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Feinstaub als "dritte Dimension" in Peking

©APA
Je mehr Sportler in Peking eintreffen, umso intensiver werden die Diskussionen wegen der Luftverschmutzung in der chinesischen Olympia-Stadt.

Einen Tag vor der Eröffnung werden am kommenden Donnerstag die Ärzte aller teilnehmenden Nationen vom IOC “gebrieft”, danach wird man auch objektiv mehr wissen. Auch Österreichs Olympia-Arzt Dr. Alfred Engel schließt deshalb eine kommende “Riesendiskussion” nicht aus.

Sei es die Giftbrühe bei den Seglern in Qingdao oder der unerträgliche Smog in Peking. Immer mehr Aktive beklagten wenige Tage vor dem Start der 29. Sommerspiele deutlich schlechtere Umweltbedingungen als wie bisher vom IOC dargestellt. Dessen Informationspolitik war zum Teil genauso wenig durchschaubar gewesen wie die Luft in der 17-Millionen-Metropole.

Meist berief man sich bisher auf offizielle Angaben aus China. Echte Vergleiche der Messwerte etwa mit europäischen Standards gibt es aber offenbar nicht oder werden bewusst geheimgehalten. Deshalb verwundert es auch nicht, dass trotz anhaltender Smog-Suppe am Dienstag in Peking lediglich eine “leichte Luftverschmutzung” gemeldet wurde. IOC-Chefmediziner Arne Ljungqvist sieht bezüglich einer Gesundheitsgefährdung für die Sportler “keine große Gefahr”.

Die Betroffenen sehen es aber zunehmend anders. Vor allem die im Freien antretenden Ausdauersportler wie Radfahrer oder Ausdauerläufer werden wohl leiden müssen. “Ich kann mir gut vorstellen, dass es da noch Riesen-Diskussionen gibt, wenn erst mal die großen Nationen vollzählig hier sind”, glaubt auch Engel, dass das Thema noch lange nicht gegessen ist. Hitze und Luftfeuchtigkeit hatten wir auch schon bei anderen Spielen. Hier kommt aber mit dem Feinstaub eine dritte Dimension dazu. Ausdauersportler werden extrem belastet sein”, so Engel.

Der österreichische Radfahrer Thomas Rohregger etwa klagte bereits nach dem Training über eine stechende Lunge und brennende Augen und befürchtete eine echte Gesundheitsgefährdung. Auch im Kanu und im Marathon sind ÖOC-Athleten am Start und stehen daher auf der “Gefährdetenliste”. Bis Dienstag gab es aber noch keine “Krankmeldungen” im ÖOC-Lager. Außerdem starten die meisten Österreicher ohnehin in Hallen.

“Wir haben bisher nur Einzelbeobachtungen. Deshalb ist es noch etwas zu früh, von einer echten Gefährdung zu sprechen”, sagte Engel am Dienstag. Als Sofortmaßnahme empfahl er duschen und Augentropfen. “Die Belastung der Lunge kann man nur mit Masken verringern, das macht aber für Sportler keinen Sinn.”

Auch Engel bemängelt, dass es bisher wenig objektive Informationen über die tatsächliche Luftqualität oder Ozonwerte in Peking gibt. Der ÖOC-Arzt, der Volleyballerin Sabine Swoboda für nicht fit erklärt hatte, wollte deshalb auch nicht ausschließen, dass er im Extremfall Sportlern von einem Start bei Olympia abraten werde. “Wenn die Richtwerte punkto CO2, Feinstaub und Ozon bedenklich sind, muss man sicher überlegen, ob man Sportler dann noch starten lässt. Wenn die Werte in einem pathologischen Bereich sind, sicher nicht.”

Der Sportarzt ist überzeugt, dass sich die schon seit langem andauernde Diskussion in den kommenden Tagen intensivieren wird. Ob Bewerbe verschoben oder sogar abgesagt werden müssen, sei alleine Entscheidung des IOC. “Es liegt aber auch jeder Nation frei, nicht zu starten.” Vorstellen kann sich Engel das aber nicht. “Das ist Olympia. Dazu hängt einfach zu viel daran.”

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