„Es ist einfach ein Wahnsinn, was sich da abspielt“

Igel im Garten, Eulen am Dach, Spinnen im Haus oder lästige Mücken im Gebüsch: Geht es um Tier- und Pflanzenfargen, ist inatura-Biologe Klaus Zimmermann die erste ­Adresse.
Igel im Garten, Eulen am Dach, Spinnen im Haus oder lästige Mücken im Gebüsch: Geht es um Tier- und Pflanzenfargen, ist inatura-Biologe Klaus Zimmermann die erste ­Adresse. ©Frederick Sams - Wann&Wo
inatura-Biologe Dr. Klaus Zimmermann über seine Studienzeit bei Alexander Van der Bellen, seinen Alltag als Corona-Risikopatient, Covid-Leugner  und Krankheiten, die nur ­präsent werden, wenn sie „lästig“ sind.  

WANN & WO: Sie gelten im Ländle als der Experte für alles, was kreucht und fleucht. Biologie war allerdings nicht ihre erste Studienwahl – wie kamen Sie zu dem Fach?

Dr. Klaus Zimmermann: Die Zeiten waren damals andere, als heute. Meine Eltern haben danach getrachtet, dass ihr Bub einmal gutes Geld verdient. Also habe ich in Wien zuerst Volkswirtschaft studiert – bei keinem Geringeren als unserem heutigen Präsidenten Alexander Van der Bellen. Er war ein sensationeller Professor, einer der drei besten, die ich hatte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er sich noch an mich erinnern würde – wir hatten durchaus die eine oder andere spannende Diskussion (lacht). Ich habe heute aber keinen Kontakt mehr zu ihm.

WANN & WO: Wie kam es dann zum Wechsel Ihres Fachs?

Dr. Klaus Zimmermann: Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass Wirtschaft nichts für mich ist. Mir wurde klar, dass ich kein Produkt verkaufen kann, hinter dem ich nicht zu 100 Prozent stehe. Ganz anders in der Biologie: Die Themen Schädlinge und Biosicherheit üben einen unglaublichen Reiz auf mich aus und sind auch medizinisch hochinteressant. Ich erdreiste mich natürlich nicht, in meiner Tätigkeit bei inatura als Fachberater medizinische Auskünfte zu geben, aber ich muss wissen, welche Symptome beispielsweise ein Spinnen- oder Schlangenbiss auslösen kann. Oder wie sich Mensch und Tier gegebenfalls in einer derartigen Situation verhalten haben.

WANN & WO: Stichwort Medizin: Die Welt befindet sich inmitten einer Pandemie. Sie selbst hatten viele Jahre mit einer Hepatitis C-Erkrankung zu kämpfen. Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich und wie gehen Sie mit der Sars-CoV-2-Situation um?

Dr. Klaus Zimmermann: Soweit geht es mir Gott sei Dank ganz gut. Nach zwei heftigen Therapien bin ich Hepatitis C nach langer Zeit wieder losgeworden, allerdings wurde meine Leber dadurch angegriffen. Ich muss deshalb ohnehin schon sehr auf meine Ernährung achten. Der chronische Leberschaden hat natürlich auch Auswirkungen auf mein Immunsystem, was mich ganz klar zu einem Risikopatienten macht. Zu allem Überfluss habe ich nach den Therapien in den vergangenen Jahren ein allergisches Asthma entwickelt, möglicherweise eine Folge dessen, das ich den Hepatitis-Virus nicht mehr in mir trage: Esse ich also etwas Falsches, schwellen meine Atemwege an und ich bekomme keine Luft. Das ist eine chronische Lungenerkrankung mit der ich in Behandlung bin – und die mich bezüglich Corona sehr vorsichtig werden lässt.

WANN & WO: Schützen Sie sich somit auch besonders?

Dr. Klaus Zimmermann: Ich passe schon gut auf mich auf, habe in diesem Jahr auch sehr viel von zuhause aus gearbeitet. Ich meide Orte, die ein Risiko für mich darstellen, beispielsweise habe ich keine Restaurants mehr besucht, in denen mit Plexiglasschildern bedient wurde. Ich habe zudem  im Frühjahr im Lockdown damit begonnen, täglich auf den Karren zu wandern. Sobald das erste Tageslicht den Weg erhellt, bin ich unterwegs. Das tut mir sehr gut, ich bekomme den Kopf frei. Das ist schon sehr viel neue Lebensqualität. Und ich habe auch meinen Medienkonsum drastisch reduziert, gerade was Online-Medien oder Soziale Netzwerke, vor allem Facebook, angeht.

WANN & WO: Warum?

Dr. Klaus Zimmermann: Es ist einfach ein Wahnsinn, was sich da abspielt. All die Schreier, Leugner, Impfgegner und was weiß ich – da werden die Menschen entzweit. Zudem ist plötzlich jeder ein Experte und viel schlauer, als alle Virologen und Epidemiologen, die sich schon seit Jahren und Jahrzehnten mit Viren und Pandemien befassen.

WANN & WO: Werden Sie sich ­impfen lassen, sobald es einen Impfstoff gibt?

Dr. Klaus Zimmermann: Ja. Nicht zuletzt auch wegen meiner Funktion bei unserem Verein „Nos ku Nhos“ auf Kap Verde, wo wir seit 2007 Kulturaustausch betreiben und medizinische Hilfe vor Ort leisten. In Kap Verde steigen die Infektionszahlen stark. Da will ich ohne Impfung nicht hin. Man weiß auch nicht, wie sich das Virus entwickelt, ob es zurückkommt oder mutiert. Aber ich erwarte mir ehrlich gesagt kein Wunder, was eine baldige Impfung anbelangt. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Auch zu Hepatitis gab es hunderte Studien, die gesagt haben: Nächstes Jahr haben wir ein Medikament, bald ist es soweit. Schlussendlich musste ich fünf Jahre darauf warten.

WANN & WO: Das neuartige Coronavirus raubt der Welt seit Monaten den Atem. Grund für eine Sonderausstellung in der inatura?

Dr. Klaus Zimmermann: Ich kann mir gut vorstellen, dass wir künftig etwas Spezielles über Viren machen, denn es gibt vieles zu erzählen: Wie mutieren sie? Wie schleusen Sie sich in die Zellen? Wie kann man sie bekämpfen? Diese Dinge verständlich zu erklären, ist allerdings eine große Herausforderung. Viren sind für uns ein großes Thema, ob das nun Corona ist, West-Nil-, oder Dengue-Fieber. Es sind ja noch ganz andere Sachen herum. Das wird in unserer sauberen Gesellschaft aber verdrängt. Solche Dinge sind nur präsent, wenn sie lästig sind. Es gibt aber genug Leute im Land, die noch ganz andere Krankheiten haben die aber eben nicht so häufig sind.

KURZ GEFRAGT:

Frederick Sams - Wann&Wo

Welche Pflanze fasziniert Sie besonders?
Da gibt es viele, aber ich entscheide mich für den Holder. Er spielt in der Mythologie eine wichtige Rolle, es heißt, dass er die Häuser schützt. Zudem ist er nützlich gegen manche Schädlinge. Seine Beere ist roh leicht giftig, andererseits sind die Blüten eine tolle  Fiebermedizin.

Welches Tier wären Sie gerne?
Ein Flusspferd. Sie sind an sich friedliche und ruhige Tiere. Ich könnte also gemütlich ein paar Pflanzen abgrasen und den Tag genießen. Aber wenn mir einer lästig wird, kommt er nicht an mir vorbei. Hippos haben mir schon immer gefallen, sie gehören zu meinen absoluten Favoriten.

Zur Person: Dr. Klaus Zimmermann

Alter, Wohnort, Familienstand: 61, Dornbirn, in Partnerschaft, ein Sohn, eine Tochter

Karriere: Gymnasium Dornbirn, Studium Volkswirtschaftslehre, Studium Pflanzenphysiologie und -ökologie, Dissertation Fisch- und Gewässerökologie, Ausbildung in Transaktionsanalyse, Biologischer Fachberater inatura Dornbirn, Obmann des gemeinnützigen Vereins/NGO „Nos ku Nhos“ Kap Verde

Frederick Sams - Wann&Wo

Interview: Harald Küng /Wann&Wo

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