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Einsatz ohne Wenn und Aber

©EPA
Vom alternativen Nobelpreis erfuhr Dom Erwin am Amazonas.

Dom Erwins vorerst letztes E-Mail datiert vom 27. September. „Warten wir also ab, was auf uns zukommt“, tippte Erwin Kräutler lesbar in Eile. „Bin am 30. September noch an der Transamazônica. Erst am Abend werde ich in Altamira zurück sein.“ Die Dornbirnerin Eva Fitz, die ihn seit Jahren unterstützt, grüßt er mit „Alles Liebe, Perkeo“. Was um alles in der Welt verbindet den Koblacher Missionsbischof mit der badischen Legende? Perkeo war ein Zwerg im 18. Jahrhundert. Mundschenk zu Heidelberg. Er soll ausschließlich Wein getrunken haben. Als ihm sein Arzt in seinem achten Lebensjahrzehnt Wasser empfahl, kostete Perkeo gehorsam und starb am nächsten Tag.

Konsequenz als Maxime

Erwin Kräutler wird im Freundeskreis seit der Studentenzeit „Perkeo“ genannt. Bei der Feriensippe Montfort gab er sich diesen Namen, der von Lebenslust erzählt und auch von großer Konsequenz. Die hat der Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens am Rio Xingu längst zur Lebensmaxime erkoren. Nur das mit dem Wein hält Dom Erwin anders als im vielzitierten Sprichwort: Er trinkt weit öfter Wasser und predigt Wein. Predigt das Leben. Die bunte Freude am Leben. Denn sie steht allen Menschen zu. Auch den Indios und den Kleinbauern. Leben ist kein exklusives Recht der Reichen. Dafür kämpft Erwin Kräutler, seit er 1965 das erste Mal den Fuß auf brasilianischen Boden gesetzt hat. Er hat sich in all den Jahren keiner Herausforderung verweigert. 1980 ernennt ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof. 1983 wird Kräutler während der Teilnahme an einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern, denen die Ernte nicht bezahlt wurde, von der Militärpolizei verhaftet und verprügelt. Am 16. Oktober 1987 überlebt er ein Attentat schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen fuhr frontal in seinen Pkw. Ein Mitbruder kommt dabei ums Leben.

Unter Lebensgefahr

Seit der Ermordung seiner engsten Mitarbeiterin, der Umweltaktivistin Schwester Dorothy Stang, wird Erwin Kräutler wieder und wieder mit dem Tod bedroht. Bei seinem 25-jährigen Bischofsjubiläum ruft ein Mann laut in die Kirche von Altamira, er habe für den Bischof zwei Kugeln. Kräutler lebt unter Polizeischutz.

Dennoch entschlossen

Dennoch will der Bischof die Hintermänner der Ermordung von Schwester Dorothy vor Gericht bringen. Sein Widerstand gegen den monströsen Staudamm Belo Monte bleibt aufrecht. Immer wieder erstattet er Anzeigen gegen einflussreiche Personen wegen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution. Bis heute sieht der gebürtige Koblacher und Russ-Preis-Träger die Aufgabe der Kirche als Anwalt der Menschenrechte. Und koste es das eigene Leben. Denn das Recht auf Leben steht jedem zu. Aber um es denen zu sichern, die keine Stimme haben, müssen Menschen wie Kräutler ihr Leben riskieren. Kompromisslos und uneigennützig, wie es im Evangelium geschrieben steht.

zur Person

Bischof Erwin Kräutler erhält für seinen Einsatz in Brasilien den alternativen Nobelpreis. Geboren: 1939 in Koblach Ausbildung: 1958 Eintritt in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut. Studium der Theologie und Philosophie in Salzburg. Laufbahn: 1965 Priesterweihe und als Missionar nach Brasilien. 1980 Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler als Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Territorialprälatur Xingu (350.000 km²).

 

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