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Experte: Corona-Zahlen in Wien kein Grund zur Sorge

Laut Rechenexperte Nikolas Popper bereiten die Zahlen in Wien keinen Grund zur Sorge.
Laut Rechenexperte Nikolas Popper bereiten die Zahlen in Wien keinen Grund zur Sorge. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Laut TU-Experte Niki Popper bereiten die Corona-Zahlen in Wien noch keine Sorgen. Die Schwankungen in Österreichs einziger Großstadt seien auf lokale Cluster zurückzuführen.
Infektionen nach Bundesländern

Für den Simulationsexperten Niki Popper sind mehr Corona-Neuinfektionen in Wien kein Anlass zur Sorge. Solange man wisse, wo die Fälle auftreten, sei dies kein Problem, sagte Popper am Mittwoch in "Ö3".

Zahlen in Wien zeigen lokale Cluster

Für eine Zwei-Millionen-Stadt habe Wien lange Zeit untypisch niedrige Zahlen gehabt, und für Neuinfektionen gelte: "Solange lokale Effekte identifiziert werden, und solange ich das Cluster finde, ist es kein Problem", sagte Popper. Problematisch wäre, wenn man sie nicht aufklären könnte. "Wir brauchen überall die Prozesse, dass wir schnell testen, dass Tests schnell ausgewertet werden und dass wir auch Maßnahmen setzen", also Quarantäne in der Familie und am Arbeitsplatz.

Nach dem amtlichen Corona-Dashoard des Gesundheitsministeriums gibt es in Österreich derzeit 1.069 Corona-Erkrankte. In Wien sind 539 Personen an dem Coronavirus erkrankt, dahinter folgt mit großem Abstand die Steiermark mit 193 Fällen.

Simulationsexperte Popper für verstärkte Tests bei Pädagogen

Angesichts der breiteren Öffnung der Schulen am Montag (18. Mai) plädiert der Simulationsexperte Niki Popper von der Technischen Universität Wien dafür, die Entwicklung um etwaige Covid-19-Erkrankungen möglichst genau zu beobachten. Dazu gehören vermehrte und gezielte Testungen von Pädagogen sowie rasches Reagieren, wenn dort Infektionscluster entstehen, sagte Popper gegenüber der APA.

"Aktuell haben wir keine großflächige epidemische Entwicklung. Aufpassen müssen wir aber dennoch, wenn sich Zahlen in einem Bundesland verändern", so der Experte von der Technischen Universität (TU) Wien und vom TU Wien-Spin-off dwh. Seine Berechnungen dienen gemeinsam mit jenen der Medizinischen Universität Wien, vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Gesundheit Österreich GmbH dem Gesundheitsministerium als Entscheidungsgrundlage. Die momentane Situation mit wenigen Fällen erinnere insofern ein wenig an den Beginn der Epidemie in Österreich, wo noch vor allem importierte Fälle aus dem Ausland das Bild dominierten, weil sich in den Modellen keine wirkliche Dynamik zeigt.

Treten in solchen Situationen gehäuft Fälle auf, sei das vor allem dann besorgniserregend, wenn diese sozusagen aus dem Nichts täglich neu in gewisser Anzahl auftauchen. Hat man es etwa in einer Region jedoch nur mit einigen neuen Fällen zu tun, bei denen man weiß, wo ihr Ursprung liegt, sei das weniger schlimm, weil "man die Menschen rasch aus dem Kontaktnetzwerk herausnehmen kann", erklärte Popper. In so einer Situation müsse man gut überlegen, "wo man genau hinschaut" - sprich verstärkt testet.

Testfokus auf Schulen und Kindergärten

Wenn jetzt die Schulen und Kindergärten wieder vermehrt besucht werden, macht es für den Mathematiker Sinn, den Testfokus dorthin zu lenken. "Im Modell führen offene Schulen natürlich zu mehr Kontakten und einer stärkeren Ausbreitung", erklärte Popper. Da aber Kinder und Jugendliche in der Regel zum Glück zu leichten Krankheitsverläufen neigen, erhöhe sich dadurch der Druck auf das Gesundheitssystem weniger als bei anderen Gruppen. Um weiter die potenzielle Übertragung vor allem in Richtung der Großelterngeneration zu minimieren, "sagen wir: Wenn die Ressourcen da sind, wäre es gut, die Lupe auf Kindergärten oder Lehrer zu richten, um Cluster zu identifizieren." Das gelte aber, wenn die Testkapazitäten ausreichen, auch für alle anderen Bereiche die geöffnet werden. Der Weg über die Pädagogen mache in dem Fall Sinn, weil es schwierig ist, Kinder quasi ins Blaue hinein zu testen.

Findet man dann einen Cluster in einer Schule, müsse man "zum Beispiel Schulklassen schnell und effizient zusperren. Und wir müssen lernen, dass das gezielte Vorgehen keine neue Krise darstellt. Denn diese Strategie ermöglicht es umso mehr Bereiche zu öffnen", betonte Popper, der hier auch auf einen Lerneffekt aus den bisherigen Erfahrungen mit dem Virus hofft. Man dürfe nicht vergessen, dass sich gegenüber März Testkapazitäten vergrößert haben und Ergebnisse schneller da seien. Im Modell zeige sich deutlich, dass eine Containment-Maßnahme beispielsweise 48 Stunden nach Auftreten "unglaublich viel wirksamer" ist als etwa nach fünf Tagen.

Kinder und Jugendliche "möglicherweise viel weniger ansteckend"

In ihren Berechnungen gehen die Forscher aktuell noch von der gleichen Ansteckungsgefahr durch Kinder und Erwachsene aus. Es gebe aber auch Hinweise und die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche "möglicherweise viel weniger ansteckend sind". Leider fehlten dazu international noch verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse. "Die nötige Evidenz werden wir aber auch nur finden, wenn man jetzt die Schulen wieder aufsperrt und wir unser Wissen erweitern", sagte Popper.

Die schrittweise Öffnung ist deshalb für den Forscher "der richtige Weg", auch wenn das für Eltern mitunter organisatorisch sehr schwierig sei. Die ersten Effekte der großflächigeren Schulöffnungen würden in den Daten voraussichtlich im Juni sichtbar. Angst sei fehl am Platz, Vorsicht aber geboten. Selbst wenn man zu diesem Zeitpunkt nichts sieht, könne man aber keine Entwarnung für den Schulbereich geben. Denn es gelte weiter: In den Verbreitungsszenarien kann sich lange wenig tun und dann auf einmal alles sehr schnell gehen.

(APA/red)

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