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Ein Schotte ergänzt das Team mit 120 Frauen

John Hume ist seit 33 Jahren in Lustenau. Hedwig Stocklasa ist eine seiner Klientinnen, die er betreut.
John Hume ist seit 33 Jahren in Lustenau. Hedwig Stocklasa ist eine seiner Klientinnen, die er betreut. ©edithhaemmerle
Menschen aus der Heimat: John Hume ist einer der wenigen Männer im Frauenteam beim Mobilen Hilfsdienst Lustenau. 
Ein Schotte ergänzt das Team mit 120 Frauen

Lustenau (EH) John Hume kommt aus Schottland. Eigentlich wollte er gar nicht so lange in Vorarlberg bleiben. Doch oft kommt es anders als man denkt. Die Liebe war es, die ihn sesshaft gemacht hat. Nach 33 Jahren versteht der Schotte den Dialekt und die Mentalität der Lustenauer, und ab und zu rutscht ihm beim Reden ein Lustenauer „Brocken“ dazwischen. Sein ursprünglicher Beruf ist Rettungssanitäter. Als er hierher kam, nahm er die Stelle im Restaurant „Bella Napoli“, im Gebäude des ehemaligen „Bräuhaus“ in Lustenau als Chefkoch an. In seiner Freizeit ging er ab und zu zum Tanzen in‘s „Le Clou“, ein damals allseits bekanntes Tanzlokal, unweit von seiner Arbeitsstelle entfernt. Dort lernte er Karin, seine Frau für’s Leben kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, bekennt er, und so stand die Hochzeit bald ins Haus. Auch Karin’s Töchter, Desiree und Nadine, sind wie seine eigenen geworden. Seit drei Jahren genießt der Neo-Lustenauer nun seine Pension. Doch dabei wollte er die Hände nicht einfach in den Schoß legen. Er engagiert sich beim Mobilen Hilfsdienst (MOHI) Lustenau als Betreuer. Dabei kommt ihm sein erlernter Beruf als Sanitäter zugute. Bei dem vorwiegend weiblichen Pflegeberuf ist John Hume als männlicher Kollege beinahe eine Rarität im Team. Hedwig Stocklasa ist eine seiner Klientinnen. Sie möchte „ihren“ John jedenfalls mit niemandem tauschen. „Für mich bedeutet er alles“, sagt die 73-jährige Dame und noch mehr: „Er holt mich immer wieder aus einem tiefen Loch heraus.“

Täglich ein Licht

Sie zeigt auf das Bild, das auf dem Küchenschrank einen fixen Platz bekommen hat. Daneben steht eine Kerze. Sie wird jeden Tag entzündet. Seit dem ihr Gerd vor einem halben verstorben ist, leidet Frau Stocklasa am Verlust ihres geliebten Mannes, den sie 14 Jahre lang aufopfernd gepflegt hat. Durch die lange Pflege ist sie selbst krank geworden. Ihre Hüftgelenke sind lädiert und auch im Schulterbereich spürt sie Schmerzen, die durch das Heben entstanden sind. Ihre Kinder sind längst ausgeflogen. Die einen ganz weit weg. Aber auch als Witwe will sie sich nicht an ihre Kinder klammern. An die Weisheit, „die Kinder gehören dir nicht, sie sind dir nur geliehen“, hat sie sich ein Leben lang gehalten. Doch unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes wollte sie hier alle Zelte abbrechen und zu ihren beiden Kindern ziehen, die in der Steiermark wohnen, erzählt die fünffache Mutter, die dabei mit Stolz auch ihre 13 Enkel und vier Urenkel erwähnt. Ihr Hobby ist das Stricken. „Es entspannt“, sagt sie. Besonders wenn sie für „d’ Urenkele“ etwas Herziges zum Anziehen strickt, wird ihr leichter ums Herz. „Wenn man so lange hier lebt, dann ist man verwurzelt und einen älteren Baum sollte man nicht mehr verpflanzen“. Das hat sie schließlich zu dem Entschluss bewogen, doch hier zu bleiben. Seit 54 Jahren ist Lustenau für die gebürtige Steirerin Heimat geworden. Und so kann sie auch regelmäßig das Grab ihres Mannes am Friedhof besuchen.

Humor und Lebensfreude

„Ich bin hier, um Freude zu haben und meinen Humor weiterzugeben“, diesen Leitsatz will John Hume nach Möglichkeit in das Leben der älteren Menschen einbringen. „Manchmal bin ich auch so etwas wie ein Psychologe“, gibt er lächelnd preis. Er hat auch Gerd, den verstorbene Mann von Hedwig, betreut. Er sei für ihn wie ein Freund gewesen, erzählt er auch von den Spaziergängen am Alten Rhein und am Bodenseeufer, die Gerd mithilfe des Rollators noch bewältigen konnte. Als Ausgleich frönt der Schotte seinem geliebten Sport. Dann fährt er zum Golfen nach Memmingen, oder er unternimmt etwas mit seiner Familie. Jedenfalls der Humor und die Herzlichkeit ihres Betreuers heitern den Alltag von Hedwig Stocklasa auf. „Jedes Mal, wenn er zur Wohnungstür hereinkommt, bringt er Sonnenstrahlen mit“, bekennt die Seniorin freudig. Auch ihr kleiner Hund „Snowi“, der zwölf Jahre der Begleiter ihres Mannes war, tröstet sie über die einsamen Stunden hinweg. Nun will sie wieder nach vorne schauen. Sie freut sich auf das neue Trainingsprogramm, das für Senioren angeboten wird. Dadurch verspricht sie sich mehr Beweglichkeit und hofft vor allem, dass die Schmerzen in der Schulter erträglich werden. Und natürlich ist die Freude immer groß, wenn eines ihrer Kinder oder Enkel einen Besuch ankündigt.

Zur Person

Name: John Hume
geboren: 27. 7. 1950 in Schottland
Wohnort: Lustenau
Familie: verh. mit Karin, einen Sohn (Robin)
Früherer Beruf: Sanitäter
Hobby: Golf
Lebensmotto: „Freude am Leben haben und meinen Humor weitergeben.“

 

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