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Talfahrt geht weiter: Euro auf tiefstem Stand seit neun Jahren, Ölpreise im Keller

Euro-Rutsch und Ölpreis-Verfall
Euro-Rutsch und Ölpreis-Verfall ©dpa (Themenbild)
Der Euro ist wegen der Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und der unsicheren Lage in Griechenland auf den tiefsten Stand seit rund neun Jahren gefallen. Daneben setzten auch die Ölpreise ihre Talfahrt zu Beginn der neuen Woche fort und erreichten den tiefsten Stand seit über fünf Jahren.

In den ersten Handelsstunden der neuen Woche ist der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung am Montag bis auf 1,1864 Dollar gefallen. Das war der tiefste Stand seit März 2006. Zuletzt konnte sich der Euro allerdings etwas erholen, lag aber mit 1,1938 Dollar immer noch deutlich unter der Marke von 1,20 Dollar, unter der er zuletzt im Sommer 2010 gestanden war.

Griechen raus aus der Eurozone?

Händler begründeten die erneuten Kursverluste mit der Geldpolitik der EZB sowie der Lage in Griechenland. Drei Wochen vor der dortigen Neuwahl ist die Debatte über einen Austritt des Krisenlandes aus der Eurozone wieder voll entbrannt. Auslöser ist ein “Spiegel”-Bericht, nach dem die deutsche Regierung ein Ausscheiden des hoch verschuldeten Landes aus der Währungsgemeinschaft inzwischen für verkraftbar hält.

Euro verliert kontinuierlich an Wert

Mit dem Rückgang setzt der Euro die Talfahrt der vergangenen Monate fort. Im Mai des vergangenen Jahres hatte die europäische Gemeinschaftswährung noch fast 1,40 Dollar gekostet, verlor dann aber kontinuierlich an Wert.

Eurokurs seit 2005
Eurokurs seit 2005

Die EZB hatte im Sommer als erste große Notenbank der Welt “Strafzinsen” für Einlagen von Banken eingeführt. Das heißt, dass die europäischen Geldhäuser für bei der Zentralbank geparktes Geld Zinsen zahlen müssen, anstatt wie sonst üblich welche zu bekommen.

“Strafzinsen” sollen Wirtschaft ankurbeln

EZB-Präsident Mario Draghi will damit die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft vor allem in Südeuropa ankurbeln und eine zu niedrige Inflation verhindern. Bisher verpuffte dieser Schritt allerdings größtenteils. Draghi hatte daher zuletzt immer wieder angekündigt, zu weiteren Schritten bereit zu sein. Erst am Freitag hatte er in einem Interview mit dem “Handelsblatt” diese Bereitschaft noch einmal bekräftigt und damit den Eurokurs in Richtung 1,20 Dollar gedrückt.

“Das Risiko, dass wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten”, sagte er der Zeitung. Die Europäische Zentralbank sei deshalb in technischen Vorbereitungen, “um den Umfang, das Tempo und die Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren”.

Umstrittene Staatsanleihenkäufe

Die Aussagen zerstreuten laut Händlern die letzten Zweifel, dass die Notenbank im Kampf gegen die zu niedrige Inflation schon bald mit dem umstrittenen Kauf von Staatsanleihen beginnen wird.

Ölpreis-Verfall alarmiert EZB

Zur Abwehr einer Deflation müsse die Europäische Zentralbank alle geldpolitischen Instrumente nutzen, die ihr zur Verfügung stehen, hatte bereits auch Vizechef Vítor Constâncio erläutert, der sich angesichts der fallenden Ölpreise alarmiert gezeigt hatte und im Zuge dessen vor einem Abrutschen der Preise auf breiter Front gewarnt hatte.

EZB-Vize: “Umstritten, aber legal”

Eine Option um gegen den die Inflation im Euroraum drückenden Ölpreisrutsch vorzugehen sei dabei auch der umstrittene Kauf von Staatsanleihen. “Das ist ganz legal. Und was legal ist, schließen wir nicht aus”, fügte der Portugiese hinzu. Es gebe gleichwohl bei der EZB “keine Obsession, unbedingt Staatsanleihen zu kaufen”.

Während die Eurozone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, bewegt sich die US-Notenbank auf eine Straffung ihrer Geldpolitik zu. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt den Dollar und setzt den Euro im Gegenzug immer stärker unter Druck.

Ölpreise setzen Talfahrt fort – tiefster Stand seit über fünf Jahren

Neben dem Euro setzten auch die Ölpreise ihre Talfahrt zu Beginn der neuen Woche fort und erreichten am Montag den tiefsten Stand seit über fünf Jahren. Nach wie vor sorge ein zu hohes Angebot für Verkaufsdruck am Ölmarkt, hieß es aus dem Handel. Montag früh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Februar 55,60 US-Dollar (46,17 Euro) und damit 82 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 99 Cent auf 51,70 Dollar.

Zuvor waren die Preise für US-Öl auf 51,40 Dollar und für Brent-Öl auf 55,36 Dollar und damit jeweils auf die tiefsten Stände seit Frühjahr 2009 gefallen. Zuletzt hätten Meldungen über einen geplanten Anstieg der Ölproduktion im Förderland Irak die Preise gedrückt, erklärten Experten. Seit dem vergangenen Sommer sorgt ein zu hohes Angebot an Rohöl für eine rasante Talfahrt der Ölpreise.

Verunsicherte Börsianer

Beunruhigt zeigten sich die Anleger am Montag hinsichtlich des Rutsch des Euro auf den tiefsten Stand seit fast neun Jahren. Als Belastung kam die Unsicherheit um die Zukunft Griechenlands hinzu. Der Dax verlor im frühen Handel 0,52 Prozent auf 9713,91 Punkte. Bereits der erste Handelstag des neuen Jahres am Freitag war für den deutschen Leitindex durchwachsen verlaufen. Der MDax als Index der mittelgroßen Konzerne gab um 0,33 Prozent auf 16 896,55 Punkte nach. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,15 Prozent auf 1380,04 Punkte nach unten. Auch europaweit überwogen die Minuszeichen: Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, fiel um 0,84 Prozent. (APA/dpa/red)

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