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Experte zu Solingen: Warnzeichen möglicherweise nicht erkannt

Experte Axel Petermann spricht über die möglichen Hintergründe des Familiendramas in Solingen.
Experte Axel Petermann spricht über die möglichen Hintergründe des Familiendramas in Solingen. ©AFP, dpa
Der gewaltsame Tod von fünf Kindern in Solingen deutet nach Ansicht des Kriminalexperten Axel Petermann auf Hilf- und Perspektivlosigkeit der Mutter hin.
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Mögliche Warnzeichen für die Tat seien zudem womöglich wegen der Coronavirus-Pandemie nicht rechtzeitig erkannt worden, sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. So sei beispielsweise denkbar, dass durch das Ausfallen von Schulunterricht und Kindergartenbetreuung Mechanismen nicht greifen konnten, die sonst Hilfe oder Unterstützung ermöglicht hätten.


Mutter schwer verletzt

Die Kinder im Alter von einem bis acht Jahren waren am Donnerstag leblos in einer Wohnung in der nordrhein-westfälischen Stadt entdeckt worden. Die 27 Jahre alte Mutter steht unter Tatverdacht. Sie versuchte sich nach Angaben der Polizei am Bahnhof in Düsseldorf mit dem Sprung vor einen Zug das Leben zu nehmen. Sie überlebte schwer verletzt. Auch ein elfjähriger Sohn der Frau überlebte.

Konsequenz für Mütter ungewöhnlich

Dass bei dem Fall in Solingen eine Frau unter Tatverdacht stehe, sei außergewöhnlich, sagte Petermann, der Buchautor und Fallanalytiker ist. "Diese Gewalt bedeutet ja auch für jede einzelne Tötung einen neuen Entschluss." Die Konsequenz des Tatgeschehens sei für Mütter ungewöhnlich. "Ich zumindest habe das so nie erlebt", so der Profiler. Häufiger seien es Männer, die im Rahmen eines erweiterten Suizids die eigenen Kinder töteten. Oft stehe dabei ein Streit um das Sorge- oder Besuchsrecht mit der Ex-Partnerin.

Bei Männern komme als Motiv auch häufig eine Aggression gegen die Mutter der Kinder infrage. Die solle durch das Töten der gemeinsamen Kinder dann bestraft werden. Das hält Petermann bei einer Frau aber für unwahrscheinlich. Eher glaubt er, dass Mütter die eigene Perspektivlosigkeit auf die Kinder übertragen und ihnen das Leid ersparen wollen, das sie mit dem eigenen Leben verbinden.

Taten in allen Gesellschaftsschichten

Das Einkommen der Familie sei für eine solche Tat wohl weniger entscheidend. Das seien Taten, "die sich doch durch alle Gesellschaftsschichten ziehen können", sagte Petermann. Es komme darauf an, inwieweit Menschen in ein soziales Netzwerk eingebunden seien und Ansprechpartner hätten. Ihn interessiere beispielsweise die Frage, ob die Frau von dem oder den Vätern bei der Erziehung der Kinder alleine gelassen wurde.

(dpa)

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