Ein Volltreffer niveauvoller Unterhaltung

Im fröhlichen (?) Altersheim … (von links: Lercher, Sternik, Montibeller, Felix, Büchel).
Im fröhlichen (?) Altersheim … (von links: Lercher, Sternik, Montibeller, Felix, Büchel). ©Veranstalter / VoVo

“Der arme Ritter”, die neue Komödie von Stefan Vögel, im Vereinshaussaal.

Götzis. Seit 24. März verwöhnt das beliebte VoVo seine Fans im Vereinshaussaal mit einer neuen Komödie von Stefan Vögel. Es mag sehr subjektiv klingen, aber “Der arme Ritter” ist der wohl beste Theater-Vögel, den es bisher gab. Eine ansprechende Handlung, die prinzipiell das Leben schreiben könnte; ein wunderbar in allen Nuancen stimmiges Ensemble von Publikumslieblingen; ein Text mit pointenreichem Witz und endlich wieder einmal eine Hauptrolle, die nicht auf den meist unvermeidlichen Dialekt getrimmt ist und ein wohllautendes Bühnendeutsch präsentieren darf (obwohl auch in der neuen Produktion deswegen kräftige mundartliche Töne nicht fehlen).

Ein armer Ritter und ein armes Girl

Ein Altersheim. Jeden Sonntag lässt sich der jetzt verarmte Ritter Ludwig Bernhard Freiherr von Schwitters-Elbingen , ein immer noch würdiger Gentleman, von einem Studenten ein privilegiertes, feines Essen ins Heim bringen. Eines Sonntags kommt statt des Studenten die wilde, freche und verwahrloste Göre Paula mit dem Essen. Der Ritter und Paula sind zuerst wie Hund und Katze Doch Paula ist wissbegierig, und Ritter Ludwig Bernhard, ein alter Mittelschullehrer, setzt sich bald das Ziel, die junge Frau aus ihrem desolaten Leben durch Bildung herauszuholen. Um diese Hauptfiguren schart sich ein Kreis skurriler Menschen im Altersheim – und der Gipfel des Plots ist der 70. Geburtstag des Ritters mit einem beinahe tragischen Ausgang … Doch die Komödie endet, wie eine solche enden muss –
vergnügliche Happyends, aber ohne Zuckerguss. Der deutsche Regisseur Frank-Lorenz Engel gilt als Spezialist mit feiner Klinge für das Genre Komödie mit all ihren Facetten, und so inszenierte er den “Armen Ritter” mit feinem Gespür für heiteren Tiefgang…

Herrliches Ensemble

Den armen Ritter gibt der zum markanten Charakterdarsteller gereifte Schauspieler Kurt Sternik mit Noblesse in Stimme und Gestik und einem Touch von Mr. Higgins in seiner “Fürsorge” um die schrille Paula Pfanner. Diese wird durch die hochbegabte Bregenzer Jungschauspielerin Anna Elsässer zum quirligen Mittelpunkt der Story; bisweilen ein bisschen zu laut, aber insgesamt der Prototyp von so manch Jugendlichem von heute. Der Autor besetzte die Insassen des Altersheims sehr publikumswirksam. Der Vorarlberger Theater-Doyen Bruno Felix gab berührend den senil brummelnden, vergesslichen, aber noch vital tanzenden Franz Josef Lojewski. Gottfried Lercher war der durch Lojewski sehr genervte Norbert Klien; Dodo Büchel überzeugte als die den armen Ritter verstohlen liebende Elisabeth Franzoi, und die blonde Schwester Isolde alias Heike Montibeller (der “Panzerkreuzer”) war gestrenge Gebieterin, aber auch ein tänzelndes “Nummerngirl” vor dem Vorhang. Das gemütliche Heim-Ambiente schuf Hugo Ender, Rap und Breakdance hatte den munteren Senioren das junge Duo Prokopetz und Bayraktar gelehrt. Ein köstlicher Theaterabend, der dem oft kritisierten Generationenkonflikt charmant die Schärfe nimmt.

Weitere Aufführungen im Vereinshaussaal/Kulturbühne AmBach bis 16. April 2011.
Karten bei allen Raiffeisenbanken und Sparkassen.

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