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Ex-König Juan Carlos bringt spanische Monarchie ins Wackeln

Ex-König Juan Carlos und seine Frau Sofia im Jahr 2004.
Ex-König Juan Carlos und seine Frau Sofia im Jahr 2004. ©APA
Die PR-Berater des spanischen Königshauses dürften lange an dem Brief getüftelt haben, in dem sich der unter Korruptionsverdacht stehende Ex-König Juan Carlos für seinen Gang ins "Exil" rechtfertigt. Er wolle Spanien verlassen, um seinen Sohn Felipe nicht weiter bei der Ausübung seiner Aufgaben als König zu hindern. Die "öffentlichen Konsequenzen bestimmter Geschehnisse der Vergangenheit" würden zur Belastung der Krone werden.
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Madrid. "Mit seiner Flucht hat Juan Carlos aber genau das Gegenteil erreicht. Die Art und Weise, wie er das Land verließ, macht ihn irgendwie verdächtig", versichert die spanische Königshausexpertin Almudena Martinez im Gespräch mit der APA. Obwohl das Königshaus beschwört, Juan Carlos sei weder geflohen noch ins Exil gegangen, zumal es auch keine offizielle Anklage gibt, waren die Umstände seiner Reise doch recht suspekt:

Juan Carlos floh bereits am Montag in die Dominikanische Republik

Kurz bevor das offizielle Kommunique vom spanischen Königshaus am Montag veröffentlicht wurde, verließ Juan Carlos am Sonntagabend den Madrider Zarzuela-Palast und fuhr nach Sanxenxo, einem kleinen Küstendorf im nordspanischen Galicien, wo er die meiste Zeit des Jahres verbringt. Am Montagmorgen ließ er sich von hier über die Grenze nach Portugal bringen und flog von Porto aus in die Dominikanische Republik.

Er wolle eventuell im September zurückkommen, stehe der spanischen Justiz, die Ermittlungen gegen ihn eingeleitet hat, aber jederzeit zur Verfügung, erklärte sein Anwalt. "Man versucht, Juan Carlos aus dem Rampenlicht zu nehmen. Doch die Aktion war ein Eigentor. Bei vielen Medien und Bürgern ist der Eindruck entstanden, Juan Carlos flieh vor der Justiz", meint Palastexpertin Martinez.

Spaniens Monarchie erschüttert

Tatsächlich erschüttert Juan Carlos heimliche "Flucht" Spaniens Monarchie in ihren Grundpfeilern, die schon seit Jahren am Wackeln sind. Nach dem Finanzskandal seines mittlerweile inhaftierten Schwiegersohnes Inaki Urdangarin und seiner bei einem Safari-Ausflug aufgeflogenen Affäre mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein dankte Juan Carlos 2014 zwar ab und zog sich seit letztem Jahr komplett aus dem öffentlichen Leben der spanischen Königsfamilie zurück. Doch schon seit Monaten steht der ehemalige Monarch wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar (85,28 Mio. Euro) beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium erneut im Rampenlicht.

Ob die Zukunft der Monarchie auf dem Spiel stehe, könne sie nicht sagen, meint Almudena Martinez. "Vielleicht. Aber fest steht, dass Juan Carlos mit seiner heimlichen Flucht das Ansehen der Krone erneut angeknackst hat, nachdem Felipe und Letizia seit Jahren versuchen, die Folgen seiner ganzen Skandale zu kaschieren."

Abgang von Juan Carlos "beschämend"

Ein Popularitätseinbruch - nicht nur bei vielen Bürgern, sondern auch in der Politik. Der linke Regierungskoalitionspartner Podemos bezeichnete den Abgang Juan Carlos als "beschämend". Er müsse endgültig die Türen für eine gesellschaftliche und politische Debatte über den Fortbestand der parlamentarischen Monarchie in Spanien öffnen, so die Linksformation des spanischen Vize-Regierungschefs Pablo Iglesias. Unterdessen kritisierte Irene Montero, Spaniens linke Ministerin für Gleichheit, den sozialistischen Ministerpräsidenten und Koalitionspartner Pedro Sanchez, die Podemos-Minister nicht über die anscheinenden Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Königshaus informiert zu haben.

Die Parlamentsfraktionen der katalanischen Linksrepublikaner (ERC) und der baskischen Separatisten stellten bereits einen Antrag, Spaniens sozialistischer Regierungschef müsse im Parlament die "Rolle der Regierung bei der Flucht" von Juan Carlos erklären. Auch die im Baskenland regierenden Nationalisten der PNV forderten eine Klärung der aktuellen Geschehnisse.

Spanische Zentralregierung als "Fluchthelferin"

Kataloniens separatistischer Ministerpräsident Quim Torra ging noch einen Schritt weiter. Er machte nicht nur die spanische Zentralregierung als "Fluchthelferin" verantwortlich, sondern forderte im Namen der katalanischen Nation auch die Abdankung von Felipe VI. als König und ein Ende der Monarchie.

Unterdessen verteidigte Ministerpräsident Pedro Sanchez am Dienstagnachmittag vehement die Krone und Spaniens politisches System der parlamentarischen Monarchie. In der Vergangenheit wären auch Parteien und Gewerkschaften in Korruptionsfälle verwickelt gewesen und niemand habe an ihren Fortbestand gezweifelt oder ihre Abschaffung gefordert. Nicht die Institution, sondern ein Mitglied der Königsfamilie stände derzeit unter Verdacht, so Regierungschef Sanchez.

Dabei stellte er klar, dass Spanien gerade im Zuge der Corona-Pandemie und schwierigen Zeiten wie diesen robuste und stabile Institutionen brauche. Diese müssten allerdings vorbildlich und transparent geführt werden, so der spanische Ministerpräsident.

(APA)

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