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Eine Ära geht heute zu Ende

Bregenz - Peter Stemberger schließt zum heutigen 60. Geburtstag seinen Plattenladen.

Über Jahrzehnte war er die Institution schlechthin, wenn es um Beratung beim Kauf von Klassik-Platten ging: Peter Stemberger, in seinem kleinen Elektro-Geschäft in der Kaiserstraße Herr über Vinyl (einst) und Silberscheiben (heute), über Stereoanlagen und flache Breitwand-Fernseher. Ein Sir, stets gut gekleidet, auch bei Hitze im flotten Sakko und mit dem obligaten Mascherl, die lange Haarpracht zum modischen Zopf gebunden. Und werktags von 9 bis 12, von 14 bis 18 Uhr von stets gleichbleibender Freundlichkeit, mochten die Anliegen der Kunden noch so ausgefallen sein: „Viele sind gekommen, haben mir eine Melodie vorgesungen, von der sie die zugehörige Oper auf CD kaufen wollten“, plaudert Stemberger aus der Schule. Er griff zielsicher ins Regal und hatte das Richtige.

Ein Familienbetrieb

Dieser direkte Kontakt mit den Kunden, der hat ihn gefreut und bis heute erhalten in diesem Geschäft, das sein Vater Eberhard 1948 gegründet hat. Für Peter und seinen Bruder Johann, der vor fünf Jahren aufgehört hat, war es damals der logische Schritt, 1964 als Lehrling ins elterliche Geschäft einzusteigen. 45 Jahre hat er hier verbracht: „Früher waren wir sehr stark am Hi-Fi-Sektor, sehr bald kam aber bei mir die Liebe zur Klassik dazu.“ Und doch hört Peter Stemberger nun auf, macht sich damit selber wohl das schönste Geschenk zum heutigen 60. Geburtstag: „Ich habe mich lange vor allem emotional dagegen gewehrt, auch weil ich meine Tätigkeit als kulturellen Auftrag sehe. Nur war es letztlich dann eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die mich zum Aufhören bewogen hat.“ Es ist halt so wie beim Tante-Emma-Laden im Dorf: Die Leute bestellen ihre CDs immer mehr übers Internet, kaufen ihre Elektrogeräte lieber im Großmarkt. Weil’s dort billiger ist. Da konnte Stemberger als kleiner Einzelhändler preismäßig nicht mehr mithalten, es hat sich nicht mehr rentiert. Die Großen fressen die Kleinen. Und eine Ära geht damit zu Ende. Trotzdem versucht er die Flucht nach vorne. In Zukunft hält auch Stemberger den Kontakt zu seinen vielen Stammkunden übers Internet und am Telefon, auch der technische Service bleibt erhalten.

Mehr als ein Plattenladen

Die neu gewonnene Freizeit nützt er für sommerliche Segeltörns im eigenen Boot und für sein größtes Hobby – die Kultur. Er besucht mit Lebensgefährtin Cornelia Hoffecker auch weiter sämtliche Bregenzer Konzerte und Theaterpremieren bei den Festspielen und während des Jahres. Pilgert, ausgestattet mit dem größten Wissen um die komplizierten Zusammenhänge in den Opern Richard Wagners, alljährlich nach Bayreuth, um sich dort die neuesten Inszenierungen anzuschauen und als „Vorsitzender“ des Richard-Wagner-Verbandes Vorarlberg dessen rund 200 Mitglieder von seinen Erkenntnissen profitieren zu lassen. Auch in regelmäßigen Opernfahrten, die er mit ihnen nach Zürich, Stuttgart und München unternimmt. Es wird Peter Stemberger also sicher nicht langweilig werden in der Pension. Sein Abschied vom Geschäftsleben aber hinterlässt eine Lücke, die im Land kaum zu schließen sein wird. Denn wo wird es in Zukunft jene Atmosphäre wie in diesem kleinen Laden geben, die die Leute so liebten? Wo man verstanden wurde, mit seinen musikalischen Anliegen, sich austauschen konnte über Aktualitäten im Bregenzer Kulturleben, wo man kompetent und persönlich beraten wurde? Dinge, die kein Großmarkt bieten kann.

Peter Stemberger öffnet am Mittwoch , 9 Uhr, letztmalig seinen Plattenladen in der Bregenzer Kaiserstraße.

Zur Person

Peter Stemberger Peter Stemberger öffnet seinen Bregenzer Plattenladen heute zum letzten Mal. Geboren: 31. März 1950 in Bregenz Ausbildung: kaufmännische Lehre Hobbys: Musik, Segeln Familie: zwei Kinder

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