Euthanasiefall in Sulzberg aufgearbeitet

Dr. Michael Pfanner nahm die Enthüllung der Gedenktafel vor und erklärte deren Materialien.
Dr. Michael Pfanner nahm die Enthüllung der Gedenktafel vor und erklärte deren Materialien.
Euthanasieopfer Erich Forster wurde ein Denkmal gesetzt.

In Sulzberg wurde dem Euthanasieopfer Erich Forster ein Denkmal gesetzt.

Sulzberg. Anlässlich des 70. Todestages des Euthanasieopfers Erich Forster, 1941 im Alter von 56 Jahren in der Tötungsanstalt Hartheim ermordert, wurde dessen Schicksal unter Einbezug der Bevölkerung historisch aufgearbeitet und ein zeitgemäßes Mahnmal gesetzt.

Bei einer Gedenkveranstaltung im voll besetzten Thalsaal konnte Günther Wirthensohn, Obmann des Selbsthilfeverein Thal, eine große Anzahl an Gästen willkommen heißen. Er sprach die Hoffnung aus, dass es – in Erwartung einer humaneren Zukunft – im Dorf niemals mehr so eine Veranstaltung dieser Art geben möge. Anschließend erklärte Konrad Vögel als Obmann des Kameradschaftsbundes, wie er und seine Vereinsmitglieder mit dem Thema NS-Euthanasie konfrontiert wurden und wie damit umgegangen sei. Dr. Elmar Haller referierte über die Herkunft der Familie Forster, ihr Leben im Haus “Stampf” und das Schicksal der behinderten Söhne Erich und Albin.

Reise nach Hartheim

Der Dorfhistoriker Prof. Ernst Wirthensohn folgte dem Opfer Erich Forster in Gedanken bei einer Reise nach Hartheim, die er im vergangenen Jahr unternommen hatte. In einem berührenden Bericht schilderte er, wie es Forster in den Tagen der Deportation, auf den Stationen in den Tod, ergangen sein musste. Der Beitrag zeichnete zudem ein Bild von der Tötungsanstalt Hartheim und von den dort handelnden Personen in einer barbarischen Zeit. Die ganze Brutalität der Vorgänge in Hartheim wurde dann in einem Vernehmungsprotokoll vom Herbst 1945 greifbar, das von Dr. Christoph Mittler gelesen wurde.

Zeitzeugen

Thaler Jugendliche führten mit den Zeitzeugen Gertrud und Alois Vögel, Karl Wohllaib, Ilga Violand und Theo Rogginer ein Gespräch, welches Zwischenkriegszeit, Kriegszeit, Gefangenschaft und den Einmarsch der Franzosen in Sulzberg-Thal lebendig werden ließen. Bürgermeister Helmut Blank dankte allen, welche den Euthanasiefall Erich Forster erforscht, die Gedenkveranstaltungen geplant und sich für die Sache eingesetzt hatten. Eine besondere Note bekam der Abend durch die Musikbeiträge (Trompete) von Mathias und Georg Fink. Die in Konzentrationslagern entstanden Weisen standen im Zusammenhang mit Widerstand und Verfolgung der damaligen Zeit.

Denkmal-Enthüllung

Am Sonntag wurde von Pfarrer Ehrenreich Bereuter für Erich Forster eine Gedenkmesse zelebriert. Ernst Wirthensohn ging in seiner Ansprache auf die Umstände des tragischen Todes von Forster ein, der als Taubstummer für die Nazis als “unwertes Leben” ermordet wurde. Er nannte den Gedenktag trotz des traurigen Anlasses einen “glücklichen Tag für Thal” und begründete dies damit, dass die Dorfbewohner mit der Feier und der Enthüllung einer Tafel auf dem Friedhof den in Hartheim ermordeten Behinderten symbolisch in die Gemeinschaft zurückholten. Nach der Messe nahm Dr. Michael Pfanner am Friedhof die Enthüllung der von ihm entworfenen Gedenktafel vor. AK

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