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Experten: "Herzinfarktsymptome immer ernst nehmen"

Bei Herzinfarktsymptomen sollte man sofort handeln.
Bei Herzinfarktsymptomen sollte man sofort handeln. ©pixabay.com (Sujet)
Vertreter der Berufsrettung Wien, MedUni Wien und des Vereins Puls haben am Dienstag appelliert, Herzinfarktsymptome immer ernst zu nehmen und keinesfalls wegen des Coronavirus abzuwarten.

Herzinfarktsymptome müssen unbedingt ernst genommen werden. Darauf haben am Dienstag zahlreiche Experten aufmerksam gemacht. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich Patienten oftmals nicht ins Spital begeben oder die Rettung verständigt, was zu Kollateralschäden führte. Größere Herzinfarkte, mehr Patienten in einem infarktbedingten Schockzustand bei Spitalsaufnahme, aber auch vermehrt Reanimationen durch die Rettung zu Hause waren die Folge.

Experten appellieren: Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort ins Spital

Mit den neuerlich verschärften Maßnahmen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie haben am Dienstag die Berufsrettung Wien, die MedUni Wien und der Verein Puls dazu aufgerufen, Herzinfarktsymptome immer ernst zu nehmen und keinesfalls wegen des Coronavirus abzuwarten. "Bei Verdacht muss der Patient oder die Patientin sofort ins Spital, wartet man ab, kann das massive Folgen haben", warnten die Experten. Eine gemeinsame Studie bestätigt nun, dass zu Beginn der ersten Welle der Pandemie zwar weniger Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt transportiert wurden, jedoch der Anteil von Betroffenen, welche sich mit Zeichen des akuten Herzversagens präsentierten, drastisch stieg.

Weltweit wurde seit Beginn der Covid-19 Pandemie über einen ungeklärten Rückgang der Häufigkeit von Patienten, welche sich mit einem Herzinfarkt präsentierten, berichtet. Auch in Österreich konnte im Laufe der ersten Welle der Pandemie eine um rund 40 Prozent geringere Hospitalisierungsrate von Herzinfarkt-Patienten verzeichnet werden. Ob dieser Rückgang tatsächlich durch die Beschränkungen und die damit verbundenen reduzierten körperlichen Belastungen sowie auch eine Reduktion von schädlichen Umwelteinflüssen (zB Feinstaubbelastung) oder doch durch die Angst vor einer möglichen Covid-19-Infektion einherging und sich die betroffenen Menschen einfach nicht sofort gemeldet haben, blieb bis dato unklar.

Studien zeigen Kollateralschäden während des ersten Lockdowns

Ein neues Licht wirft nun eine Studie der Medizinischen Universität Wien und der Berufsrettung der Stadt Wien auf jene Ereignisse: Im Rahmen einer Analyse von Patrick Sulzgruber (Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Wien) und Mario Krammel (Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls, Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes) wurden Herzinfarkt-Patienten, die vor und während der ersten Pandemie-Welle von der Wiener Berufsrettung betreut wurden, entsprechend ihres klinischen Zustandsbilds zum Zeitpunkt der medizinischen Erstversorgung untersucht.

Das Studienteam um Professor Alexander Niessner (Universitätsklinik für Innere Medizin II, Klinische Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Wien) konnte aufzeigen, dass im Laufe der ersten Pandemie-Welle auch in Wien ein Rückgang von 42 Prozent bei den durch den Rettungsdienst versorgten Herzinfarkt-Patienten verzeichnet wurde. Als wichtigstes und zugleich besorgniserregendes Resultat der Datenauswertung konnte erstmals dargelegt werden, dass der Anteil an Herzinfarkt-Patienten, welcher sich mit Zeichen des akuten Herzversagens sowie tödlichen Herzrhythmusstörungen präsentierten, im Laufe des Beobachtungszeitraums drastisch zunahm.

"Waren die Rettungsteams der Berufsrettung der Stadt Wien vor der Covid-19-Pandemie in weniger als sieben Prozent aller versorgten Herzinfarkte mit Zeichen des akuten Herzversagens konfrontiert, so stieg die Zahl im Rahmen der ersten Welle der Pandemie auf 23,7 Prozent aller Fälle - was für das pandemiebedingt belastete Rettungssystem der Bundeshauptstadt eine besondere Herausforderung darstellte", sagte Krammel.

"Hervorzuheben ist, dass mit einer Verzögerung von etwa zwei Wochen nach Beginn des Rückgangs der Herzinfarkte ein deutlicher Anstieg der Infarkt-Patienten mit Zeichen des akuten Herzversagens beobachtet wurde. Dieses Ergebnis legt die Annahme nahe, dass Personen welche Symptome eines Herzinfarkts verspürt haben, vermutlich aufgrund von Angst vor einer möglichen SARS-CoV-2 Infektion im Krankenhaus häufig erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, in einem bereits lebensbedrohlichen Zustand, medizinische Hilfe in Anspruch genommen haben", hielt Patrick Sulzgruber, Leiter der Studie, fest.

Zahlen von Herzinfarkt-Patienten wegen Lockdowns wieder im Sinken

Seitens der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität Wien wird zudem berichtet, dass mit den derzeit steigenden Covid-19 Infektionszahlen und den aktuellen Maßnahmen abermals bereits tendenziell sinkende Zahlen von Herzinfarkt-Patienten verzeichnet werden. "Wenn typische Symptome wie etwa starke und länger als zehn Minuten anhaltende Schmerzen hinter dem Brustbein, die in einen Arm, den Hals oder den Bauch ausstrahlen können, oder ein Engegefühl oder Brennen in der Brust auftreten, so ist ohne Verzögerung die Rettung zu verständigen", sagte Niessner.

Die Ergebnisse des Wiener Studienteams wurden nach Prüfung durch internationale Gutachter zur Publikation freigegeben und werden demnächst in einem renommierten Fachjournal der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie publiziert.

(APA/Red)

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