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Einsatzbereit

"Wir sind zirka jeden dritten Tag im Einsatz, zweihundert Mal im Jahr!" (Feuerwehrkommandant Böckle)
"Wir sind zirka jeden dritten Tag im Einsatz, zweihundert Mal im Jahr!" (Feuerwehrkommandant Böckle) ©Darko Todorovic
Götzis - Die Feuerwehr. Was fasziniert uns so daran, vielleicht das Feuerwehrauto, oder das große Haus, die Action? Es sind wohl auch die Menschen mit ihrem gewaltigen ehrenamtlichen Einsatz.
Feuerwehrhaus Götzis

So ein Feuerwehrgebäude hat einen eigenen Reiz. Meist gibt es den Turm (hängen die Schläuche in ihrer ganzen Länge, einen „vollen“ Turm) klare Formen, große Fahrzeughalle. Wenn die Sirenen heulen, passiert etwas. Da ist man umgehend zur Stelle, alles geht blitzgeschwind, jeder Handgriff sitzt. Was für ein unermesslicher volkswirtschaftlicher Schatz, denn es geschieht ehrenamtlich. Auf die Frage nach der Motivation kommt vom Feuerwehrkommandanten Eugen Böckle, der außerdem Kaufmann ist, spontan: „Das neue Feuerwehrhaus, auf bestem technischen Stand, da kann man erfolgreich arbeiten und vor allem ist die Sicherheit für die Feuerwehrleute gewährleistet.“ Hundertdrei Männer und drei Frauen zählt das engagierte Team derzeit.

Die Feuerwehr Götzis ist auch für Verkehrsunfälle zuständig und mit entsprechenden hydraulischen Rettungsgeräten ausgestattet. Sie sichert das Autobahnstück zwischen Hohenems und Ambergtunnel. Deshalb ist die verkehrstechnische Lage des neuen Feuerwehrhauses, direkt an der Straße zur Autobahnauffahrt, optimal. Ursprünglich war es ja anders angelegt. Im Wettbewerb entwarf man für den Rand des Gebiets „Am Garnmarkt“. Bald war jedoch klar, dass sich das neue Zentrum sehr schnell weiterentwickelt und man disponierte um. Alle sehen darin Vorteile. „Wir waren mitten in der Ausführungsplanung, als an uns herangetragen wurde, das Raumprogramm auf ein anderes Grundstück zu platzieren, und es gelang eine ideale Lösung“, erzählt Architekt Andreas Cukrowicz.

Der Grundriss musste nur über die Mitte gespiegelt werden, die Situation am neuen Grundstück forderte Ähnliches. Auch hier war es wegen der lockeren Einfamilienhausstruktur im Norden angebracht, niedrig zu bleiben. Das flache Hauptvolumen bildet eine endlos wirkende horizontale Linie, es entsteht mit dem losgelösten Turmelement eine halboffene Hofsituation. Die vertikale Linie des Turmes tut der Ortseinfahrt von Götzis, direkt nach der Bahnunterführung, als Zeichen gut. Der Turm lässt sich in einer Mittellinie komplett öffnen, damit sind Abseilübungen im großen Stil möglich. Am hindernisfreien Vorplatz kann ausladend rangiert und ebenfalls exzessiv geübt werden.

Robust gebaut steht sie da, die Feuerwehr. Sichtbeton und Stahl, als Blickschutz Trapezblech gelocht und gefaltet, wie ein Vorhang, beispielsweise vor dem großen Sitzungssaal, der auch für die Gemeinde verwendet wird und an die Fassadenkante hervortritt, also von außen als bedeutungsvoller wahrgenommen wird. Eine Reduktion auf wenige Baukörpereinschnitte macht rundum die spannungsvolle Fassade aus. Die große Öffnung an der Vorderseite wird mit dem Vordach noch verdeutlicht. Raumhohe Glastore verbergen die schönen roten Einsatzfahrzeuge nicht.

Die Funktionen des neuen Feuerwehrhauses werden durch die Foyerzone geteilt oder verknüpft, die gleichzeitig auch die Verbindung zwischen Haupteingang und Alarmeingang herstellt. Sämtliche Hauptfunktionen befinden sich klar und übersichtlich auf einer Ebene, mit kurzen Wegführungen. Räume, die nicht so häufig belegt sind, und die Schlauchwäsche befinden sich im Untergeschoß, auch der Jugendraum, mit einem Lichthof jedoch trotzdem attraktiv. In der Materialisierung sind die Funktionen ebenfalls ablesbar: Fahrzeughalle mit zugeordneten Garderoben, Werkstätten in robustem Beton und Stahl, Einbauten schwarz und die Aufenthalts- bzw. Schulungsbereiche in Holz; bis zur Fahrzeughalle geschliffener Zementestrich als Boden, ab dort Beton.

Motivation für so viel Ehrenamt ist also ein modern ausgestattetes Feuerwehrhaus. In Götzis ist man auf dem neuesten technischen Stand. Ein großer Bildschirm am prominenten Eck in der Fahrzeughalle hält alles up to date. Immer online mit der Rettungsund Feuerwehrleitstelle in Feldkirch erscheinen alle akuten Einsätze in Vorarlberg, die Liste der Aktionen der Ortsstelle Götzis und die Personen, die in Bereitschaft sind auf dem Screen. „So arbeiten zu können macht schon Sinn und Freude“, sagt der Feuerwehrkommandant. Die Feuertaufe gleich nach Einzug im Mai bestanden sie bravourös: Ein Brand in einer Wohnanlage und die Suche nach einem Vermissten. Dann kommt es schon vor, dass nach getaner Arbeit in der Gastroküche, die für Ausspeisungen im Katastrophenfall geeignet ist, aufgekocht wird.

Der zweite Motivationsgrund für so viel Einsatzbereitschaft ist natürlich die Kameradschaft. Diese wird gut gepflegt, bei Festen im Feuerwehrhaus, aber auch bei den Großveranstaltungen in Götzis. „Ein Highlight ist das Leichtathletik-Meeting im Möslestadion, bei dem wir die Parkplatzleitung sehr gerne übernehmen“, so Eugen Böckle. Schon wieder die Feuerwehr als Multiplikator, wenn Bürger(innen) mit ihrem Engagement für die Gesellschaft auch für sich persönlich Sinnvolles tun!

Daten & Fakten

Objekt: Feuerwehrhaus Götzis, Montlinger Straße
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Bauherr: Marktgemeinde Götzis
Architektur: Cukrowicz Nachbaur Architekten, Bregenz

Fachplanung: Statik: merz kley partner, Dornbirn; Baumanagement: Thomas Marte, Dornbirn; Geotechnik: Günther Dallago, Bregenz; Bauphysik: Bernhard Weithas, Lauterach; Elektroplanung: Hiebeler + Mathis, Hörbranz; Energiekonzept Haustechnik: Innotech, Altach; Lüftungsplanung: Klimaplan, Hohenems; Brandschutzplanung: K+M Brandschutztechnik, Lochau; Ökologie: Spektrum, Dornbirn; Küchenplanung: Gastroplan, Götzis; Versickerungsplanung: Passer &Partner, Götzis

Wettbewerb: 2010
Planung: 2010–2014
Bauzeit: 2012–2014
Nutzfläche: 2700 m²
Bebaute Fläche: 1662 m²
Umbauter Raum: 13.300 m³
Bauweise: Massivbau Stahlbeton
Energieausweis: Heizwärmebedarf 36 kWh/m² im Jahr; Kühlbedarf 44 kWh/m² im Jahr

Ausführung: Baumeister: Wilhelm+Mayer, Götzis; Elektro: Rist, Wolfurt; Heizung Sanitär: Dorfinstallationstechnik, Götzis; Lüftung: Kranz, Altach; Putzarbeiten: Jens Ellensohn, Götzis; Estrich: Vigl + Strolz, Schoppernau; Betonboden geschliffen: Lerbscher, Hard; Bauspengler: Peter, Götzis; Fliesenleger: Fliesenpool, Götzis; Schlosser: p-metalldesign, Koblach; Zimmerer Dach, Falttore: Amann Alois, Götzis; Tischler Innenausbau: Leo Spettel, Alberschwende; Tischler Möbel: Schwab, Götzis Holzfußböden: Room&Elements, Dornbirn

Quelle: VN/ Leben & Wohnen

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut

Am nächsten Freitag, 27. 6. 14, gibt es um 17 Uhr für alle Interessierten Gelegenheit, die in diesem Beitrag vorgestellte Feuerwehr Götzis vor der offiziellen Eröffnung mit Architekten, Feuerwehrleuten und Bauherrschaft zu besichtigen. Das vai Vorarlberger Architektur Institut widmet sich beim Lokalaugenschein vor Ort und mit ausführlichen Geschichten über Gebäude einem Kernanliegen: der Architekturvermittlung. Mehr Information unter Architektur vor Ort auf v-a-i.at.

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

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