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Fataler Moment mit Langzeitfolgen

Diagnose: Schien-und Wadenbeinbruch. Sidinei De Oliveira ist derzeit der traurigste Fußballer im Ländle.

“Es wird schon wieder.“ “Nur Mut.“ “Alle stehen zu dir.“ Die Wirkung dieser Standardphrasen verpufft beim Patienten ziemlich schnell. Ein kurzes Lächeln – und schon verschwindet der Glanz aus Sidinei De Oliveiras Gesicht. Seine Augen werden nass. Hilflos blickt er ins ­Leere. “Noch letzte Woche“, sagt er dann, “habe ich mit einem Freund gescherzt. Auch über Verletzungen gings. Und jetzt . . .“Sidinei ist depremiert. Er hat Stunden heftiger Schmerzen hinter und vor sich. “Zuerst war dieser wahnsinnige Schmerz an der Wundstelle. Noch nie zuvor in meinem Leben hatte ich so einen Schmerz.“ Dann kam das innere Elend dazu.” Wann werde ich wieder spielen können? Diese Frage tat mir noch mehr weh.“

Mut für den Patienten

Der Brasilianer rekonstruiert den fatalen Moment. “Ich rutsche einem Tiroler Spieler im Kampf um den Ball seitlich hinein. Ernemann tut das von vorne und rammt mit seinem Knie meinen linken Unterschenkel.“ Noch in der Nacht operierte Austrias Vereinsarzt Dr. Richard Schnetzer den Unglücksraben. “Es ist eine noch schwerere Verletzung, als sie der Salzburg-Goali Gustaffson erlitt“, sagt Schnetzer. “Weil die Brüche knapp unterhalb des Knies eintraten“, berichtet Schnetzer. Doch er hat für den Brasilianer auch aufrichtige Worte des Mutes. “Sidinei ist jung und hat einen sportlich durchtrainierten Körper. Er kann wieder ganz gesund werden. Auch wenn das einige Zeit in Anspruch nehmen wird.“ De Oliveira gibt sich inmitten seiner Niedergeschlagenheit auch kämpferisch. “Ich verspreche den Austria-Fans: Ich komme zurück.“ Trotziger Nachsatz: “Und dann werde ich stärker denn je sein.“ Die Solidarität mit dem Austria-Spielmacher ist riesig. Sidinei bekommt fast stündlich SMS und Anrufe. Seine Frau Cindy ist eine starke Stütze für ihn, und Richard Schnetzer schaut bei seinem Patienten vorbei, wann immer er kann. Noch nicht getraut hat er sich gestern, seine Familie in Brasilien zu informieren. “Ich will nicht, dass sie sich sorgen.“ Anfang kommender Woche wird der 26-Jährige das Krankenhaus Dornbirn verlassen können. Er wird am Freitag darauf auch wieder auf den Platz kommen können und seinen Kollegen im Spiel gegen die Amateure von Austria Wien zusehen. “Aber das wird mir auch sehr weh tun. Ich bin Fußballer mit Leib und Seele. Doch Fußballspielen kann ich länger nicht mehr.“

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