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Die reine Liebe, die nicht sein darf

Bregenz - "Romeo und Julian": Das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur ist beim Vorarlberger Landestheater ein ganz besonderes.
Programmheft: Romeo und Julia(n)
Romeo und Julia(n): Fotoprobe

Herr Britschgi, Sie spielen nicht den Romeo, sondern die Julia in einem der bekanntesten Theaterstücke überhaupt. War es schwer, in diese Rolle hineinzufinden?

Britschgi: Zu Beginn war das für mich ein großes Fragezeichen. Ich dachte, dass es schwierig sein könnte, das Paar mit zwei Männern zu besetzen. Mit der Zeit, bei den Proben, hat sich das aber gut ausgeglichen. Es war eine riesige Herausforderung, das zuzulassen. Es sind Männer, die sich kennenlernen und die große Liebe in dem anderen finden, wobei das Geschlecht keine Rolle spielt. Das war zu Anfang schwer zu bewerkstelligen, weil es naheliegend ist, dass man einen Scherz macht oder es nicht zulässt.

Intendant Alexander Kubelka hat einmal in einem Gespräch mit mir seine Entscheidung damit begründet, dass zur Zeit Shakespeares die Rolle auch von einem Mann – allerdings in Frauenkleidern – gespielt wurde, und dass es andererseits, ohne die sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau, möglich wäre, die reine Liebe in den Vordergrund zu stellen. Können Sie dieser Intention folgen?

Britschgi: Ich sehe das auch so. Die beiden fühlen sich nicht auf sexueller Ebene zueinander hingezogen. Es handelt sich auch um junge Menschen, die von ihren Familien im Stich gelassen werden und die ihren Weg suchen müssen. Sie werden falsch verstanden und finden ihren Seelenpartner. Man wird sehen, wie sie sich küssen, aber das spielt keine Rolle. Sie müssen einander nichts erklären, einander nichts beweisen.

Nicht nur in der Zeit, in der das Stück ursprünglich spielt, ergibt sich aus der Liebe zwischen zwei Männern ein weiteres Konfliktpotenzial. Wird dieses spürbar?

Britschgi: Romeo kommt als Frau verkleidet auf das Fest. Julian glaubt, einer Frau zu begegnen. Es kommt zum Gespräch, sie verlieben sich und nehmen einander dann so an wie sie sind. Es wäre allerdings ein Fehler, wenn wir sagen würden, das sind jetzt zwei Männer und das ist kein Thema mehr. Die beiden Männer sind bei uns etwa 18 Jahre alt. Da stellt sich uns die Frage, wie schwierig es auch heute noch sein muss, einem gleichgeschlechtlichen Menschen zu sagen ich liebe dich.

Sie haben ein Angebot für diese Rolle bekommen. Haben Sie gleich zusagen können?

Britschgi: Als Regisseurin Nina Gabriel nach Zürich kam und mir die Rolle eines Julian anbot, habe ich zuerst nachdenken müssen, in welchem Stück es wohl eine solche Figur gibt. Schlussendlich denke ich, dass das eine riesige Chance für mich ist. Ich bin 24 Jahre alt und habe noch nicht die Erfahrung, die andere Schauspieler im Ensemble haben.

Wie erklären Sie sich die Faszination, die das Stück, das vor über 400 Jahren geschrieben wurde, immer noch ausübt?

Britschgi: Weil diese Liebe eigentlich perfekt ist, weil sie ins Unermessliche geht. Da findet ein junger Mensch einen anderen und weiß, du tust mir gut, ich bin da, wo du bist, nichts wird mehr hinterfragt. Es ist naiv, aber ist auch faszinierend zuzusehen, wie sie ihren spontanen Lebenswillen ausleben, einander lieben und nichts hinterfragen, auch nicht deren Fehler, keine Forderungen an den anderen stellen. Die Sprache von Shakespeare ist zudem ein großes Geschenk.

Nehmen Sie auch etwas für sich mit?

Britschgi: Es ist spannend, wie offenherzig die beiden zueinander sind. Da ist eine große Akzeptanz im Spiel, die wir mehr zutage treten lassen könnten.

Welche Rolle wird ihre nächste sein?

Britschgi: Ein Regisseur-Abgänger an der Zürcher Hochschule hat mich für ein Godard-Projekt nach Heidelberg engagiert.

Haben Sie das Studium in Zürich schon beendet?

Britschgi: Ich habe den Bachelor und möchte noch den Master machen.

Was hat Sie dazu bewogen, Schauspieler zu werden?

Britschgi: Ich hatte an der Pädagogischen Hochschule Theater als Freifach belegt. Da stellte sich für mich die Frage, will ich Lehrer sein oder will ich auf die Bühne. Ich wusste, dass der Beruf ein hartes Los sein wird und Hollywood nicht vorbeischaut und habe dennoch die Aufnahmeprüfung für das Schauspiel gemacht.

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