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Einmal mit der Kirchturmglocke auf Tuchfühlung

Aufsteigen bis zur Glocke des Turms von St. Sebastian.
Aufsteigen bis zur Glocke des Turms von St. Sebastian. ©Edith Hämmerle
Auch St. Sebastian öffnete seine Tore zur „Langen Nacht der Kirchen“.
Lange Nacht der Kirchen

Dornbirn. Am Freitag, kurz vor 18 Uhr, läuten die Glocken von St. Sebastian zuerst einzeln, dann eröffnen sie im Zusammenspiel die Lange Nacht der Kirchen. In dieser langen Nacht machte die Pfarrkirche in Dornbirn-Oberdorf auf ihre lange Geschichte aufmerksam. Entsprechend lang war die Liste der Sanierungen seit dem Bau im Jahr 1826/27. Die umfangreichste war wohl von 2011 bis 2013, angefangen von Turm und Außenfassade über das Innenleben, wo historische Kunst behutsam restauriert wurde und die Kirche im heutigen hellen Glanz erscheinen lässt. Mit alten und neuen Bildern präsentierte Wolfgang Klocker als langjähriger Pfarrkirchenrat die Geschichte des Oberdorfs, das zu den ältesten bewohnten Teilen Dornbirns zählt, und wie es zum Bau des Gotteshauses kam. Wie tatkräftige Männer bereits Ende des 17. Jahrhunderts nach Rom reisten, um beim Papst selbst um Veränderung mancher rückständigen „Reformen“ vorzusprechen, die den Oberdorfern zu kirchlicher Eigenständigkeit verhelfen sollten.

Zur Spitze des Turms

Die Suche nach historischen Schätzen führte dann auf knorrigen Holztreppen hinauf in den Turm. Wenn unterwegs für die Besucher, die alle Masken trugen, die Luft auf den 110 Stufen dünn wurde, legte Sepp Nagel, der jeweils die Gruppen führte, eine kleine Pause ein. Sepp Nagel, der gute Geist von St. Sebastian, der überall hilft, wo Hilfe nötig ist, kennt die Pfarrkirche wie seine Westentasche und so ist er in deren Geschichte auch gut bewandert. Er wusste Interessantes über die Glocken zu erzählen. Wie diese bereits 1916, im Ersten Weltkrieg, abgeholt und für Kriegswaffen eingeschmolzen wurden, und wie sich das Ereignis im Zweiten Weltkrieg wiederholte. 1949 konnten die Glocken dank vieler Spender aus dem Oberdorf neu gegossen werden. Der Zwiebelturm war ursprünglich mit Schindeln bedeckt und galt als einer der größten im Land. Die langen Seile, an denen die großen Steine hängen, erzählen heute noch von jener Zeit, als der Mesmer dreimal wöchentlich den Turm bestieg, um die Glocken zu läuten. Das alte Uhrwerk und die Glockenstube sind heute noch erhalten, ein weiträumiger Dachboden verbirgt historische Schätze.

Gedenkminute für Helden

Sepp Nagel lenkte aus der Vergangenheit zurück, seit die Glocken elektrisch und die Turmuhr über Funk gesteuert werden. Er demonstrierte kurz den hellen Klang des Totenglöckchens, danach ertönte der volle Klang der Heldenglocke zu einer Gedenkminute für alle Helden der Coronapandemie im Bereich der Pflege. Danach war es die Orgel von St. Sebastian, auf der Stephan Hladik als Organist deren brillanten Ton erklingen ließ. Ein Hörerlebnis zur Freude der Besucher. Alles Wissenswerte über und rund um die Orgel wusste Orgelbauer Gerhard Mayer, dessen Vorfahren die Orgel für die Kirche gebaut haben. Begeistert zeigte sich auch Brigitte Pfanner, die mit ihrem 13-jährigen Sohn Simon die Kirchenführung zum ersten Mal mitmachte. „Die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen zu blicken war sehr interessant, vor allem, dass wir durch die Organisatoren diese Möglichkeiten bekamen, finde sie dankenswert“, äußert sich die Oberdorfer Besucherin. Simon fand die Möglichkeit der Turmbesteigung mit allem Drum und Dran das Beste. Ebenso faszinierend wirkten die Eindrücke auf Monika Grabher aus dem Hatlerdorf. Allgemein galt der Dank allen Beteiligten, die die Mühen auch in Zeiten einer Pandemie auf sich nahmen, die Kirche im Rahmen der „Langen Nacht“ mit einem ansprechenden Programm offen zu halten. Ein meditativer Abschluss war das Abendlob mit Musik von Maria Faderny (Flöte) und Günter Reitschuler (Orgel) zum Thema „Frieden“, das Pfarrer Dominik Toplek gestaltete. EH

 

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