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Falling - Kritik und Trailer zum Film

Willis Peterson ist ein alter, vom Leben gezeichneter Farmer, konservativ und homophob bis ins Mark. Als sich seine Demenz zusehends verschlimmert, will ihn sein erwachsener, offen schwul lebender Sohn John nach Kalifornien holen. Nicht der einzige Umstand, den Willis mit reichlich Kraftausdrücken und Missmut kommentiert.

Viggo Mortensen hat schon den König im Tolkien-Universum, einen russischen Killer und einen Hippie-Vater gespielt. Mit "Falling" legt der dänisch-amerikanische Schauspieler nun sein Regiedebüt vor, das er nicht nur selbst geschrieben, sondern für das er auch die lyrische Musik komponiert hat. Und er spielt einen schwulen Mann mit homophobem Vater. Sein Drama ist ein mutiges Debüt. Ab Freitag im Kino.

Falling - Kurzinhalt zum Film

Das erste Mal wenn wir Willis (Sverrir Gudnason) begegnen, bringt er gerade seine Frau Gwen (Hannah Gross) und seinen neugeborenen Sohn aus dem Krankenhaus nach Hause, steht in der Küche, hält das Baby still, während Gwen eine Windel holt, und beugt sich vor, um sanft zu flüstern: "Es tut mir leid, dass ich dich in diese Welt gebracht habe - nur damit du sterben kannst."

Diese etwas morbide Vorwarnung bereitet uns auf eine der nächsten Szenen vor, die Jahrzehnte später spielt. "Kalifornien ist für Schwanzlutscher und Fahnenverbrenner", speit Willis (jetzt gespielt von Lance Henriksen) seinem erwachsenen Sohn John (Viggo Mortensen) ins Gesicht. Willis ist ein ziemlich verwerflicher Kerl. Er ist rassistisch, frauenfeindlich und homophob, aber aus irgendeinem Grund ist John dazu bereit, seinen Vater zu sich zu holen, von einer abgelegenen New Yorker Farm nach Los Angeles, wo Willis seiner Familie und der von seiner Schwester Sarah (Laura Linney) näher sein kann. Der alte Mann kann sich nicht mehr um sich selbst kümmern, aber das hält ihn nicht davon ab, jeden, der ihm helfen will, zu beschimpfen.

Er leidet an Demenz, aber es ist nicht die Krankheit, die ihn zu einem Monster gemacht hat. Viele Rückblenden zeigen, dass er schon immer ein widerlicher Trottel war. Seine zärtlichsten Momente kommen, wenn sein kleiner Sohn es per Zufall schafft, bei der Jagd eine Ente abzuschießen.

Falling - Die Kritik

Willis scheint auf den ersten Blick eine völlig monströse Schöpfung zu sein, die beide toten Ex-Frauen als "Huren" und "Schwuchtelzüchter" bezeichnet. Doch mag er noch so sehr Gift und Galle spucken, er wird keineswegs als holzschnittartiges Monster gezeichnet. Das liegt einerseits an klug gewählten Wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit, andererseits natürlich an Lance Henriksen. Der vor allem im Horror- und Sci-Fi-Genre beheimatete Mime gibt hier zwar den Grantscherben par excellence, bleibt in seiner Sturheit und Unbelehrbarkeit aber doch greifbar. Vor allem aber nutzt Henriksen ein ständiges Schnaufen, Brummen und Seufzen, um das Innenleben seines Charakters zu verdeutlichen, vom intensiven Mienenspiel gar nicht zu reden. So selten es vorkommt, wirkt ein Lächeln auf seinem Gesicht wie ein atmosphärischer Wechsel der Tonalität.

Viggo Mortensen ("Herr der Ringe") hat oft betont, dass ihm die Idee zu seinem Drama gekommen sei, als er nach der Beerdigung seiner Mutter über den Atlantik geflogen ist. Seine Arbeit in der bildenden Kunst wird hier deutlich, da die Rückblenden oft einen malerischen Charakter haben. Als Regisseur und Schauspieler ist er hier zurückhaltend und überlässt die Bühne Lance Henriksen, der vor lauter Wut die Leinwand fast in Brand steckt.

Obwohl die Geschichte nicht speziell auf seinem eigenen Vater basiert, gab es echte Ereignisse und Gespräche, und Mortensen hat mehrere Mitglieder seiner Familie betreut, die an Demenz erkrankt sind. "Falling" behandelt also fraglos ein Thema, das ihm am Herzen liegt. Er widmete den Film sogar seinen beiden jüngeren Brüdern.

Er spielt John als Inbegriff der Geduld und des Verständnisses. Wenn sein Vater ihn oder seinen Ehemann (Terry Chen) eine "Schwuchtel" nennt, dann zuckt er nur traurig mit den Schultern. An einer Stelle explodiert er, aber die meiste Zeit lässt er die Grausamkeiten über sich ergehen. Warum John seinen Vater nicht hochkantig rauswirft, sondern pflichtbewusst auf ihn aufpasst, wagt niemand zu sagen. Vielleicht weil er weiß, dass es keinen Sinn hat. Er kann seinen Vater nicht ändern.

Wie auch im echten Leben, gibt es keine einfachen Antworten in diesem Film. An einer Stelle schimpft John über seinen Vater, dass er sich noch nie für alles entschuldigt hat. Einzig als Zuschauer wissen wir, dass er eben das in der ersten Szene des Werks bereits getan hat.

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(APA/Red)

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