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Ein Haus mit Durchblick

©Norman Radon
In Aussichtslage, gelegen auf einer der drei Bergparzellen des Dornbirner Stadtbezirks Haselstauden, schafft Haus Böhler den Spagat zwischen geschützter Privatsphäre und spektakulären Aus- und Durchblicken.
Ein Haus mit Durchblick

Kaum mehr als 100 Einwoh-ner(innen) zählen die drei kleinen Weiler Kalben, Fluh und Hohlen an der Grenze von Dornbirn. Die drei Bergparzellen im Gebiet von Haselstauden markieren den südlichen Rand des Landwirtschaftsgebietes um Heilgereuthe. Auf einer Seehöhe von ca. 800 Metern plus erstreckt sich hier für Bewohner(innen) wie Wanderer und Wandererinnen der Blick auf das Untere Rheintal in selten gesehener Weite bis hin ans Bodenseeufer.

Das Wort „Fluh“ steht für Felsen oder Felswand. Bewohnbar ist damit nicht die Fluh selbst, sondern das umliegende Land. Die Dornbirner Fluh wurde 1431 erstmals genannt und ist laut Dornbirn-Lexikon (lexikon.dornbirn.at) auf alten Bildern von Haselstauden in Form einer kleinen, hellen Felswand erkennbar.

Die junge Bauherrenfamilie wählte ihren Wohnort mit Bedacht. Schon Jahre zuvor gab es erste Kontakte. „Damals war noch nicht absehbar, dass wir hier wirklich einmal wohnen würden. Ich habe das Grundstück bei einem Fest, zu dem ich eingeladen war, kennengelernt, und den Eigentümer gebeten, mich zu informieren, falls er es einmal verkaufen möchte. 20 Jahre später hat er sich daran erinnert.“, erzählt Andreas Böhler. Der besonders schützenswerte Landschaftsraum dieser entlegenen Weiler bedeutet für Bauherren nicht nur beste Aussicht, sondern auch lange Anfahrtswege und schwierige Wegverhältnisse im Winter. „Ich konnte mir ein Wohnen in dieser Lage – vor allem mit kleinen Kindern – anfangs nicht vorstellen. Wir waren die kurzen Wege unten im Tal gewöhnt. Erst mit der Zeit konnte ich mich mit dem Wohnen am Hang anfreunden.“, so die Bauherrin.

Entscheidungen müssen reifen. Auch für die Planung nahm sich das Bauherrenpaar Zeit. Architekt Christian Mörschel von Juniwind Architektur ging dabei zunächst von einem Holzbau aus, den die Familie aus naheliegenden Gründen – der Bruder des Bauherren arbeitet im Holzbaubereich –präferierte. „Während des Planungsprozesses gab es mehrere grundsätzliche Schwenker. Lage, bevorzugte Materialien, aber auch Fragen des Grundrisses brauchen viel Reflexion. Die Begleitung der Bauherren in diesen schwierigen Fragen ist essenziell.“, so der Architekt. Die wichtigsten Anforderungen der Bauherren waren eine gute Einbettung des Gebäudes in den Hang und die übrige Bebauung und – am Wanderweg gelegten – Räume mit viel Aus-, aber wenig Einsicht.

Der Eingangsbereich führt in einen großzügigen Empfangsraum. Von hier werden nicht nur sämtliche Nebenräume erschlossen, sondern auch das Kosmetikstudio der Bauherrin, die damit auch ihre Arbeit ins Raumkonzept des Hauses integrierte. Selbst vom Behandlungsstuhl hat man direkten Blick auf den Bodensee und ins Rheintal. Hell und freundlich ist diese Zone, hin orientiert zu einer markanten Treppe. Bereits beim Betreten des Hauses wird der Blick zum Licht gelenkt. Die Lichtquelle ist ein großes Fenster, das den Ort mit seiner Hanglage wieder zum Thema macht.

Für den Grundriss im Obergeschoß wählten Architekt und Bauherr(in) die Form zweier „L“, die sich aneinanderfügen. Es entstanden klar zonierte Räume, die durch Faltwände im Inneren und Vorsprünge im Äußeren abwechselnd geschlossene und offene Räume generieren und Durchblicke ermöglichen, auch dort, wo man sie nicht erwarteten würde. Die Kinderzimmer sind kompakt mit einem kleinen Bad zu einer eigenen Zone gruppiert und mit Wohn- und Essbereich verbunden. Der Elternbereich mit Schlafzimmer, Ankleide und Badezimmer liegt in einem eigenen kleinen Trakt. „Eine Ruhezone für die Eltern zu schaffen, war die Aufgabenstellung.“ Alle Räume finden ihren Höhepunkt in der markanten Aussicht, die omnipräsent ist. Ein weiter Dachvorsprung und ein kleiner Garten mit Sitzmöglichkeit erweitern den Wohnraum.

Energetisch sorgt eine Erdwärmepumpe für solide Ausstattung. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung bringt behagliches Wohnklima und Geruchsneutralität. „Ein Komfort, auf den wir nicht mehr verzichten möchten. Für uns war in allem Pragmatik wichtig. Es gäbe sicher noch mehr, was man tun könnte. Die Gebäudeform orientiert sich z. B. nicht zuvorderst an Energiethemen. Wir haben unsere Prioritäten genau abgewogen.“ Das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Planung ist bei den Bauherren geblieben. „Nach zwei Jahren sind wir noch immer mit jeder Entscheidung, die wir mit unserem Architekten getroffen haben, glücklich. Wir haben einen optimalen Wohnraum für uns geschaffen. Der lange Weg ins Tal ist längst kein Thema mehr.“

Daten & Fakten

Objekt Haus Böhler, Dornbirn-Fluh
Bauherr Andreas und Katja Böhler
Architektur Christian Mörschel, www.juniwind.com
Statik Gerd Nachbaur, Bregenz
Ingenieure/Fachplaner Heizung, Lüftung, Sanitär: Walter Fink, Schwarzach; Elektro: Elektro Willi, Andelsbuch; Energieausweis: Gerhard Bohle, Dornbirn
Planung 10/2009–3/2013
Ausführung 9/2011–3/2013
Grundstücksgröße 665 m²
Wohnnutzfläche 180 m²
Bauweise: Im Untergeschoß Außenwände aus Stahlbeton, Innenwände Ziegel; im Erdgeschoß Außen- und Innenwände Ziegel; Decken aus Stahlbeton; auskragende Dachelemente aus Holz, verputzte Fassade im Untergeschoß, Erdgeschoß mit Holzschirm; Heizung Geothermie und Fußbodenheizung
Ausführung: Baumeister: Stohmeier Bau, Schwarzach; Holzbau und Fassade: i+R Holzbau, Lauterach; Fenster: Josef Feuerstein, Nüziders; Sonnenschutz: Sonpro, Dornbirn; Treppe und Geländer: Simeoni Metallbau, Andelsbuch; Dachdecker und Speng-ler: Tectum, Hohenems; Heizung, Lüftung, Sanitär: Walter Fink, Schwarzach; Elektro: Willi, Andelsbuch; Parkett: Tschabrun, Rankweil; Innentüren: Telser, Mals; Kaminofen: Henn, Nüziders; Küche und Einbaumöbel: Wolfgang Meusburger, Reuthe
Energiekennwert 47 kWh/m² im Jahr (Heizwärmebedarf)

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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