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Eine Kapelle im eigenen Garten

In Lustenau findet sich eine Kuriosität in der Morgenstraße. Im Garten von Familie Marinkovic steht schon seit über hundert Jahren eine Lourdes-Kapelle.
In Lustenau findet sich eine Kuriosität in der Morgenstraße. Im Garten von Familie Marinkovic steht schon seit über hundert Jahren eine Lourdes-Kapelle. ©bvs
Im Garten von Familie Marinkovic steht eine Kapelle, die öffentlich zugänglich ist.
Kapelle im eigenen Garten

Lustenau Es ist kurz vor 16 Uhr. Kaplan Wilhelm Kroner (92) biegt ums Eck. Wie jeden Tag. Er ist bereit, den täglichen Rosenkranz mit anschließender Krankensegnung abzuhalten. Auch an diesem Tag ist eine treue Besucherin vor Ort und freut sich auf die für sie ganz besondere Zeit. Schauplatz dafür ist keine der bekannten Kirchen in Lustenau, sondern eine kleine unscheinbare Kapelle in der Morgenstraße, nicht weit entfernt vom blauen Platz. Dort befindet sich, dicht an die angrenzenden Wohnhäuser, eine Lourdes-Kapelle. Erbaut bereits im Jahr 1885. Wenige Schritte entfernt, spielen die Kinder von Familie Marinkovic im eigenen Garten. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Auf den zweiten jedoch schon. Denn die Kapelle steht im Garten der Familie.

Grundstück mit Kapelle geerbt

"Mein Opa hat 1953 dieses Grundstück gekauft. Dort stand die Kapelle schon darauf", erzählt Conny Marinkovic (42) aus Lustenau. Später habe es dann ihre Mutter geerbt und sie habe es wiederum ihr weitervererbt. Bis dato war das Grundstück unbebaut. Es gab lediglich den Grund mit der Kapelle. Der Vater von Conny hat das Grundstück in den letzten Jahren für seine Zitrusfrüchte genutzt. Dafür hat er ein großes Gewächshaus aufgestellt, in dem sich neben Zitronen- und Orangenbäumen auch verschiedenste Setzlinge befinden. Im vorigen Dezember hat sich Conny Marinkovic dann gemeinsam mit ihrem Ehemann den Traum vom eigenen Haus erfüllt. "Für uns hat sich zu Beginn die Frage gestellt, was wir mit der Kapelle in unserem Garten machen und wie wir das Gewächshaus stellen, damit wir Platz haben. Wir hätten um die Kapelle bauen können oder sie ausheben lassen und an einen neuen Standort stellen." Das kam für die Familie jedoch nicht in Frage. Die Kapelle gehöre zum Grundstück und bleibe deshalb hier stehen. Außerdem gefällt der Familie die Geschichte zur Lourdes-Kapelle: Diese wurde 1885 vom Lustenauer Gottfried Hagen aus Dankbarkeit, dass seine unheilbar kranke Frau wieder gesund wurde, erbaut. Und so haben sie bei den Planungsarbeiten zum Haus, alles gedreht und gewendet, bis sie eine Lösung gefunden haben. Ihr Haus steht nun in kleiner Entfernung zur Kapelle, die einen eigenen Zugang hat. Die Besucher müssen somit nicht durch ihren Garten gehen. Gleich dahinter steht das Gewächshaus ihres Vaters.

Rituale leben

"Wir gehen oft mit unseren Eltern eine Kerze in der Kapelle anzünden", erzählt Tochter Stella Marinkovic (7). Sie spielt häufig mit ihrem Bruder Felipe (3) vor der Kapelle und beobachtet den Kaplan. Ihn kennen sie gut, denn er kommt dreimal täglich zur Kapelle. Gleich in der Früh sperrt er auf, nachmittags um 16 Uhr kommt er zum Beten und am Abend sperrt er wieder zu. Ein täglich wiederkehrendes Ritual. Es ist eine besondere Symbiose zwischen Kaplan Kroner, der Kapelle und den Marinkovics in der Morgenstraße. Ein respektvolles Miteinander, bei dem Erleichterung über die gefundene Lösung herrscht. Zwar gehöre die Kapelle zum Grundstück, die Familie zahle dennoch über Generationen hinweg die Grundsteuer für diese kleine Fläche. Warum dies so ist, weiß eigentlich niemand. Doch stören würde sie dies nicht, so Marinkovic. "Ich betrachte das als kleinen Beitrag für die Kirche. Für meinen Mann und mich ist es etwas Schönes, denn wer kann schon sagen, dass einem eine eigene Kapelle gehört", schmunzelt sie. (Bvs)

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