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Drohbriefe und Hakenkreuz - Nachbar terrorisiert türkische Familie

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Umut Karabulut aus Dornbirn und seine Familie wurden in den vergangenen Wochen mehrmals von einem Nachbarn rassistisch beleidigt und schwer bedroht. Die Polizei spricht vom einem "normalen Nachbarschaftsstreit".
Nachbar bedroht Familie
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Die Wohnanlage im Dornbirner Hatlerdorf wirkt auf den ersten Blick ganz ruhig. Für Umut Karabulut, der dort mit seiner Familie wohnt, waren die vergangenen Wochen allerdings sehr nervenaufreibend. Der Dornbirner mit türkischen Wurzeln wurde regelmäßig von einem Nachbarn rassistisch beleidigt und auch bedroht. "Es hat alles vor acht Monaten angefangen, als er hier eingezogen ist", so Karabulut gegenüber VOL.AT.

Der Mann sei zuvor nach eigener Aussage obdachlos gewesen. Er habe um die schriftliche Zustimmung der anderen Hausbewohner gebeten, um seinen Hund von der Straße mitbringen zu dürfen. Die Karabuluts lehnten die Unterschrift ab, was dem Mann offenbar sauer aufstieß.

Einer der Drohbriefe an die Familie. Bild: handout/Privat

Beschimpfungen, dann Drohbriefe

Kurz danach begann er jedenfalls damit, die Familie zu beleidigen, schien sich regelrecht auf sie einzuschießen. "Ihr Scheiß Türken. Verpisst euch. Was habt ihr gegen meinen Hund", habe er gemeint. Auch eine andere Nachbarin, eine ältere Dame, habe er bedroht. "Die hat sogar Angst, die Türe aufzumachen, weil sie auch nicht unterschrieben hat." Der Mann habe auch von oben auf den Balkon der Frau hinab gepinkelt.

Anfangs blieb es bei Beleidigungen, dann kam die erste Drohung in Briefform: Die Familie wurde als "scheiß Türken" und "Kanaken" beschimpft. "Dann hat er auch öfters gesagt, er ist der Sohn von Hitler er will uns umbringen", gibt der Betroffene an. Auf dem Brief war auch ein Hakenkreuz aufgemalt. Als die Polizei kam, um das Ganze aufzunehmen, habe der Nachbar alles abgestritten.

Der Nachbar schreckt auch nicht vor Nazi-Symbolen zurück. Bild: handout/Privat

Polizeieinsatz am Donnerstag

Am nächsten Tag kam dann die nächste Drohung: Er drohte damit, ihre Kinder zu vergewaltigen, forderte sie auf, sich in "ihre Heimat zu verpissen". "Entweder 25.000 Euro zahlen oder ihr sterbt", erzählt Karabulut. Er habe dann die Polizei verständigt, die habe den Nachbarn mitgenommen und vernommen. "An dem Tag, als ich den Brief gesehen habe, habe ich auch - ich bin ehrlich - gegen seine Tür getreten", gibt der Betroffene zu. Dafür wurde er auch angezeigt. Dann kam der Höhepunkt: "Gestern um 9:30 Uhr am Morgen hat es richtig wieder einen Knall gegeben. Wie jeden Tag hat er uns gegen die Türe geschlagen." Auch bedrohte er sie erneut: "Ich lösche die Familie Karabulut aus", habe der Nachbar gemeint. "Ich hole jetzt meine AK-Waffe und bringe euch um." Karabulut verständigte die Polizei: "Dann war halt ein Einsatz da mit Schutzwesten und allem möglichen", erklärt er. Erst habe der Mann die Türe nicht öffnen wollen, dann erneut unwissend getan. Die Polizei habe ihn mitgenommen und vernommen. Auch die Familie wurde befragt.

Die Polizei nahm den Mann am Donnerstag mit. Bild: handout/Privat

"Was muss noch passieren?"

Für Umut Karabulut stellt sich nun die Frage, was passieren müsse, damit die Behörden handeln. Die Polizei hat aus seiner Sicht bisher nicht genug getan. "Die Kinder haben hier Angst, die Familen haben Angst", erklärt er. In den 14 Jahren, die er mit seiner Familie im Haus wohne, habe es noch nie so ein Problem gegeben. Der Mann sei eine Gefahr für die ganze Wohnsiedlung, man müsse ihn womöglich woanders unterbringen. Um auf die Situation aufmerksam zu machen hat Karabulut Nachrichtenagenturen und das türkische Generalkonsulat verständigt. Auch steht er täglich im Kontakt mit seiner Anwältin und will sich am Montag mit ihr treffen. "Er ist ein Krimineller, er hat mit Drogen zu tun", meint der Betroffene gegenüber VOL.AT. Auch mit der Hausverwaltung habe er bereits gesprochen und Unterschriften im Wohnviertel gesammelt.

"Normaler Nachbarschaftsstreit"

Es sei ein "normaler Nachbarschaftsstreit", so die Polizeipressestelle für Vorarlberg auf VOL.AT-Anfrage - eine Anzeige werde aber in den folgenden Tagen fertigstellt. Die Vorfälle seien bekannt. Aus Sicht der Polizei ist die Situation soweit unter Beobachtung und im Griff. Man habe den beiden betroffenen Parteien gesagt, wenn es Probleme gebe, könne man jederzeit die Polizei anrufen. Wenn es zu Sachbeschädigung und gefährlicher Drohung gekommen sei, sei dies aufgenommen worden. Es sei nun Aufgabe der Polizei, das dementsprechend anzuzeigen. Anschließend sei es Sache der Gerichte, weiter darüber zu entscheiden.

(VOL.AT)

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