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Ein Luftschiff der Superlative

Am 15. August 1929 startete in Friedrichshafen das Luftschiff "Graf Zeppelin" seine Erdumrundung. Ein bemerkenswerter Flug, der bis heute einzigartig ist.

Vor genau 90 Jahren begann für das Luftschiff "Graf Zeppelin" und seine Passagiere die "deutsche Weltfahrt". Bis heute umflog es als erstes und einziges Luftschiff die Erdkugel in östlicher Richtung.

Das größte Luftfahrzeug der Welt

Bei seiner Fertigstellung war das Luftschiff "Graf Zeppelin" mit einer Länge von rund 237 Metern und einem Durchmesser von gut 30 Metern das größte Luftfahrzeug der Welt. Das in Friedrichshafen von der "Luftschiffbau Zeppelin GmbH" gebaute Flugobjekt "LZ 127" wurde am 8. Juli 1928 anlässlich des 90. Geburtstags des 1917 verstorbenen Firmengründers Ferdinand Graf von Zeppelin getauft und am 18. September 1928 in Dienst gestellt.

Obwohl das "LZ 127" ursprünglich als Versuchsschiff geplant war, erwies es sich als so zuverlässig, dass es für zahlreiche spektakuläre Flüge genutzt wurde. Dazu zählen unter anderem die Weltfahrt im Jahr 1929 und eine Arktisfahrt im Jahr 1931, durch die es zu einem der bekanntesten Luftschiffe überhaupt wurde. Zudem war es das erste Verkehrsluftfahrzeug, das Fluggäste planmäßig über die Weltmeere brachte. Bis zur Stilllegung im Jahr 1937 führte es 590 Fahrten aus und überquerte dabei 144 Mal einen Ozean.

Das LZ 127 "Graf Zeppelin" über der Frauenkirche in München (3sat)

Ein Luftschiff der Weltrekorde

Die fünf Ottomotoren des "LZ 127" hatten je 570 PS und ermöglichten eine Reisegeschwindigkeit von etwa 115 km/h und eine Reichweite von rund 12.000 Kilometer. Zwei Windgeneratoren an der Außenseite der Gondel betrieben die größte funktechnische Einrichtung eines Luftfahrzeugs und erzeugten den Strom für die Beleuchtung an Bord. Die Besatzung bestand aus 45 bis 50 Mann. Zusätzlich konnten bis zu 25 Passagiere befördert werden.

Insgesamt legte das Luftschiff knapp 1,7 Millionen Kilometer in gut 17.100 Flugstunden zurück. Es beförderte 34.000 Passagiere, davon rund 13.100 zahlende Gäste und etwa 78.600 Kilogramm an Fracht. Bis heute hält das "LZ 127" unter Hugo Eckener die FAI-Weltrekorde für die längste Fahrtsrecke eines Luftschiffs mit 6384,50 Kilometer und die längste Fahrtdauer eines Luftschiffs mit 71 Stunden. Dabei sind dies nicht einmal die Spitzenleistungen, da etwa der 118-stündige Flug nach Recife von der FAI nicht anerkannt wurde.

Das Luftschiff "Graf Zeppelin" fliegt über Bregenz (VN/Vorarlberger Landesbibliothek)

"Hindenburg"-Katastrophe

Als die Nachricht vom Unglück des "LZ 129 Hindenburg" in Lakehurst die Besatzung der "Graf Zeppelin" erreichte, wurde diese den Passagieren bis zur Ankunft am 8. Mai 1937 in Friedrichshafen vorenthalten.

Aufgrund der Katastrophe blieb es die letzte Fahrt der "Graf Zeppelin" und noch am 19. Juli wurde das "LZ 127" außer Dienst gestellt und mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs trotz vollständiger Einsatzfähigkeit verschrottet, um den Aluminiumbedarf der Luftrüstung zu decken.

Die einzigartige Weltfahrt

Die Weltumrundung im Jahr 1929 gehört zu den bedeutendsten Fahrten der "Graf Zeppelin". In insgesamt 35 Tagen wurden dabei rund 49.600 Kilometer zurückgelegt. Am 1. August flog das Luftschiff über Spanien und den Atlantik nach Lakehurst bei New York City, wo am 7. August die "amerikanische Weltfahrt" startete. Die Route führte zunächst zurück nach Friedrichshafen, das am 10. August erreicht wurde. Von dort startete am 15. August die "deutsche Weltfahrt".

Über deutsche Städte wie Ulm, Nürnberg, Leipzig und Berlin ging es über Stettin, Danzig und Königsberg nach Litauen. In 1250 Metern Flughöhe passierte das "LZ 127" das Ural-Gebirge in Russland. Nachdem Jakutsk überflogen war und dort Postsack sowie ein Kranz für die in Sibirien verstorbenen deutschen Kriegsgefangenen abgeworfen wurde, waren die Sümpfe und Wälder Sibierien überquert. Am Morgen des 19. August erblickten Besatzung und Passagiere schließich den Kamoi-Leuchtturm an der nördlichen Spitze der japanischen Insel Jesso (Hokkaido).

Das LZ 127"Graf Zeppelin" fliegt über Friedrichshafen am Bodensee (dpa)

Passieren der "Datumsgrenze"

Nach einigen Begrüßungsschleifen über Tokio und Yokohama landete das Luftschiff in Kasumigaura. Seit der Abreise in Friedrichshafen wurden bis hierher gut 11.200 Kilometer in knapp 102 Stunden absolviert. Am 23. August begann der Flug in Richtung USA. Während dieser Reise flog die "Graf Zeppelin" rund 30 Stunden ohne Pause durch den Nebel. Da alle 15 Längengrade die Uhr um eine Stunde vorgestellt werden musste, erlebten die Fahrgäste den 24. August 1929 gleich zweimal, als der 180. Längengrad erreicht wurde. Am 25. August erreichten sie schließlich die amerikanische Küste und landeten im Anschluss in Los Angeles.

Auf der Etappe zurück nach Lakehurst flog der Zeppelin zunächst bis San Diego, folgte der mexikanischen Küste in die Berge der Rocky Mountains und bog über El Paso in Richtung Chicago ab. Über Detroit und Cleveland erreichten die Weltumreisenden am 29. August New York City, wo das "LZ 127" zum zweiten Mal die Freiheitsstautue umflog und in Lakehurst landete. Nach drei Tagen erfolgte dann die letzte Etappe zurück nach Friedrichshafen, das am 4. September erreicht wurde - eine sagenhafte Leistung.

Das Großflugzeug "Do X" und das Luftschiff "Graf Zeppelin" am Bodensee (VN/Vorarlberger Landesbibliothek)

(Red.)

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