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"Die Regierung hat zu spät reagiert"

Christian mit Atemmaske: „Auch, wenn es von Seiten der WHO keine Empfehlung für Atemmasken gibt, gibt es einem trotzdem ein subjektives Sicherheitsgefühl“.
Christian mit Atemmaske: „Auch, wenn es von Seiten der WHO keine Empfehlung für Atemmasken gibt, gibt es einem trotzdem ein subjektives Sicherheitsgefühl“. ©privat
Seit letztem Sommer lebt und arbeitet der Vorarlberger Christian Hämmerle in Hongkong. Gegenüber WANN & WO erzählt er von seinen Eindrücken seit dem Ausbruch des Corona-Virus in der Metropole.

Wann&Wo-Story

Hongkong ist nicht das erste Mal von einer Epidemie betroffen. Die Sonderverwaltungszone hatte bereits 2003 mit dem gefährlichen Virus SARS zu kämpfen, an welchem knapp 300 Menschen starben – dies ist noch allzu präsent. Hinzu kommen noch Fehlinformationen sowie Panikkäufe. „Leider kommt es wegen falscher Informationen und Gerüchten zu panischen Käufen von Lebensmitteln, Masken und Hygieneartikeln. Klopapier ist beispielsweise seit gut zwei Wochen in beinahe allen Supermärkten komplett ausverkauft“, erzählt Christian Hämmerle.

Der Alltag der Menschen

Das Treiben in der Stadt hat seit dem Ausbruch des Corona-Virus nachgelassen. Offiziell gibt es keine Quarantäne, doch die Menschen sind verunsichert. „Ich gehe nach wie vor zur Arbeit, verzichte aber auf Aktivitäten, wo ich viele Menschen antreffe. Die Natur stellt in den vergleichsweise relativ warmen Wintermonaten eine gute Alternative zum Stadtleben dar, so versuche ich meine Wochenenden im Grünen zu verbringen“, so der Architekt.

Maßnahmen der Regierung

Von Seiten der Regierung wurde wenig unternommen, um Falschinformationen früh zu entkräften bzw. die Bevölkerung entsprechend zu informieren. „Die Regierung hat aus meiner Sicht erst spät und dann auch zögerlich reagiert, die Grenze zu China wurde zu spät geschlossen. Wie sich die Lage hier vor Ort jedoch weiterentwickelt, ist in Anbetracht der angeblich langen Inkubationszeit bzw. symptomfreien Zeit schwer abschätzbar“, berichtet der 33-Jährige.

Blick nach China

Es sei schwer einzuordnen, wie transparent der große Nachbar China mit der Herausgabe von Informationen wirklich umgeht, so Hämmerle weiter. „Klar ist, dass der Ausbruch des Virus die Region Hubei wirklich kalt erwischt hat – auf dieses Ausmaß war niemand vorbereitet. Dadurch ist für mich auch zu erklären, dass Informationen erst verzögert an die Öffentlichkeit kommen beziehungsweise die Zahlen von Erkrankten teils unstimmig sind.“ In der Region seien die Prioritäten derzeit andere. Das ist nachvollziehbar. Hämmerle habe aber das Gefühl, dass in China viel unternommen werde, um die Verbreitung des Virus zumindest zu verlangsamen und einzudämmen. „Im Endeffekt war fast ganz China über die Feiertage des chinesischen neuen Jahres in Quarantäne, erst langsam beginnt der Alltag wieder Form anzunehmen.“

Bleiben oder Rückkehr?

Auf die Frage, ob sich der junge Architekt Gedanken über eine verfrühte Abreise macht, antwortet der gebürtige Feldkircher gelassen: „Ich verfolge die Entwicklungen sehr genau. Sollte sich die Anzahl der Infizierten wirklich rapide ändern, werde ich die Stadt früher verlassen. Ansonsten werde ich wie geplant bis Ende April bleiben und ganz vorarlbergerisch ‚viel usse ind Natur go‘.“

Coronavirus – China meldete hunderte neue Fälle

Die Zahl der Infizierungen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 ist in China um 508 gestiegen. 71 ­weitere Menschen kamen infolge der durch das Virus ausgelösten Lungenerkrankung Covid-19 ums Leben, wie die ­chinesischen Behörden gestern mitteilten. Damit erhöht sich die Zahl der Infizierten in Festlandchina auf 77.658 und die Zahl der Toten bereits auf 2663. 68 der jüngsten Todesfälle wurden in der zentralchinesischen Stadt Wuhan registriert, wo die Epidemie im vergangenen Dezember ihren Ausbruch nahm.

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