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Einfluss des IS könnte trotz Baghdadis Tod zunehmen

Was bedeutet sein Tod für die Länder dieser Welt? Ist die IS besiegt?
Was bedeutet sein Tod für die Länder dieser Welt? Ist die IS besiegt? ©AP
Der Tod des IS-Chefs und dessen Folgen für die Welt. Die Philippinen fürchten Rache durch IS-Verbündete. Erdogan sieht "Wendepunkt" in Terrorbekämpfung.
Trump: IS-Anführer "wie ein Hund gestorben"

Der Chef der Terrormiliz "Islamischer Staat", Abu Bakr al-Baghdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump bei einem nächtlichen US-Angriff in Syrien getötet worden. Baghdadi war zwar so gut wie nie in der Öffentlichkeit zu sehen, war aber die Verkörperung eines "Kalifats", in dem Islamisten aus verschiedenen Ländern mit ihren Gräueltaten Propaganda machte.

Erdogan sieht "Wendepunkt" in Terrorbekämpfung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Tod des Chefs der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, als "Wendepunkt" begrüßt. "Der Tod des Daesh-Anführers markiert einen Wendepunkt in unserem gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus", schrieb Erdogan am Sonntag auf Twitter. Mit Daesh benutzte er eine arabische Bezeichnung für den IS.

Der Sprecher des türkischen Außenministeriums Hami Aksoy bezeichnete Al-Bagdadi als "einen der größten Feinde der Menschheit, der Religion des Islam und der Türkei".

Erdogan schrieb weiter, die Türkei werde den Kampf gegen den Terror weiter unterstützen. Sein Land habe den "teuersten Preis" im Kampf gegen Terrororganisationen wie den IS aber auch gegen die PKK und die Kurdenmiliz YPG gezahlt. Die Türkei begrüße deshalb die Entwicklung.

Die YPG war ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS. Die Türkei betrachtet die Kurdenmiliz dagegen als Terrororganisation.

Der Iran hat zurückhaltend auf den Tod des Chefs der Terrormiliz reagiert. "Genauso, wie mit dem Tod von (Osama) bin Laden der Terrorismus nicht ausgetrocknet werden konnte, bedeutet Bagdadis Tod auch nicht das Ende des IS", sagte Regierungssprecher Ali Rabiei am Sonntag in Teheran. Der Terrorismus in der Region sei in erster Linie das Ergebnis falscher Nahostpolitik, besonders die der USA. Solange die nicht geändert sei, werde es auch weiterhin Gruppen wie den IS geben, so der Sprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr.

Die Philippinen fürchten Rache durch IS-Verbündete: Nach dem Tod von
al-Bagdadi werden auf den Philippinen Vergeltungsakte der Terrormiliz befürchtet. Die Streitkräfte des südostasiatischen Inselstaats waren wegen möglicher neuer Anschläge des "Islamischen Staats" (IS) am Montag in Alarmbereitschaft.

Auch für Frankreich geht der Kampf gegen den Islamischen Staat weiter. Frankreich will auch nach dem Tod des IS-Chefs mit internationalen Partnern die Terrormiliz bekämpfen. Frankreich wird seit Jahren vom islamistischen Terrorismus getroffen, über 250 unschuldige Menschen starben dabei.

Einfluss des IS könnte trotz Al-Bagdadis Tod zunehmen

Nach dem Tod von Abu Bakr Al-Bagdadi, Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), schreibt die österreichische Tageszeitung "Kurier": "Al-Bagdadi war kaum mehr als eine Symbolfigur, wie auch Osama bin Laden am Ende seines Lebens 2011 für El Kaida war, und hat bereits im August selbst einen Nachfolger ernannt. Dass es dem IS trotz der territorialen und militärischen Verluste der vergangenen Jahre bis zuletzt gelang, al-Bagdadi zu verstecken, zeugt vom weiter bestehenden Einfluss der Miliz. Dieser könnte zunehmen, sollten die Tausenden IS-Kämpfer, die in kurdisch kontrollierten Gefangenenlagern in Nordsyrien sitzen, wie befürchtet als Folge des US-Abzugs und der türkischen Offensive in der Region entkommen."

Internationale Pressestimmen

Die Zeitungen schreiben am Montag zum Tod des IS-Chefs Abu Bakr al-Baghdadi:

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"Es ist zwar unklar, inwieweit Bagdadi zuletzt noch die Strippen in seinem globalisierten Terrorunternehmen zog. Doch unabhängig davon ist sein Tod ein schwerer Schlag für die Propaganda, die seine vermeintliche Unverwundbarkeit bejubelt. Völlig erledigt ist der IS freilich noch nicht; geschweige denn die Hydra des militanten Islamismus. Trump hat daher versprochen, im Kampf gegen den Terror nicht zu erlahmen; man habe Bagdadis Nachfolger schon im Visier. (...) Aus der geglückten Antiterroroperation folgert er nicht, dass eine fortgesetzte Syrien-Präsenz auch in Amerikas Interesse läge. Vielmehr möchte Trump sich mit der breitschultrig vorgetragenen Erfolgsnachricht ("Er starb wie ein Hund") gegen die Kritik an seiner Rückzugspolitik immunisieren, zumal in der eigenen Partei."

"Neue Osnabrücker Zeitung":

"Dass US-Präsident Donald Trump aus dem Tod von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi Kapital zu schlagen versucht, ist nachvollziehbar. Der Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien, den er jüngst befohlen hatte, löste in Washington einen überparteilichen Sturm der Kritik aus. Trump, dem ein Amtsenthebungsverfahren droht, braucht dringend politische Erfolge. Als solcher lässt sich der Tod eines terroristischen Masterminds gut verkaufen. Indes ist klar, dass mit Baghdadis Tod Terror nicht der Vergangenheit angehört. Auch nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch die USA fanden sich andere, die in seine Fußstapfen traten, unter anderen Baghdadi. Wer Terror nachhaltig eindämmen will, muss Extremismus den Nährboden entziehen. Davon sind die Regime im Nahen und Mittleren Osten weit entfernt."

"de Volkskrant" (Amsterdam):

"Der Tod von Baghdadi ist auf jeden Fall ein schwerer Schlag für die terroristische Bewegung, besonders zu einem Moment, wo ihre Anhänger auf eine Wiederbelebung hoffen. Die Kämpfer der Terrormiliz 'Islamischer Staat' (IS), von denen etwa 10.000 in der Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien gefangen gehalten werden und Tausende sich noch immer frei in der Grenzregion zwischen dem Irak und Syrien bewegen, hoffen darauf, die Unruhen im Nordosten Syriens für ihre Neuaufstellung zu nutzen. (...) Es ist nicht so sehr zu befürchten, dass der IS erneut ein großes Gebiet erobert, sondern dass es ihm gelingt, wieder eine Welle von Anschlägen durchzuführen und so für Instabilität in der Region zu sorgen. Auch westliche Ziele könnten angegriffen werden. Zudem lassen sich jihadistische Einzelkämpfer weltweit vom IS inspirieren, auf eigene Faust Anschläge zu verüben."

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"Seine unheilvolle Anwesenheit auf dieser Welt ist Geschichte. Nicht jedoch sein Erbe. Trump betonte in seiner Pressekonferenz zwar, wie unwürdig jener Mann starb, der sich zum Anführer aller Gläubigen erhoben hatte - und mochte das als Nachricht an jene verstanden wissen, die sich von der Ideologie des IS haben beeindrucken lassen. Falls Trump aber hofft, das Monster endgültig besiegt zu haben, indem er ihm den Kopf abschlug, so täuscht er sich.(...)

Baghdadi mag an der Spitze des IS gestanden haben - doch was dessen Anhänger auf allen Erdteilen faszinierte, war nie sein Führer, sondern die Idee eines neuerlichen Kalifats selbst, das in der Gegenwart Gestalt annimmt und nicht in einer fernen Zukunft. Diese Idee, der die obrigkeitshörigen muslimischen Autoritäten so wenig entgegenzusetzen hatten, bleibt erhalten."

"El Mundo" (Madrid):

"Die Ortung und das Ende von Baghdadi sind eine großartige Nachricht, weil er einen schrecklichen Einfluss auf IS-Getreue in der ganzen Welt ausübte. Darüber hinaus ist anzumerken, dass Washington bei der Operation auf die Unterstützung fast aller Mächte setzen konnte, die heute in Syrien operieren.

Ärgerlich ist, dass (US-Präsident Donald) Trump nicht versucht, die multilaterale Zusammenarbeit zu stärken, wie es logisch wäre, um den Jihadismus in Syrien zu bekämpfen, sondern im Gegenteil so unverantwortliche Entscheidungen trifft wie seine Absicht, das Land Hals über Kopf zu verlassen. So gewinnen die schlafenden Zellen des IS wieder an Boden, so wie im Irak. Das Kalifat ist schwer verwundet, aber es ist noch nicht ganz besiegt."

"Kommersant" (Moskau):

"US-Präsident Donald Trump hat mitgeteilt, der Chef der Terrormiliz 'Islamischer Staat' (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, sei in der syrischen Provinz Idlib gefunden und getötet worden - mit Beteiligung Russlands, der Türkei, Syriens, des Irak und der Kurden. Doch das russische Verteidigungsministerium hat Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Informationen. Und es stellt klar, dass der Tod des Chefs der Terroristen - sollte es dazu wirklich gekommen sein - überhaupt keinen Einfluss auf die Lage in Syrien hat.

Verwunderlich ist, dass Abu Bakr al-Baghdadi sich ausgerechnet in der Provinz Idlib versteckt haben soll, wo die Gruppierungen ganz massiv gegen den 'Islamischen Staat' gekämpft und schon gar nicht dessen Machtanspruch anerkannt haben. Die wichtigste Kraft in Idlib ist die militante islamistische Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die gegen den IS kämpft und ein früherer Ableger der Terrororganisation Al-Kaida ist."

Korrespondenten-Berichte zum Tod al-Baghdadis

Aufstieg und Niedergang der IS-Miliz

Jänner 2014:

Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" im Irak und Syrien (ISIS) übernimmt mit sunnitischen Stämmen die Kontrolle über die irakischen Städte Falluja und Ramadi. Zugleich vertreibt die sunnitische Extremistengruppe rivalisierende Rebellen aus der nordsyrischen Großstadt Raqqa und errichtet eine Schreckensherrschaft in der Stadt mit öffentlichen Hinrichtungen, Enthauptungen, Steinigungen und Vergewaltigungen. Über Propagandavideos werden Gräueltaten weltweit verbreitet.

Juni 2014:

Die Jihadisten erobern bei einer Blitzoffensive die nordirakische Großstadt Mossul. Auch weite Gebiete im Norden und im Zentrum des Iraks fallen fast kampflos an die Gruppe. Ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ruft in Mossul ein "Kalifat" aus mit Raqqa als inoffizieller Hauptstadt. ISIS benennt sich in Islamischer Staat (IS) um.

August 2014:

Die IS-Miliz erobert die Region des Sinjar-Gebirges im Nordirak, die Heimat der kurdischsprachigen Minderheit der Yeziden. Tausende Männer werden ermordet, kleine Buben als Kindersoldaten zwangsrekrutiert, Frauen und Mädchen vergewaltigt und versklavt.

September 2014:

Die USA beginnen mit arabischen und europäischen Verbündeten Luftangriffe auf die IS-Miliz in Syrien und dem Irak.

Jänner 2015:

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vertreiben die IS-Miliz nach erbitterten Kämpfen aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei.

November 2015:

Kurdische Kämpfer drängen die IS-Miliz aus dem Sinjar-Gebirge zurück.

Februar 2016:

Die irakischen Streitkräfte erobern mit Hilfe schiitischer Milizen die Stadt Ramadi zurück. Einige Monate später verliert die IS-Miliz auch die Stadt Falluja.

März 2016:

Die syrischen Regierungstruppen nehmen mit russischer Unterstützung Palmyra ein. Die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Oasenstadt war im Mai 2015 an die IS-Miliz gefallen.

August 2016:

Kurdische Kämpfer erobern die IS-Bastion Manbij. Die türkische Armee marschiert in Nordsyrien ein, um Jihadisten, aber vor allem kurdische Milizen von der Grenze zurückzudrängen.

Februar 2017:

Nach den nordsyrischen Städten Jarablus und Dabik erobert die türkische Armee mit verbündeten syrischen Rebellen auch die Stadt Al-Bab von der IS-Miliz.

November 2016:

Das kurdisch-arabische Bündnis SDF um die YPG-Miliz startet mit Unterstützung der US-Armee eine Offensive zur Eroberung der syrischen IS-Hauptstadt Raqqa.

Juli 2017:

Nach neunmonatigen, erbittert geführten Kämpfen wird Mossul von der irakischen Armee, schiitischen Milizen und kurdischen Einheiten zurückerobert. Große Teile der Metropole sind zerstört.

Oktober 2017:

Die kurdisch dominierten SDF-Einheiten bringen die letzten Teile von Raqqa unter ihre Kontrolle.

November 2017:

Die syrischen Regierungstruppen erobern die Städte Deir Essor und Albu Kamal im Osten Syriens von der IS-Miliz zurück.

Dezember 2017:

Die irakische Armee nimmt die letzten IS-Gebiete an der Grenze zu Syrien ein. Ministerpräsident Haider al-Abadi verkündet den Sieg über die Jihadisten im Irak.

Mai 2018:

Die letzten IS-Kämpfer ziehen aus den Vierteln Jarmuk und Tadamun im Süden von Damaskus ab. Die Regierung erklärt die syrische Hauptstadt für "komplett sicher".

Juli 2018:

Die Jihadisten verlieren ihre Bastion in Daraa im Süden Syriens. Zuvor hatten sie bei einer Anschlagsserie in der Nachbarprovinz Suwayda (Suweida) fast 250 Menschen getötet.

September 2018:

Die SDF-Einheiten beginnen mit internationaler Unterstützung eine Offensive zur Eroberung der letzten IS-Bastion im Osten Syriens.

März 2019:

Mit der Einnahme von Baghuz durch kurdisch-arabische Einheiten verliert der IS das letzte von ihm kontrollierte Gebiet. Unklar bleibt, ob al-Baghdadi noch lebt und wo er sich versteckt hält.

Oktober 2019

Die Türkei startet am 9. Oktober eine Militäroffensive in Nordostsyrien gegen die kurdische YPG-Miliz. International gibt es Befürchtungen, dass die von den Kurden zu tausenden in Lagern inhaftierten IS-Kämpfer und deren Angehörige flüchten könnten. Bis zu 3.000 dieser Gefangenen sind Ausländer.

Es gelingt den USA, al-Baghdadi in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens aufzuspüren. US-Spezialkräfte starten in der Nacht auf 27. Oktober einen Angriff mit acht Hubschraubern. Al-Baghdadi flüchtet sich in einen Tunnel und zündet eine Sprengstoffweste. US-Präsident Donald Trump gibt den Tod des IS-Anführers wenige Stunden später im Weißen Haus offiziell bekannt.

(APA) (Red.)

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