein Wunder auch mit Altach möglich?
Schönenberger:
Es gibt in allen Sportarten Überraschungen. Wer hätte gedacht, dass das kleine Thun Dynamo Kiew schlägt. Wir hatten ein Budget von 4,9 Millionen Franken und Kiew von 90 Millionen. Wir haben das Wunder dennoch vollbracht. Wenn die Tagesform stimmt, die Spieler an den Sieg glauben und der Klub alles dafür unternimmt, kann ich nichts ausschließen. Im Sport ist alles möglich. Ich warte nur drauf, dass einmal ein dunkelhäutiger Schifahrer ein Rennen gewinnt.

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