Festspiele: "Trans-Maghreb" gerät beinahe zum Irrlauf

Festspiele können mit begehbarer Operninszenierung nicht voll punkten
Festspiele können mit begehbarer Operninszenierung nicht voll punkten ©VOL.AT/Steurer
Dieses Wüstenstück ließ viele kalt: Das Libretto "Trans-Maghreb" nach der gleichnamigen Novelle von Hans Platzgumer feierte am Donnerstag im Rahmen der Bregenzer Festspiele Weltpremiere.
"Trans Maghreb" im Festspielhaus

Die Bregenzer Inszenierung zieht dabei den Zuschauer mit oder lässt ihn völlig kalt – dementsprechend sehr gespalten reagierte das Premierenpublikum auf das Stück.

Verheißungsvoll war das Vorspiel, gab es doch eine inszenierte Demo vor der Werkstattbühne, Passkontrollen, Gefangene, die um Zigaretten oder Hilfe baten. Das Publikum wurde zum Teil auf die Zuschauertribüne, zum Teil in den Zuschauerraum geführt. Eine gute Einstimmung auf einen Abend, der die Geschichte des Bauträgers Anton Corwald erzählt, der 2011 einen Trupp österreichischer Arbeiter und Ingenieure nach Libyen verfrachtet, um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für Muammar Al-Gaddafis Regime zu errichten.

Der Aufstand gegen den Diktator zwingt die Bauleute jedoch in die Wirren eines Bürgerkriegs. Sie werden im Baustellencamp festgehalten und ihre Lebensmittel rationiert. Nicht alle überleben diese Umstände.

Unübersichtlichkeit auf der Bühne

Als “flirrendes Nachdenken über unsere unübersichtliche Gegenwart”, würdigte die FAZ Platzgumers Buch als Empfehlung des Jahres 2012. Und Unübersichtlichkeit herrschte auch über weite Strecken bei der Inszenierung auf der Bregenzer Werkstattbühne. Regisseur Ran Arthur Braun würzte das Werk mit ein paar interessante Ideen, unterschätzte aber mutmaßlich die große Anzahl an Personen auf der Bühne. Die vielen Akteure und Zuschauer vermitteln zwar das Gefühl der Enge und Gedrängtheit des Camps, gleichzeitig beeinträchtigten sie aber die Möglichkeit, dem Stück wirklich folgen zu können.

Zuschauer spazierten irgendwo am Rande des Geschehens im Bühnenbild herum, verweilten beim Orchester und schauten gebannt auf den Dirigenten. Letzterem gebührt das größte Lob des Abends. Souverän, gelassen und mit großer Übersicht führte Benjamin Lack Sänger und Musiker durch das anspruchsvolle Werk. Eine ausgezeichnete Leistung bot dabei das Kammerorchester gemeinsam mit dem Koehne Quartett Wien.

Gespaltene Reaktionen

Und die anspruchsvolle Textfassung von Platzgumer mit Ingrid Bertel in deutscher Sprache mit arabischen, französischen, russischen und türkischen Einwürfen erhielt von Bühnenbildnerin Susanna Boehm den passenden Rahmen mit wenigen, aber sehr guten Akzenten. Die Reaktion des Publikums fiel jedenfalls gespalten aus. Während ein Teil der Zuschauer das Wüstenstück mit Bravorufen quittierte, spendeten andere Besucher sehr verhaltenen Applaus.

“Trans-Maghreb” war die letzte Premiere im Rahmen der heurigen Bregenzer Festspiele, die am Montag mit der letzten Aufführung der “Zauberflöte” auf der Seebühne zu Ende gehen.

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