„Diese 'House of Cards'-Politik muss aufhören!”

Wann&Wo sprach mit Fabienne Lackner.
Wann&Wo sprach mit Fabienne Lackner. ©Frederick Sams
JUNOS-Landesvorsitzende Fabienne Lackner (24) über verlorenes Vertrauen in die Politik, Probleme im österreichischen System und eine neue Politikergeneration. 

WANN & WO: Die JUNOS verstehen sich als „Anwälte“ der jungen Generation. Wie kann man euren jungen Mandanten zu verstehen geben, weiterhin in die Politik zu vertrauen, bei allem, was sich in den vergangenen Wochen abgespielt hat?

Fabienne: Das ist wirklich schwierig. Ich kann verstehen, wenn sich viele Leute denken: Die sind eh alle gleich. Oder die arbeiten eh nur für die eigene Tasche. Das Vertrauen wieder herzustellen, wird ein längerer Prozess werden. Denn in jüngster Vergangenheit ist sehr viel kaputt gegangen. Justiz und Medien wurden angegriffen – dabei sollten beide frei und unabhängig arbeiten können. Da braucht es mehr Kontrolle und Transparenz. Wichtig wäre es meiner Ansicht nach auch, dass die Jungen selbst politisch werden und sich aktiv einbringen. Denn die Politik ist der Ort, an dem wir ausmachen, welche Regeln gelten.

WANN & WO: NEOS-Gründer Matthias Strolz kommentierte unlängst die Geschehnisse rund um Ex-Kanzler Sebastian Kurz und die Inseratenaffäre. Wie beurteilst du seine Aussagen?

Fabienne: Matthias ist nach wie vor sehr wichtig für die NEOS und ich schätze ihn sehr. Er ist ein politischer Kopf, trauert aber der Politik nicht nach. Und seine Nachfolgerin Beate Meinl-Reisinger führt die Partei erstklassig in die Zukunft. Matthias’ Kommentare fand ich sehr treffend. Er hat ja auch einen ganz anderen, nahen Blick auf die Vorgänge. Nicht zuletzt war er ja auch Rhetorik-Trainer von Sebastian Kurz. Und er hat vorhergesehen, dass das Kartenhaus früher oder später zusammenbrechen wird.

WANN & WO: Du entstammst einer neuen Politiker-Generation. Was macht deine Generation besser als die vorherige?

Fabienne: Ich glaube, junge Menschen haben einen anderen Zugang zur Politik, gehen offener an die Dinge heran, weniger ideologisch oder mit irgendwelchen Scheuklappen. Was ich selbst auch erlebt habe: Die Jungen sind schneller bereit, überparteilich zu arbeiten. Das gilt auch für mich: Wenn es inhaltliche Überschneidungen gibt, arbeitet man schneller mal zusammen. Warum auch nicht?

WANN & WO: Ist das nicht allgemein ein großes Problem in der österreichischen Politik? Dass es gleich mal pauschal heißt: Nein, mit euch nicht?

Fabienne: Ja, das ist durchaus ein Problem. Aber wenn ein Thema wichtig ist, dann ist es mir persönlich grundsätzlich egal, welche Partei es einbringt. Wenn SPÖ oder FPÖ sagen: „Der Himmel ist blau“, dann werde ich mich nicht hinstellen und sagen: „Nein, ist er nicht“. Ich halte es nicht für klug, etwas abzulehnen, nur weil es quasi von der „falschen“ Partei kommt.

WANN & WO: Wo ortest du weitere Probleme im österreichischen politischen System?

Fabienne: Viele Personen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, haben einfach den Blick darauf verloren, was Politik wirklich ist. Politik ist kein Spiel. Wir sollten diese „House of Cards“-Politik hinter uns lassen. Das System, wie wir es aktuell haben, ist nicht tragbar und muss sich ändern. Die Politik muss wieder an die Zukunft denken, nicht an den schnellen Applaus oder die nächste Wahl. Was ist in zehn, 20, 30 Jahren? Es braucht zukunftstaugliche Politik. Weg vom Macht­denken und wieder hin zu dem, wofür die handelnden Personen gewählt wurden.

WANN & WO: Würde dich ­Bundespolitik reizen?

Fabienne: Die Ebene lasse ich mir offen. Es war mir zudem schon immer wichtig, auch andere Dinge zu probieren, in der Privatwirtschaft zu arbeiten, etwas gelernt zu haben und mich nicht von der Politik abhängig zu machen. Ich bin aber sehr gerne politisch tätig, investiere sehr viel Zeit in mein Engagement. Auf Gemeinde­ebene bin ich ganz nah an den Menschen. Aber natürlich hat die Bundesebene ihren Reiz. Da werden die großen Entscheidungen getroffen. Im Ländle kann ich mich aber für Themen wie Wohnen stark machen. Das ist ja eine Katastrophe für junge Menschen. ,Schaffa, schaffa, Hüsle baua‘ entwickelt sich immer mehr zu ,Schaffa, schaffa, teure Wohnung mieten‘.

WANN & WO: Du hast eingangs gesagt, du würdest dir wünschen, dass mehr junge Menschen in die Politik einsteigen. Ein Weg dazu wäre der von den JUNOS vorgeschlagene Jugendlandtag. Gibt es dazu schon Neuigkeiten?

Fabienne: Wir befinden uns aktuell in Verhandlungen mit den anderen Parteien und es gibt durchaus positive Signale. Einzig die ÖVP ist noch etwas skeptisch. Aber auch in anderen Bundesländern gibt es bereits Jugendlandtage. Wichtig ist natürlich, dass es keine Beschäftigungstherapie für junge Menschen wird, sondern dass sie sich tatsächlich Gehör verschaffen können und ihre Ideen dann auch konkret im Landtag diskutiert werden. Wir sehen es klar als große Chance für Vorarlberg.

Kurz gefragt:

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Welche Netflix-Serie schaust du gerade?

Aktuell eigentlich keine. Aber wenn ich mir etwas anschaue, dann doch eher Serien als Filme. Was mir gut gefällt, ist The Blacklist oder auch The Crown. Aber die Serien sind beide schon etwas älter.

Was hörst du gerade bei Spotify?

Ich bin nicht sehr aktiv auf Spotify, höre nur ab und zu rein. Das Letzte, was ich gehört habe, war „Business“ von  DJ Tiesto.

Welche YouTube-Shows verfolgst du?

Ich bin eigentlich nicht wirklich auf YouTube unterwegs. Einen Tipp habe ich aber: „MrWissen2go“

Welchen Insta-Post hast du zuletzt geliked?

Ein Posting im Standard zur EU Code Week.

Was ist das letzte Foto auf deinem Handy?

Ein Selfie mit Beate Meinl-Reisinger.


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Zur Person: Fabienne Lackner

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Geboren am: 13. September 1997

Wohnort: Feldkirch

Funktion: Mitglied des Vorarlberger Landesteams, Landesvorsitzende JUNOS
In der Partei seit: 2016

Beruf: Personalberaterin bei R.N. Personalagentur in Nenzing

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„Ich bewundere ihren Mut, ihr Engagement, ihre Zielstrebigkeit – und ihren Humor“  

Sabine Scheffknecht, NEOS Vorarlberg Klubobfrau: „Fabienne war schon sehr früh politisch interessiert und hat Verantwortung bei den JUNOS aber auch im Landesteam der NEOS übernommen. Ich bewundere besonders ihren Mut, wenn sie sich für ihr Herzensanliegen einer generationengerechten Politik einsetzt, aber auch ihr hohes Engagement und ihre Zielstrebigkeit. Darüber hinaus schätze ich und alle, die sie kennen ihren sehr pointierten Humor, der gerade in politisch angespannten Zeiten wieder ein bisschen Lockerheit bringt.“

(Red.)

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