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„F*** dich, lass mich in Ruhe“ - TikTok geht viral

„Ich bin so fertig #kapitalismus.“ So lautet der Titel des TikTok Videos, das auch in Vorarlberg Aufmerksamkeit erregt. W&W hat Jugendliche sowie Jugendcoach Michaela Koncilia dazu befragt.

„Ich hatte gerade den größten Nervenzusammenbruch ever.“, Mit diesen Worten beginnt Dana Rosa das TikTok-Video. Die Creatorin erzählt, sie habe vor Kurzem ihr Studium abgeschlossen und sei nun auf Jobsuche. Womit sie allerdings nicht gerechnet habe, seien die Bewerbungsausschreibungen, die manche Arbeitgeber veröffentlicht hatten: „F*** dich, lass mich in Ruhe!“ kommentiert sie solche Stellenausschreibungen. Die TikTokerin ist schockiert: Frisches Obst als Benefit, ein Jahresgehalt von „nur“ 36.000 Euro Brutto und 30 Tage Urlaub im Jahr sollen Arbeitsuchende anlocken. Bei einer Vollzeitanstellung könne sie mit diesem Gehalt nicht überleben.

„Mittlerweile ist der Standard, dass zwei Leute in einem Haushalt Vollzeit arbeiten. Das bedeutet keine Freizeit. Am Wochenende habe ich auch nicht frei. Auf mich wartet ein Haushalt, ein Einkauf und Freunde.“ Unter Tränen appelliert Dana Rosa darauf, aufzuwachen und nicht mehr arbeiten zu gehen. „Erst, wenn wir alle vereint „Nein“ sagen, kann dieses System gestoppt werden“, lautet ihre Überzeugung.

Gespaltene Meinungen

Die Meinungen zu ihrem Video sind gespalten: Während eine große Gruppe den Beitrag als übertrieben und kindisch bezeichnet, gibt die andere Zuspruch in den Kommentaren: „Das ist in meinen Augen eine starke Frau.“, „Sie hat doch vollkommen recht!“, „Ich bin stolz auf die jüngere Generation, die es nicht mehr als gegeben hinnimmt, über die nächsten 40 Jahre einfach nur verheizt zu werden.“

Der Kompass zum Ziel

Zahlreiche negative Kommentare stärken die Meinung, dass Jugendliche nicht mehr arbeiten gehen wollen. Michaela Koncilia vom FAB widerspricht dem und schildert von der Unterstützung, die die Jugendliche bräuchten. „Junge Menschen wollen sehr wohl arbeiten. Nur eben nicht mehr für jeden Preis. Vorallem wollen sie Arbeit, die sie als sinnvoll empfinden. Und das ist gut so“. Inzwischen sei das Angebot an Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten so groß, dass es Jugendliche überfordert. Das hat oft die Folge, dass sie aufgrund dieser Überforderung statt zu arbeiten „nichts“ tun. „Sie brauchen Unterstützung, einen Kompass, der ihnen auf ihrer Reise die Richtung zeigt und sie an ihr Ziel bringt.“ Dem letzten Teil von Dana Rosas Apell stimmt sie zu. „Das System muss sich evaluieren und der sich verändernden Realität anpassen“, so Koncilia.

„Das Video spricht nicht für alle!“

"Meine persönlichen Erfahrungen mit Jugendlichen und ihrem Willen Leistung zu erbringen sind vielfältig. Erstmals arbeiten zu müssen, kann ganz schön beängstigend sein. Jugendliche möchten sehr wohl arbeiten. Das Video zeigt, wie eine einzige der Gen Z „drauf“ ist. Es spricht nicht für alle.“

Michaela Koncilia, FAB

„Es muss sich etwas ändern!“

„Meiner Meinung nach sollten die Leute sie mehr ernst nehmen und sich nicht aufregen, nur weil sie mal die Wahrheit äußert. Alles ist teurer geworden und der Lohn ist wirklich gering. Es muss sich schlagartig etwas ändern in der Gesellschaft und wirtschaftlich, damit das Leben leistbar wird!“

Joanna, 25

„Willkommen in der Realität“

Vergangene Woche veröffentlichte Antenne Vorarlberg auf ihrer Facebookseite das Video der TikTokerin danarosa.music. Das Video ging schnell viral. Über 6000-mal wurde der
Beitrag geteilt, darunter über 26.600 Kommentare verfasst. Am häufigsten zu lesen ist in den Kommentaren „Willkommen in der Realität“ und „So ist das Leben."

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(WANN & WO)

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