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Die Lebensretter von morgen

Im Bildungscenter erhalten hunderte Interessierte jährlich eine Grundausbildung.
Im Bildungscenter erhalten hunderte Interessierte jährlich eine Grundausbildung. ©Emir T. Uysal
In der Gisinger Runa befindet sich der Angelpunkt für sämtliche Rot-Kreuz-Grundausbildung im Land.
Bildungs-Center Rotes Kreuz Vorarlberg (2020)

GISINGEN Jedes Jahr entscheiden sich rund 40 Prozent der jungen Männer für den Zivildienst. Die Grundausbildung dafür findet für alle sieben Vorarlberger Rot-Kreuz-Abteilungen in Feldkirch statt. Genauer noch – im Gisinger Industriegebiet Runa. 2002 wurde dort ein neues Bildungs-Center mit vielen architektonischen Feinheiten geschaffen.

Der Fokus liegt heute weiterhin auf die Mitarbeiter, Zivildiener und jene die aus privatem Interesse eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolvieren wollen. Allein im vergangenen Jahr fanden 60 dieser Lehrgänge mit rund 800 Teilnehmer statt. „Viele wissen nicht, was wir für eine große Bildungseinrichtung im Land sind“, hält Andreas Enne, Leitung des Bildungs-Centers fest. Das Bildungs-Center gibt hier die Möglichkeit die Kurse in den ihren Abteilungen oder Firmen abzuhalten. 2019 wurden ebenfalls 13 Rettungssanitäter-Kurse für 314 Zivildiener und freiwillige Mitarbeiter abgehalten. Vertieft wurde das mit einem Notfallsanitäter- (26 Teilnehmer) und Notkompetenzausbildung (19 Teilnehmer).

 

Ausbildung A-Z

„Man kennt uns als Rettung – quasi auf der Straße – aber weniger als ‚Schule‘“, so Enne. Die Grundausbildung dauert zwei Monate und beinhaltet rund fünf Wochen Theorie und drei Wochen Praxistraining. „Die Erste-Hilfe-Ausbildung bei uns ist umfangreicher als die herkömmlichen Kurse“, führt Enne aus. Sie lernen Patienten zu beurteilen, medizinische Produkte wie Trage oder Stethoskop kennen. Anschließend folgen Rettungseinsätze und Krankentransporte. Auch die Teilnehmer vom freiwilligen Sozialjahr (meistens Frauen) machen dieselbe Grundausbildung durch.

 

Kompetenzen vertiefen

Aufgeteilt sind die Kurse mit der theoretischen Ausbildung vormittags und Gerätetraining in kleinen Gruppen (Zirkeltraining) am Nachmittag. Mit der kommissionellen Prüfung anhand eines Fallbeispiels erhalten die frisch zertifizierten Sanitäter eine offizielle Berechtigung.

Als Rettungssanitäter geht die Reise weiter zur Notfallsanitäter-Ausbildung. Diese umfasst 160 Stunden Theorie, 280 Stunden Notfallpraxis und weitere 40 Stunden im Krankenhaus. Interessierte können dann weitere Kompetenzen aufbauen mit Zusatzausbildungen: Infusionen, Wiederbelebung und Berechtigung gewisse Medikamente zu verabreichen.

Auch andere Rettungsorganisationen nehmen die Möglichkeit in Gisingen wahr, wie etwa der Samariterbund, Polizei oder die Bergrettung. Sie vertiefen dafür ihre Kompetenzen und setzen Erlerntes direkt in der Praxis um. Höhepunkte sind die Simulationstrainings (32 Kurs mit 240 Teilnehmer) oder Refreshertrainings.

 

Digitale Möglichkeiten

244 Personen sind aktuell bei der Landesstelle beschäftigt – 25 davon bei der Hotline 1450. Die gerade beim Corona-Höhepunkt auf rund 2000 Anrufe pro Tag hochgelaufen ist. Zeitgleich mussten rund 300 Kurse abgesagt werden. „Das eröffnete uns jedoch neue Möglichkeiten zum Thema Digitalisierung“, meint der Leiter des Bildungs-Centers. Die Mitarbeiter mussten rasch reagieren und neue digitale Ansätze verfolgen. Dafür boten sich Webinare ideal an. „Referenten aus anderen Teilen Österreichs konnten ihr Fachwissen in den Unterricht einbinden“, führt Enne weiter aus. Ohne Praxis war es am Ende doch nicht möglich. So teilten das Bildungs-Center Kleingruppen zu vier Personen ein. „Ein Restrisiko trotz allen Schutzmaßnahmen war dennoch da“, erklärt er.

 

Blick in die Zukunft

Enne freut sich über den großen Andrang der jungen Erwachsenen. Das Problem sei eher die Verweildauer der ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Sie bauen über Jahre jede Menge Praxiserfahrung auf, die man mit theoretischem Wissen gar nicht wiegen kann.“

„Wir haben schon länger den Wunsch, die Erste-Hilfe fest in den Schulunterricht zu verankern“, meint Enne. „Fortlaufend sollten die Kinder schon im Volksschulalter zwei Stunden im Jahr mit Erste-Hilfe in Kontakt treten.“ ETU

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