Die Seele des Hauses erhalten

Hohenems - Die Hohenemser Standesbeamtin Nadja Bald und ihre Tochter Chiara bewohnen nach einfühlsamer Renovierung durch Architektin Vera Purtscher das aus dem Jahr 1951 stammende Haus einer Großtante.
Zu Besuch bei Nadja und Chiara Bald
Grundriss des Erdgeschosses

Als durch eine kinderlos verstorbene Großtante die Hohenemserin Nadja Bald zur Hausbesitzerin eines Gebäudes (Baujahr 1951) wurde, stand sie vor einer Herausforderung: Es galt den Umbau zum gedanklich nur vage vorhandenen Traumhaus zu bewältigen. Die davor eher zufällige stattgefundene Begegnung mit Architektin Vera Purtscher erwies sich als Glücksfall. Gemeinsam wurde in einer intensiven Planungsphase das Haus einfühlsam und mit „Seele“ renoviert. Die Hausherrin wünschte sich einerseits den Erhalt der Kubatur, außerdem sollte es hell, leicht zu reinigen und gemütlich sein und den Charakter bewahren.

Freundlich wirkt es schon von Weitem, das renovierte Schmuckstück, das mit den hellen, geölten Lärchenholzfenstern und der roten Dachuntersicht Sympathien weckt und wahrhaft seine Seele behalten hat. Die charmanten Rundfenster wurden ebenso wie die neuen Sprossenfenster in geölter Lärche zu neuem Glanz und Ehren gebracht. Während Mama Nadja gern zur Gitarre greift, spielt Chiara, die auch berufl ich „etwas Kreatives“ avisiert, Geige und Klavier. Viel Besuch, diverse Hobbys und der Wunsch nach Helligkeit, Individualität und Gemütlichkeit bestimmten somit die Nutzung des Hauses. Die Raumaufteilung blieb weitestgehend erhalten, ein Durchbruch zwischen Küche und Wohnzimmer sowie zur Terrasse wurde für erhöhten Komfort und mehr Helligkeit vorgenommen.

Lediglich eine Doppelgarage wurde dazugebaut, da die alte Garage zu schmal war und nun der Haustechnik dient. Die Tischlerküche mit der in warmem Braunton gehaltenen Steinplatte als Arbeitsfl äche realisierte Arno Dür. Zum „antiken“ Tisch und den alten Stühlen passend wurde eine leichte Holzeckbank von Tischler Mohr im Bregenzerwald gefertigt. Das einzig wirklich neue Möbelstück im Haus ist der Massivholz-Esstisch von Kokon. Ansonsten wurde Omas Lesesessel vom Polsterer ebenso neu überzogen wie das romantische Sofa, geerbte Kommoden liebevoll restauriert und beim Altwarenhändler verschiedene Esszimmerstühle sowie Lampen besorgt.

Eine ehemalige Küche im Obergeschoss fungiert nun als geräumiges Bad, ausgelegt mit mediterranen Terrakotta-Fliesen. Die großzügige Dusche und die moderne ovale Badewanne sowie netter Nippes aus Omas Zeiten erzielen Funktionalität mit Design und individuellem Flair. Der mit dunklem Steinzeug verlegte Gang sowie die Stiege sind leicht zu reinigen, die Böden der Wohnräume wurden mit Akazienholz gestaltet. Hier machen es sich auch Katze Emily und Kater Basti gerne gemütlich. Draußen bieten sich neben der Terrasse weitere Sitzgelegenheiten: sowohl in der Pergola wie in einer romantischer Gartennische. Nadja Bald, die in der Stadt Hohenems als Standesbeamtin tätig ist, hat den Hafen der Ehe selbst bislang nicht angelaufen, dafür war sie umso unabhängiger in Bezug auf die Sanierung ihres Hauses. „Wir Damen haben die bauausführenden Herren sicher manchmal irritiert“, schmunzelt die Bauherrin, „aber herausgekommen ist genau das, was wir uns erwünscht hatten!“

Daten & Fakten

Einfamilienhausrenovierung in Hohenems
Nadja (47) und Chiara Bald (16)

Grundfläche: 729,0 m2

Wohnnutzfläche: 126,7 m2

Architektur: Architektin DI Vera Purtscher, Hohenems

Planungszeit: von Herbst 2007 bis Jänner 2008

Umbau: Feb. 2008 bis Okt. 2008

Energie: Gasheizung und Schwedenofen als Zusatzheizung

Konstruktion: Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1951, die Substanz war noch gut erhalten. Während des Umbaus wurde durch Herausreißen der alten Fenster, Türen, Böden etc. praktisch ein Rohbau daraus gemacht und unter Erhaltung der Besonderheiten wie z. B. der kleinen Rundholzfenster das Haus mit hochwertigen Materialien saniert. Nur eine Garage wurde zugebaut. Architektin Purtscher: „Ich versuche mit der vorhandenen Bausubstanz achtsam umzugehen und den Bauherren und -frauen gut zuzuhören. Manches Alte hat eine ,Seele‘ entwickelt, zu der ein Bewohner affektive Beziehungen aufgebaut hat. ,Holzhacker-Methoden‘ sind mir fremd. Wenn wir Architekten uns sehr auf unsere Klienten ,einlassen‘, dann werden sie bisweilen zu ,Freunden‘.“

(Leben & Wohnen/ AFP)

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