Egger verlor in Heimatgemeinde 2,7 Prozentpunkte - Strache zufrieden

Egger verlor in Heimatgemeinde 2,7 Prozentpunkte.
Egger verlor in Heimatgemeinde 2,7 Prozentpunkte. ©VOL.AT/Steurer
Die FPÖ hat in Hohenems, der Heimatgemeinde von Partei-Chef Dieter Egger, trotz Verlusten von 2,7 Prozentpunkten mit 35,32 Prozent die ÖVP als stärkste Partei überholt. Die Volkspartei erreichte 34,58 Prozent der Wählerstimmen, um 5,2 Prozentpunkte weniger als noch vor fünf Jahren. Deutlich zugelegt haben in der Nibelungenstadt auch die Grünen, und zwar fast auf das Doppelte.

Sie erreichten beim Urnengang 16,78 Prozent, das bedeutet ein Plus von 8,2 Prozentpunkten. Die NEOS kamen hingegen nur knapp über die Fünf-Prozentmarke (5,4 Prozent), den Wert, den sie brauchen, um überhaupt in den Landtag einziehen zu können. Traditionsgemäß schwach sind in Hohenems die Sozialdemokraten. Sie erreichten bei der Landtagswahl 6,17 Prozent.

Strache: Ergebnis “respektabel”

Als respektabel hat FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache am Sonntag das freiheitliche Ergebnis bei der Vorarlberger Landtagswahl bezeichnet. Das wichtigste Wahlziel, nämlich die absolute Mehrheit der ÖVP zu brechen, sei erreicht worden, meinte er in einer Aussendung. Laut Hochrechnung (Stand 15:20 Uhr) könnte die FPÖ eines ihrer bisher neun Mandate an die ÖVP oder die Grünen verlieren.

Die Freiheitlichen seien in Vorarlberg von einem historisch hohen Niveau aus gestartet und hätten dieses mit nur einem leichten Minus bei den Stimmen auch halten können, so Strache in einer Aussendung. Bei den Mandaten sei man stabil geblieben, zeigte er sich optimistisch. Zudem habe es einen neuen politischen Mitbewerber gegeben, der von den Medien ausgesprochen hofiert worden sei.

Strache gratulierte Spitzenkandidat Dieter Egger und dessen Team, die einen sehr guten Wahlkampf geführt hätten. “Ein Plus ist natürlich immer besser als ein Minus. Das ist aber nur ein Ansporn, das nächste Mal einen noch intensiveren Wahlkampf zu führen.”

Egger hält FPÖ auf Kurs

Dieter Egger hält die FPÖ in Vorarlberg auf Kurs. Selbst wenn sich am Ende des Wahlabends wohl leichte Verluste bei den Freiheitlichen einstellen dürften, bleiben die “Ländle”-Blauen deutlich über 20 Prozent und damit zweitstärkste Kraft. Ob es für die sehnsüchtig erwartete Rückkehr in die Landesregierung reicht, entscheiden die ÖVP und wohl auch Egger selbst.

Denn inhaltlich dürfte es für die Freiheitlichen, die ohnehin über Jahrzehnte Regierungspartner auf Gnaden der Volkspartei waren, nicht allzu schwer sein, sich mit den Schwarzen zu verständigen. Doch steht noch immer ein antisemitischer Sager Eggers aus dem Wahlkampf 2009 zwischen den beiden Parteien.

Damals hatte der FP-Chef seinen gemäßigten Ruf verloren, als er den Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, Hanno Loewy, als “Exiljuden aus Amerika” bezeichnet hatte. Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) warf die FPÖ daraufhin aus der Regierung, und sein Nachfolger Wallner hat im Walkampf mehrfach klar gemacht, dass er noch immer auf eine Entschuldigung des Freiheitlichen für seinen Ausrutscher warte.

Die gab es von Egger nicht, es könnte freilich sein, dass er sich jetzt nach der Wahl leichter tut, wenn es gilt, sich gegen die erstarkten Grünen als Koalitionspartner durchzusetzen. Erst vor zwei Tagen hatte Egger eingeräumt, dass die Causa in den Regierungsverhandlungen wohl noch einmal zum Thema werde.

Politische Anfänge in Hohenems

Das Gefühl, Landesrat zu sein, kennt er ja bereits zur Genüge. Als sein politischer Förderer Hubert Gorbach als Infrastrukturminister nach Wien wechselte, kam er jung zu Landesratsehren, anfangs sogar als Landesstatthalter. In der letzten Legislaturperiode kehrte er zwangsläufig dorthin zurück, wo er schon 2000 stand, an die Spitze des freiheitlichen Landtagsklubs.

Politisch begonnen hat alles in seiner Heimatstadt Hohenems, wo Egger 1995 als Fraktionsobmann der Freiheitlichen so richtig in die Politik einstieg und wo er bis heute eine große Nummer ist. Trotz leichter Verluste schaffte es Egger am heutigen Sonntag, in seiner Heimatgemeinde sogar Platz eins zu erobern.

Dabei haftet Egger, der sich schon jung als Textil-Unternehmer selbstständig gemacht hatte, das Image an, wenig Ecken und Kanten zu haben. Er galt stets als eines der freundlichen Gesichter der Freiheitlichen, ein Konfliktmensch ist er nicht, auch wenn die Affäre um Loewy anderes vermuten lassen würde.

Distanz zur Bundespartei

Entsprechend hält der freiheitliche Obmann auch immer Distanz zur Bundespartei. Seine Landesorganisation ist deutlich wirtschaftsorientierter und im Normalfall in der Ausländer-Politik deutlich gemäßigter. Im Gegensatz zu anderen Landesparteien legt man auf Besuche aus Wien auch wenig wert. FP-Chef Heinz-Christian Strache bemühte sich im Wahlkampf gerade einmal für einen Disco-Auftritt ins “Ländle”.

Von der eigenen Partei hat Egger, der bei seinem ersten Antritt vor zehn Jahren nach den Turbulenzen im Bund noch dramatisch Einbußen hinzunehmen hatte, längst nichts mehr zu befürchten, selbst wenn es nicht zur Regierungsbeteiligung reichen sollte. Der sich schon der silbernen Hochzeit nähernde Vater eines Sohns und einer Tochter hat beim letzten Landesparteitag nicht weniger als 99 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.

Egger setzt weiter auf Schwarz-Blau

FPÖ-Spitzenkandidat Dieter Egger ist trotz leichter Einbußen der Freiheitlichen bei der Vorarlberger Landtagswahl “sehr zufrieden”. Einerseits haben man mit dem Brechen der VP-Absoluten eines der Wahlziele erreicht, andererseits habe man sich trotz zusätzlicher Konkurrenz durch die NEOS auf sehr hohem Niveau stabilisiert. Seine Hoffnung geht weiter in Richtung Schwarz-Blau.

Wie Egger im Gespräch mit der APA betonte, habe sich aus seiner Sicht in der Koalitionsfrage durch den Erfolg der Grünen nichts geändert. Die bürgerlichen Parteien, unter denen er ÖVP und FPÖ versteht, verfügten immer noch über einen Zuspruch von mehr als zwei Drittel. Dieses Signal müsse man ernst nehmen. Nun gehe es um eine stabile Regierung, die gut für den Wirtschaftsstandort sei und auch Verkehrsprojekt umsetzen könne.

Zur Person:

Dieter Egger, geboren am 13. Jänner 1969 in Hohenems, nach der Matura unter anderem im Marketing und in der Verkaufsleitung tätig, später Gründung eines Textilunternehmens. Ab 1995 Fraktionsobmann der FPÖ Hohenems, ab 1999 Landtagsabgeordneter, ab 2004 Landesobmann der FPÖ, 2003-2004 Landesstatthalter, anschließend bis 2009 Landesrat. Seither Klubobmann der Vorarlberger Freiheitlichen. Egger ist seit 1990 verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohns.

(APA)

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