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Erweiterung abgewiesen: Das sagen Unternehmen und Politik

Berny Weber von den Grünen und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler stehen dem Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch unterschiedlich gegenüber.
Berny Weber von den Grünen und Wirtschaftslandesrat Marco Tittler stehen dem Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch unterschiedlich gegenüber. ©Lerch, Grüne
Mehr als die Hälfte der Stimmen wurden gegen eine Erweiterung des Betriebsgebietes von Rauch und Ball abgegeben.
Ludesch stimmt gegen Erweiterung
In Ludesch gingen die Wogen hoch
Pro und Contra vor Volksabstimmung

Am Sonntagnachmittag kurz nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses haben sich auch die Unternehmen Rauch, Ball und Red Bull in einer Aussendung zu Wort gemeldet.

"Wir, die Unternehmen Rauch, Ball und Red Bull bedanken uns für die vielen guten Gespräche, das Engagement in der Informationsphase und die hohe Beteiligung der Ludescherinnen und Ludescher an der heutigen Volksabstimmung. Wir nehmen das demokratische Ergebnis der Volksabstimmung zur Kenntnis. Es tut uns sehr leid, dass dieses Projekt, welches sich für Ludesch und die Bevölkerung sicher positiv ausgewirkt hätte, nicht realisiert werden kann.

Die weitere Vorgangsweise wird nun mit den Projektpartnern besprochen. Derzeit gibt es noch keine konkrete Planung für ein Ersatzprojekt."

Tittler: "Hätte mir einen anderen Ausgang gewünscht"

Auch Wirtschaftlandesrat Marco Tittler reagierte auf das Ergebnis der Volksabstimmung. "Das Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch ist selbstverständlich zu Kenntnis zu nehmen. Ich verhehle aber nicht, dass ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte." Tittler spricht von einer Einzelfallentscheidung, die zu respektieren sei. Gerade für Familienbetriebe müsse es jedoch auch weiterhin realistische Perspektiven zur Erweiterung am Standort geben."

In einem nächsten Schritt gelte es nun, mit dem Betrieb über mögliche Alternativen zu sprechen, denn "wir müssen schon darauf schauen, dass Familienbetriebe mit einer derart langen Tradition in Vorarlberg auch weiterhin Perspektiven sehen. Wir müssen ein positives Klima für Investitionen erhalten."

Die Entscheidung in Ludesch und die damit verbundene Vorgeschichte zeigt für den neuen Landesrat, dass der im Regierungsprogramm enthaltenen Strategiedialog „Wirtschaft und Umwelt“ von besonderer Bedeutung sei. „Wirtschaft und Ökologie sind keine Gegensätze. Vielmehr stecken in dieser Frage große Chancen, wenn alle Beteiligten bereit sind, einen Schritt aufeinander zuzugehen und sich auf vernünftige und sachliche Gespräche einzulassen.“ Gerade im Fall von Ludesch wäre es möglich gewesen, eine Art „best practice“ Beispiel zu entwickeln, meint Tittler.

„Wichtig ist aus meiner Sicht nun aber auch, dass sich die Wogen glätten und man zu einer guten Gesprächsbasis zurückfindet“, so Landesrat Tittler abschließend.


Weber: "Bekanntnis zu Klima- und Umweltschutz"

Wie es nun weitergeht, sei derzeit noch unklar, erklärte der Landtagsabgeordnete Bernie Weber und Wirtschaftssprecher vom Regierungspartner Die Grünen. Eben für derart komplexe Entscheidungen sollen in dem Strategiedialog nach Baden-Württembergischem Vorbild zwischen Unternehmen, Gemeinden sowie Wissenschaft und Zivilgesellschaft "eine zufriedenstellende Lösung für alle erarbeitet werden". Das Volksabstimmungsergebnis begrüßte Weber ausdrücklich als "eindeutiges Bekenntnis der Menschen in Ludesch für Klima- und Umweltschutz" und für die Beibehaltung der Landesgrünzone als Vorarlberger Besonderheit. Sowohl die Gemeinde Ludesch als auch das Land hatten sich dafür ausgesprochen, 6,5 Hektar für das Projekt aus der deklarierten Schutzzone herauszulösen.

Die Reaktionen zur Abstimmung

VOL.AT-User stimmten anders

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage am Samstag vor der Volksabstimmung auf VOL.AT zeiget sich ein anderes Bild. Eine Mehrheit der User votierte für eine Betriebserweiterung von Rauch in Ludesch.

Ohneberg: "Schlechtes Signal für den Standort und das Gemeinwohl"

Mit großem Bedauern nimmt IV-Vorarlberg Präsident Martin Ohneberg das Ergebnis der Volksabstimmung in Ludesch zum Erweiterungsprojekt rund um die Firma Rauch zur Kenntnis: „Das ist eine negative Entscheidung für den Standort Vorarlberg und für das Gemeinwohl im Land. Die überhitzte Debatte hat gezeigt, dass zu wenige in der Bevölkerung von der Wichtigkeit von zusätzlichen Arbeitsplätzen und vom zusätzlichen Beitrag für das Gemeinwohl überzeugt werden konnten. Das ist für unser verbindendes Interesse an einem lebenswerten und wettbewerbsfähigen Vorarlberg sehr bedauerlich“.

Der negative Ausgang der Volksabstimmung zeigt für den IV-Präsidenten Ohneberg eindeutig, dass Vorarlberg in der Standortentwicklung mutigere Weichenstellungen braucht. Ein ‚Big Picture‘, wie es von der IV-Vorarlberg entwickelt und präsentierte wurde, ist seit längerem unumgänglich: „Vorarlberg braucht dieses große, mutige Zukunftsbild, das den dynamischen Wirtschaftsraum und den attraktiven Lebensraum miteinander verbindet und in der Bevölkerung akzeptiert wird. Das gilt für die zukünftige Ausrichtung der Landesgrünzone ebenso wie für die Zukunft der Mobilität und viele andere Themen im Land.“ Langfristig verantwortliches Handeln verlange klare Rahmenbedingungen und einen verstärkten Dialog der Politik und der Betriebe mit der Bevölkerung: „Die Bevölkerung hat ein Recht eingebunden und aufgeklärt zu werden. Standortrelevante Themen müssen auch aus Sicht der Mitarbeiter und der Bevölkerung – insbesondere in Zeiten der neuen Medien – verstärkt erklärt werden. Am Ende dieser Informations- und Beteiligungsprozesse muss dann im Gesamtinteresse Vorarlbergs eine klare und mutige politische Entscheidung getroffen werden. Und damit muss zukünftig auch die Rechtssicherheit fix gegeben sein, dass solche Projekte umgesetzt werden können.“

(Red/APA)

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