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Elsner wurde "als Investor vorgestellt"

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Der nunmehr angeklagte Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner sei ihm von Wolfgang Flöttl als potenzieller Investor vorgestellt worden, der über erhebliche Finanzmittel verfüge.

Es sei auch erwähnt worden, dass er eine Funktion in der BAWAG habe und dass er Zugang zu österreichischen Investoren habe, so der Londoner Investmentmanager Kaveh Alamouti am Montag bei seiner Zeugeneinvernahme im BAWAG-Prozess.

Mit Elsner habe er auch darüber gesprochen, dass dieser andere Investoren organisieren könne, bestätigte Alamouti der Richterin Claudia Bandion-Ortner. Dem widersprach Elsner, es sei ganz klar gewesen, dass er für die BAWAG beim Treffen gewesen sei. „Ich habe nicht gesagt, dass ich mehrere Investoren auftreiben kann, definitiv nicht“, so Elsner. Flöttl habe ihm gesagt, dass Elsner Zugang zu weiteren Investoren habe, konkretisierte Alamouti.

Elsner führte aus, er habe gegenüber Alamouti ausdrücklich erwähnt, dass „wir eine Anlage haben wollen, die das Kapital nicht gefährdet“. Details seien aber nicht diskutiert worden, zuerst sollten die Beschlüsse im Vorstand fallen. Er wollte erst später wieder auf ihn zurückkommen. Auch laut Alamouti sei niemals über sieben verschiedene Investmentstrategien gesprochen worden. Die nun angeklagten BAWAG-Vorstände beriefen sich im Prozess bezüglich der damals getätigten Uni-Bonds-Investments darauf, dass diese von Alamouti statt von Flöttl gemanagt und in sieben verschiedenen Risikoklassen veranlagt werden sollten.

Zum gemeinsamen Joint Venture mit Flöttl sei es nie gekommen, da Flöttl das Kapital nie zur Verfügung gestellt habe. „Er sagte immer, wir fangen nächsten Monat an, wir fangen nächsten Monat an. Einen Grund dafür hat er nie genannt“, so Alamouti. „Mein Team war frustriert. Zeit ist kostbar“. Es hätte Möglichkeiten gegeben zu investieren, aber man habe keinen Handel betrieben. Nach dem Ende eines Joint Ventures mit der japanischen Tokai-Bank 1998 habe er sich um ein Asset Management umgesehen. Da sei Flöttl im März 1999 auf ihn zugekommen, er habe ihn als potenziellen Investor angesehen.

Im November sei dann eine Vereinbarung getroffen worden. Diese habe in einem ersten Teil ein Portfolio aus eigenem Kapital der Flöttl-Firma International Asset Management (IAM) im Volumen von 100 Mio. Dollar vorgesehen, zweitens sollte ein Investmentfonds mit internationalen Investoren gegründet werden, wofür Flöttls IAM das Marketing übernehmen sollte und drittens sei es in geringem Maße auch um die Beratung von IAM gegangen. Die BAWAG werde im Vertrag nicht erwähnt und sei auch nie eingebunden gewesen, so Alamouti. Die meisten Gespräche mit Flöttl hätten sich um technische Details gedreht. Seine Funktion hätte die des Risikomanagers und Händlers sein sollen.

Das geplante Joint Venture sei aber nie aktiv geworden, im Dezember 2000 beendet worden. Flöttl habe als Hauptgrund die Erkrankung seiner Frau genannt, und dass er sich nach New York zurückziehen wolle. Von der vereinbarten jährlichen Managementgebühr von 2,5 Mio. Dollar habe er die Hälfte erhalten, sowie weitere 1,5 Mio. Euro als Kündigungsentschädigung und Unkostenbeitrag. „Hätten sie uns das Kapital zur Verfügung gestellt, hätten sie von unserem Know-how profitiert“, so die Begründung von Alamouti für die Gebühren, obwohl es nie zu einer Geschäftstätigkeit gekommen war. Flöttl betonte, die Summen selbst bezahlt und nicht BAWAG-Geld dafür verwendet zu haben. Er habe ja nie sein ganzes Vermögen verloren gehabt.

Auf die Frage der Richterin, ob es grundsätzlich möglich sei, wie von der BAWAG geplant, eine Milliarde Euro Verlust innerhalb von sechs Jahren mit einem Einsatz von 430 Mio. Dollar zurückzugewinnen, meinte Alamouti, grundsätzlich schon, aber ganz sicher nur mit hohem Risiko und ohne Kapitalgarantie.

Flöttl sei dafür bekanntgewesen, dass er hohe Risiken eingehe, so Alamouti. Von seinen Händlern, die in der Folge für Flöttl gearbeitet hätten, habe er erfahren, dass Flöttl sehr große direkte Positionen in Zinsen und Währungen halte.

Auf Frage der Richterin, ob Flöttl 1994 mit den Karibik-1-Geschäften Verluste gemacht habe, bejahte dies Alamouti. 1994 sei ein sehr schwieriges Jahr für die Finanzmärkte gewesen, „viele Trader haben viel verloren“. Das wisse er deshalb, weil Händler üblicherweise 50 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, mit anderen Händlern darüber zu sprechen, was los ist. „Damals hat es erhebliche Verluste von Hedgefonds gegeben, auch Ross Capital hat verloren, am schwedischen Anleihemarkt“, so Alamouti.

Flöttl dementierte, es habe 1994 keine großen Verluste gegeben, solche Gerüchte seien aufgekommen, da die BAWAG eine schnelle Rückführung des Kapital haben wollte. Auch er habe 1998 Verluste erlitten, habe sich aber ganz gut halten können, so Alamouti über seine Veranlagungsrenditen 1998.

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