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"Doping-System ist Heuchelei"

Einen Tag nach den Vorwürfen von WADA-Chef Dick Pound gegen die NHL hat US-Skistar Bode Miller der aktuellen Dopingdiskussion zusätzlichen Schwung verliehen.

Der Doppelweltmeister von Bormio bezeichnet am Rande der Weltcuprennen in Lake Louise das bestehende Anti-Doping-Programm als heuchlerisch, krank und unmenschlich. Die Verantwortlichen – inklusive Pound – müssten angesichts dieses Systems wohl selbst auf Drogen sein, meinte Miller.

Miller hält das weltweite Anti-Doping-Programm der WADA für höchst hinterfragenswert und plädiert dafür, die Gesundheit der Sportler und nicht den Fairness-Aspekt zum Kriterium zu machen. Das Ganze sei heuchlerisch, weil viele seiner Meinung nach harmlose Asthma-Mittel verboten, eindeutig leistungsfördernde Mittel wie Kreatin aber aus kommerziellen Gründen erlaubt seien. Dann müsste man auch Zigaretten und Alkohol verbieten, denn diese würden Menschen töten, so Miller.

Unmenschlich sei das System, weil Sportler ständig für unangemeldete Dopingtests zur Verfügung stehen müssten und mit etwas Pech unschuldig zum Handkuss kommen könnten. Er habe so einen Test im Oktober verpasst und würde echte Probleme bekommen, sollte ihm das innerhalb einer Frist nochmals passieren, beklagte der Skistar. Dass er über die FIS-Lizenz den WADA-Code unterschrieben hatte, stört den eigenwilligen Skistar offensichtlich nicht.

Miller hatte sich zuvor schon für eine Anhebung der EPO-Grenzen stark gemacht. Und damit nicht nur die Skiwelt geteilt. Sein Ex-Kollege A. J. Kitt etwa versteht Miller („Auf den ersten Blick könnte man meinen, Bode ist ein Idiot. Aber ich weiß, worauf er hinaus will. Doping im Skisport existiert!“), Fachleute haben klarer Weise Bedenken. „Bei EPO sind die Grenzwerte ohnehin schon sehr weit gesteckt“, sieht auch Selma Frey, ÖSV-Teamärztin in Lake Louise, keinen Handlungsbedarf. Punkto Gesundheit würde das eindeutig kontraproduktiv sein.

Miller nahm sich bei seinem neuerlichen Rundumschlag kein Blatt vor den Mund. Der Ablauf des ganzen Anti-Doping-Programms sei schlicht krank, so der Weltcup-Titelverteidiger. Und die Sturheit der Verantwortlichen so demoralisierend, dass er sofort seine Karriere beenden würde, sollte ihm etwas in dieser Richtung passieren. Miller sprach dabei die Verwundbarkeit des Systems durch Sabotage an. Eine verseuchte Salbe etwa sei ganz leicht heimlich aufzubringen. Miller: „Bis du sie abgewischt hast, ist genug durch die Haut eingedrungen, um für zwei Jahre gesperrt zu sein.“

Zuletzt hatte Miller allen Skiteams, also auch den Österreichern, in einem Sportwoche-Interview die Einnahme – legaler – aber leistungsfördernder Mittel wie das Aufputschmittel Strattera unterstellt. Im ÖSV-Lager reagierte man auf die Vorwürfe cool. Herrenchef Toni Giger: „Kenn’ ich nicht. Was wir machen, das sind regelmäßige Bluttests und dann werden fehlende Stoffe substituiert. Wir haben aber nicht einmal einen Asthmatiker angemeldet.“

Selbst Millers US-Cheftrainer Phil McNichol schwächte ab. „Bode ist eben ein Theoretiker. Er will, dass alle die Masken und Karten fallen lassen und eine offenere Welt. Aber das ist eine Position, aus der du nicht gewinnen kannst.“

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