Einfach nur still werden

Dornbirn/VN - Elsbeth Mäser lädt zur Alltagsunterbrechung ein. Sie schwört darauf.

Während anderen Menschen der in Aussicht genommene Verzicht auf deftige Braten und das unvermeidliche kleine Helle als Begleit­erscheinung Schweißperlen auf die Stirn treibt, freut sich Elsbeth Mäser auf die Fastenzeit. Kulinarisch ändert sich eh nix. „Wir essen vielleicht zwei Mal die Woche Fleisch.“ Am Aschermittwoch kommen Suppe und Tee auf den Tisch, mehr nicht. Und doch hält Elsbeth Mäser nichts davon, sich zu kasteien. Sie fasst keine Vorsätze, von wegen „kein Kaffee mehr“ während 40 Tagen, da lacht sie: „Dafür kenn ich mich zu gut.“ Aber auf einen achtsameren Umgang mit sich selber, auf ein wenig Ruhe nach der umtriebigen Zeit, darauf freut sie sich.

Regelmäßige Rückzüge

Elsbeth Mäser gönnt sich das länger schon. Einmal im Jahr reist sie für eine Woche in ein Exerzitienhaus der Kreuzschwestern nach Tirol. Sie verbringt dort sieben Tage in der Stille. Die Kirche nennt das seit alters her „kontemplative Exerzitien“.

Das lateinische Wort „contemplare“ bedeutet eigentlich anschauen, betrachten. Die Exerzitien aber sind ihrer Wortwurzel nach Übungen. Tagelang übt sie also die Betrachtung. Sitzt ganz still. Achtet auf ihren Atem. Zieht sich in sich zurück. Und sieht dabei was? „Was eben kommt.“ Manche Exerzitienformen binden die Betrachtung an ein Bild oder eine Textstelle der Bibel, andere verlaufen themenfrei. Immer aber wird der Mensch dabei sich selber gewahr, oder wie Elsbeth Mäser es betont, „der Mensch stellt sich ins Angesicht Gottes“.

Darauf braucht die Dornbirnerin nicht ein Jahr lang zu warten wie auf den lang-ersehnten Wellnessurlaub. Sowas klappt auch im Alltag. Im oberen Stock ihres Hauses hat sie sich einen Raum geschaffen, der solche Rückzüge gestattet. Auf dem Tisch liegt ein schlichtes Kreuz. Davor ein Schemel, eine Decke. „Sehr regelmäßig“ nimmt sie sich eine halbe Stunde Auszeit vom Tag. Das wird sie auch jenen zwölf Frauen vermitteln, die ab kommenden Dienstag von ihr in die Exerzitien im Alltag begleitet werden.

Spirituelle Wegzehrung

Religion hat in Elsbeth Mäsers Leben immer Platz gehabt. In der Pfarre Hatlerdorf leitet heuer Pfarrer Christian Stranz eine Männergruppe an, die Frauen treffen sich jeden Dienstagvormittag mit Elsbeth. Das Team „Spiritualität und Glaubensbildung“ der Diözese Feldkirch hat für heuer die Exerzitien im Alltag mit „Brot auf dem Weg“ übertitelt. Wöchentlich erhalten die Teilnehmer in den Pfarreien Impulse, gedankliche Nahrung sozusagen, die sie auf ihrer Alltags-Wochen-Reise stärken soll.

Eine „Vertiefung des Glaubens mit Freude“ will Elsbeth Mäser vermitteln in einer Kirche, „die derzeit ja nicht sehr anziehend wirkt für junge Menschen“. 900 Vorarlberger nahmen vergangenes Jahr das Angebot der „Exerzitien im Alltag“ wahr. Haben wohl auch als angenehm empfunden, dass Exerzitien niemandem Leistung abverlangen. Mäser kennt das: „Ich bin selber ein sehr aktiver Mensch.“ Das Angebot in Gesellschaft und Freizeit gestalte sich derart vielfältig, dass die Wahlmöglichkeit rasch in Druck umschlage. „Depression und Burn-out nehmen zu.“ Deshalb empfiehlt Mäser das bewusste Sich-zurück-Nehmen auch als „eine Art Psychohygiene“. Die überdies keineswegs bitterernst vonstatten geht. „Ich schöpfe viel Lebensfreude daraus.“ Ein Lachen, das in der Stille gründet, verdient am ehesten das Prädikat der Heiterkeit.

Zur Person

Elsbeth Mäser begleitet Menschen während der Fastenzeit bei Exerzitien im Alltag.

Geboren: 28. Jänner 1956 in Dornbirn

Ausbildung: Ausbildung zur Arzt­assistentin

Laufbahn: seit 30 Jahren Hausfrau und Mutter

Familie: verheiratet, drei Töchter und vier Enkelkinder

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