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Die verpasste Chance der COP 27: „Es geht um alles!“

Vorarlberger Klimaaktivisten beurteilen die COP 27.
Vorarlberger Klimaaktivisten beurteilen die COP 27. ©Symbolbild/Sams
Die UN-Klimakonferenz COP 27 ist beendet und die Ergebnisse sind – gelinde gesagt – spärlich ausgefallen. WANN & WO sprach mit Vorarlberger ­Klimaaktivistinnen über COP 27 und umstrittene Aktionsformen.

Zwei Wochen hat die von Getränkegigant Coca-Cola gesponserte
27. UN-Klimakonferenz COP 27 in Ägypten gedauert. Zwei Wochen, in denen politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger Zeit gehabt hätten, zukunftsweisende Schritte zu setzen. Doch erneut wurde eine große Chance verpasst.

"Extinction Rebellion Vorarlberg" zeigen sich enttäuscht über die "leeren Worthülsen" der COP 27: "Es folgen keine Handlungen." handout/Extinction Rebellion Vorarlberg ©handout/Extinction Rebellion Vorarlberg

„Diese Klima­konferenz hat wieder gezeigt: Die großen Versprechungen sind nichts mehr als leere Worthülsen. Es folgen keine Handlungen. Und nach jeder Klimakonferenz steigen die Emissionen weiter“, zeigt sich Marina Hagen-Canaval von Extinction Rebellion Vorarlberg enttäuscht. Die Erwartungen der Aktivistin an COP 27 seien ohnehin „äußerst gering“ gewesen, vom Ausgang der Konferenz sei sie aber geradezu „entsetzt“: „Die Teilnehmenden konnten sich nicht einmal auf die allernotwendigsten Maßnahmen zum Schutz der Lebensgrundlage aller Menschen einigen.“

„Ergebnisse nicht akzeptabel“

In der hart erkämpften Abschluss­erklärung einigten sich die rund 200 teilnehmenden Länder auf einen schrittweisen Ausstieg aus Kohle. Eine Abkehr von Öl und Gas findet sich darin allerdings nicht. Ärmeren Ländern soll mehr Geld für die Folgen des Klimawandels zukommen, die Staaten wurden zudem aufgefordert, ihre Klimaschutzziele bis zur nächsten Konferenz im Jahr 2023, abgehalten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nachzujustieren.

Vorarlberger Klimaaktivsten sind sich bezüglich der COP 27 einig:
Vorarlberger Klimaaktivsten sind sich bezüglich der COP 27 einig: "Diese Ergebnisse sind nicht akzeptabel." Handout/ Extinction Rebellion ©Handout/ Extinction Rebellion

„Diese Ergebnisse sind nicht akzeptabel“, stellt die Klimaaktivistin klar: „Die Weltgemeinschaft weiß das genauso, wie es unsere PolitikerInnen in Österreich wissen. Wir erwarten, dass nun in Österreich und Vorarlberg zumindest die allereinfachsten Sofortmaßnahmen umgesetzt werden: Tempo 100 auf der Autobahn, keine neuen Öl- und Gas-Bohrungen, ein Frackingverbot und ein ,Essen-Retten-Gesetz‘.“

„Sind auf katastrophalem Kurs“

Die junge Frau ist auch Mitglied der Gruppierung „Letzte Generation“, die zuletzt mit Aktionen wie dem Festkleben an Straßen oder dem Beschmieren von Gemälden in Museen für Schlagzeilen – und Ärger – sorgte. Doch Hagen-Canaval hat eine klare Meinung zu dem Thema: „Diskussionen über die Aktionsformen von KlimaschutzaktivistInnen sind nicht zielführend. Hier werden sprichwörtlich die Überbringer der schlechten Botschaft geköpft. Bei Fridays for Future war es das Gleiche: Monatelang wurde darüber diskutiert, ob es okay ist, dass Schüler­Innen streiken bzw. sich überhaupt zum Thema Klimaschutz äußern dürfen.“

Die Aktivisten wollen nicht länger zusehen und kommen ins Tun. Zu weit gehen sie ihrer Meinung nach damit nicht.
Die Aktivisten wollen nicht länger zusehen und kommen ins Tun. Zu weit gehen sie ihrer Meinung nach damit nicht. handout/Extinction Rebellion ©handout/Extinction Rebellion

Es brauche ein sofortiges Ende dieser „Stellvertreterdebatte“, denn man komme in der Sache nicht weiter, wenn darüber diskutiert werde, „ob es okay ist, etwas Fake-Öl auf eine Glasscheibe zu schütten. Wir müssen darüber sprechen, was es bedeutet, in einer drei Grad heißeren Welt zu leben. Das ist nämlich unser aktueller Kurs. Wir werden extreme Hitzewellen, Überflutungen, Trinkwassermangel und Nahrungsmittelknappheiten erleben.“

Abschließend nimmt die Götznerin auch die Medien in die Pflicht: „Warum berichtet ihr über spektakuläre Protestaktionen und deren Pro und Contra, aber nur so wenig über die katastrophalen Fakten, die seit 30 Jahren von Forscher­Innen konstant publiziert werden? Warum ist die Klimakrise nicht konstant auf den Titelseiten? Ich weiß, das Thema ist ein ,Downer‘, aber es geht um alles!“

3 Fragen an Sophia Hagleitner, Fridays For Future Vorarlberg

COP 27: Die Vorarlberger Klimaschützerin Sophia Hagleitner (
COP 27: Die Vorarlberger Klimaschützerin Sophia Hagleitner ("Fridays For Future Vorarlberg") bezieht Stellung. handout/privat ©handout/privat

Welche Erwartungen hattet ihr an die UN-Klimakonferenz und was sagst du zu den Ergebnissen von COP 27?

"Die Erwartungen waren nicht sehr hoch. Bei COP 27 waren mehr VertreterInnen der Fossilindustrie anwesend als Menschen aus den zehn am stärksten von der Klimakrise betroffenen Staaten gemeinsam. Das Ergebnis ist ein erschreckender Tiefpunkt radikaler Klimaignoranz seitens der Politik. Es zeigt das Versagen politischer Verhandlungen. Auch Österreich hat keinen Grund, stolz zu sein – wir können uns aus der Thematik nicht einfach nur freikaufen."

Raus aus ­Kohle – Gas und Öl ­bleiben. Deine ­Meinung dazu?

Es ist beschämend, dass es die mächtigsten Menschen der Welt nicht schaffen, auf einer zweiwöchigen Konferenz den weltweiten Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern zu beschließen. Wir jungen Menschen wurden erneut um unsere Zukunft betrogen. Und alleine in Ägypten suchen 55 Firmen nach neuen Öl- und Gasfeldern. Das darf nicht toleriert werden.

Klimaaktivisten sorgen aktuell mit Aktionen wie dem Beschmutzen von Gemälden für Schlagzeilen. Wie siehst du das?

Fridays for Future stehen für eine friedliche Art des Klimaaktivismus. Wir setzen auf andere Aktionsformen als etwa die „Letzte Generation“. Wir teilen aber die Angst vor den Folgen der Klimakrise. Was uns hier am meisten beschäftigt, ist: Warum bewegt die Leute eine beschmutzte Glasscheibe vor einem Gemälde mehr, als die Menschen, die schon jetzt aufgrund der Klimakrise sterben müssen?

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(WANN & WO)

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