Erste Gesamtgenealogie der griechischen Götter erstellt

Bregenz - Der Vorarlberger Dieter Macek hat in 33 Jahren Arbeit die erste vollständige Genealogie der griechischen Götter-und Heldenwelt erstellt.

Das umfangreiche Werk, zu dem auch 10.000 Seiten in Ordner gefasste Erläuterungen gehören, ist am Donnerstag im Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek vorgestellt worden. Das 52 Meter lange Dokument bildet die zahlreichen und verstrickten Verwandtschafts- und Liebesverhältnisse der griechischen Götter und Heroen von 800 vor Christus bis 500 nach Christus ab.

Maceks Interesse für die Griechen begann im Alter von 15 Jahren, als er sich im Selbststudium das Wissen um die antike Mythologie anzueignen begann. Als er dabei die Götterwelt immer wieder durcheinanderbrachte, fing er an, diese in Stammbäumen zunächst handschriftlich zu ordnen und erweiterte diese Genealogien dann immer mehr. “Schon Goethe sprach von der griechischen Götterwelt als ein Wirrwarr. Diese ist inzwischen wissenschaftlich entwirrt, aber bisher noch nicht optisch”, so Macek, der sich für seine Recherchen unter anderem auf die über achtzigbändige Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft stützte.

Besonders stolz ist der 66-Jährige auf sein weltweit erstes komplettes Verzeichnis der Nymphen. Die Zahl dieser Naturgeister, Töchter des Zeus, beläuft sich auf 811. Zeus erwies sich überhaupt als umtriebiger Liebhaber: Er allein hat rund 900 Nachkommen, die alle auf den Plakaten Maceks Platz finden. Insgesamt sind es 5.640 Figuren, weitere 2.047 Namen ließen sich nicht zuordnen, in dem erläuternden Lexikon sind sie dennoch erfasst. Die Angaben darin erstrecken sich von Minimalaussagen wie “Sohn des Zeus” bis hin zu dem Eintrag für den Abenteurer Odysseus, der 84 Seiten beansprucht. Zahlreiche Figuren tragen zudem denselben Namen, so gebe es etwa allein mehrere Dutzend mit dem Namen “Argos”.

Seine Lieblingsfigur sei Cassandra, so der Hobby-Mythologieforscher. “Sie hat die Zukunft vorausgesehen, ihr wurde aber nicht geglaubt”, skizzierte er ihre Geschichte. Am wenigsten sympathisch finde er Achilleus. “Arm, ein Land das Helden braucht”, zitierte er dazu. Macek sieht sein Monumentalwerk als “Werk der Aufklärung”, aber auch als politisches Werk. “Die griechische Mythologie und Demokratie sind das Herz der EU”, erklärte er. Die Reaktionen seien bisher durchwegs positiv, auch wenn “einige gesagt haben, ich spinne”.

Vereinzelt gab es aber auch Kritik. Macek habe die Verwandtschaftsverhältnisse teilweise konstruiert und kombiniere unzulässigerweise aus verschiedenen Quellen, bemängelte etwa ein Innsbrucker Altertumsforscher. Die Anbindung der einzelnen Figuren sei nicht willkürlich, widersprach Macek. Er habe sich dabei über die Fachliteratur abgesichert und jede Figur aufgenommen, wie sie in der Literatur vorkomme. “An sich ist ja alles erfunden, das ist Mythologie, Literatur”, erklärte er.

Der ehemalige Eisenbahner erarbeitete sich sein Monumentalwerk in der Freizeit. “Nur zum Nachtdienst nahm ich manchmal Bücher mit”, so Macek. Seine Frau, selbst Literaturwissenschaftlerin, musste jahrelang im Wohnzimmer über ausgebreitete Rollen des Götterhimmels steigen und mit einem reduzierten gesellschaftlichen Leben zurecht kommen. “Wir haben keinen Fernseher, da hat man automatisch Zeit zum Lesen”, erklärte sie zur Passion ihres Mannes.

An eine Vermarktung seines Kunstwerks denkt Macek vorerst nicht. Das Werk digital zu veröffentlichen und es etwa als Anschauungsmaterial im universitären Unterricht zu nutzen, könnte er sich aber vorstellen. Für ihn sei jedoch wichtiger, die Arbeit zu vollenden, denn sie sei zwar vollständig, aber dennoch ein “work in progress”, da die Wissenschaft ständig neue Erkenntnisse bringe. Zudem denke er an eine Erweiterung seiner Genealogie: Er plane, zu allen beschriebenen Figuren alle Werke in Kunst und Musik aufzulisten. “Allein im vergangenen Jahrhundert kamen fünf, sechs neue Orpheus-Opern zur Aufführung. Im 18. Jahrhundert gab es 40 Medea-Opern”, zählte Macek als Beispiele auf. Auf den Hobby-Mythologieforscher wartet also noch viel Arbeit.

Termin: Präsentation der ersten Gesamtgenealogie der griechischen Mythologie am 16. Jänner 2009, 20.00 Uhr, im Kuppelsaal der Landesbibliothek Vorarlberg, Fluherstraße Bregenz; Gastreferat: Michael Köhlmeier

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