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Die Kraft des Fußballs für soziale Projekte nutzen

©AFP
Durch "Common Goal" sollen die enormen Gehälter im Profifußball genutzt werden, um soziale Projekte weltweit zu finanzieren. Die von Juan Mata mitbegründete Initiative bekam zuletzt einigen Zulauf.

Seit dem Jahr 2000 beschäftigt sich die “Stiftung Jugendfußball” mit sozialem Engagement. Ihr 2002 begründetes Projekt “streetfootballworld” setzt sich nun seit über 15 Jahren das Ziel, die Welt durch Fußball zu verändern und vernetzt dabei 125 selbstständige Organisationen.

Der Gründer Jürgen Griesbeck startete im August 2017 schließlich eine Initiative, die dem Vorhaben nun zum Durchbruch verhelfen soll. Der Name ist passend gewählt: “Common Goal” – ein gemeinsamen Ziel, an dem jeder im Profifußball mitwirken kann.


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Gott des Geldes

In grauer Vorzeit hatte der Fußball noch den Status einer sozialen Triebfeder. Doch mit der zunehmenden Professionalisierung in den letzten Jahrzehnten ist die Nähe zur Gesellschaft, zu einer unüberwindbaren Distanz verkommen. So scheidet sich die Fußballwelt mehr denn je in Amateur- und Profisport. Gemeinsam haben sie fast nur noch die Anzahl der Spieler auf dem Feld.

Aus sportlicher Sicht hat sich der Profifußball aufgrund der wachsenden Geldflüsse verbessert, doch die Entwicklung stößt immer mehr auf Unverständnis. So ist für viele Betrachter kaum nachvollziehbar, mit welchen Summen bei Transfers und Gehältern jongliert wird. Der Vorwurf: Der Fußball würde seine Seele verkaufen und zum reinen Produkt verkommen.

Auch innerhalb der Branche gab es Stimmen, die eine solche Fehlentwicklung kritisierten. Anlässlich des Neymar-Wechsels zu Paris St. Germain warnte etwa Christian Streich vor den “irrealen” Summen im Profigeschäft. Der Trainer des SC Freiburg zeigte sich besorgt, dass der “Gott des Geldes” alles verschlingen würde und zunehmend der Mammon von uns Besitz ergreift. Eine Einschätzung, die bereits am Tag nach dem Neymar-Transfer quittiert wurde, indem Juan Mata sein Engagement für “Common Goal” bekanntgab.

“Common Goal”

Für die Initiative “Common Goal” könnten gerade diese irrealen Summen ein “Segen” sein. Sie will Akteure im Profifußball dazu bewegen, mindestens ein Prozent ihres Gehalts zu spenden. Auf diese Weise könnte der Fußball seine soziale Komponente zurückgewinnen und das gesellschaftliche Verständnis bezüglich der Gehälter verändern.

Die Zuwächse der Gehaltszahlung lassen sich, mit Hilfe der jährlichen Deloitte-Studie “Annual Review of Football Finance 2018”, inzwischen gut nachvollziehen. So werden in den fünf größten Ligen Europas, also der englischen, spanischen, deutschen, französischen und italienischen Liga, insgesamt rund 8,5 Milliarden Euro an Gehältern ausbezahlt.

Würde wirklich jeder Akteur in diesen fünf Ligen nur ein Prozent spenden, stünden somit 85 Millionen für soziale Zwecke bereit. Zwar dürfte dies in naheliegender Zukunft nicht realisierbar sein, doch das Gedankenexperiment zeigt auf, welches Potenzial in der Initiative steckt.

Griesbeck ging in einem Interview mit SPOX sogar noch weiter, als er von einer Zukunft träumte in der nicht nur ein Prozent der Gehälter, sondern auch ein Prozent von Transfererlösen und Sponsoreneinnahmen, dem sozialen Zweck zugeführt werden.

Spender-Mannschaft wächst

Ursprünglich war der Plan von Griesbeck, erst dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sich aus den Unterstützern eine komplette Fußballmannschaft bilden ließe. Im August 2017 hatte man jedoch deutlich weniger Spieler für die Idee begeistern können als geplant, nämlich exakt einen – Juan Mata von Manchester United. Als Mitbegründer und Gallionsfigur von “Common Goal” lag es fortan an ihm, neue Unterstützer zu gewinnen und das Projekt bis dahin alleine zu vermarkten.

Inzwischen haben sich über 50 Spieler gefunden, die als Mitglieder der Initiative fungieren. Trotz berühmter Namen wie Mats Hummels, Giorgio Chiellini, Kaspar Schmeichel oder Shinji Kagawa sind es vor allem “unbekanntere” Unterstützer.

Die “großen” der Branche sucht man in der Mitgliederliste leider vergeblich, während etwa Dennis Aogo vom VfB Stuttgart sich bereit erklärte, gleich zwei Prozent seines Gehalts zu spenden. Dabei würden gerade die Gehälter der Superstars den größten Unterschied ausmachen.

Neben den teilnehmenden Spielern findet sich mit Julian Nagelsmann auch ein bekannter Trainer und mit Aleksander Čeferin sogar der UEFA-Präsident in der Unterstützerliste wieder. Letzterer verkündete, dass er an die Kraft Fußballs glaube, die Welt positiv verändern zu können. Eine Ansicht die er mit Mitbegründer Juan Mata teilt und die Hoffnung für die Zukunft gibt. Inzwischen sind auch Firmen und Vereine auf die Initiative aufmerksam geworden und selbst normale Fußballfans können sich mit Spenden beteiligen.

Ein prominentes Beispiel für eine teilnehmende Firma wäre etwa die Banco Santander. Sie ist Sponsor der UEFA Champions League und wird für die nächsten drei Jahre mit “Common Goal” zusammenarbeiten. Besonders lobenswert erscheint allerdings das Engagement des FC Nordsjælland. Der dänische Verein ist allgemein für seine soziale Ader bekannt und führt nicht nur ein Prozent aller Mitarbeiter- und Spielergehälter, sondern auch ein Prozent des Einkommens von jedem Heimspiel ab.

Seit dem Erscheinen von “FIFA 19” ist nun ebenfalls ein virtueller Fußballstar zum Teil des Projekts geworden. So hat der Spiele-Entwickler “EA Sports”, den Protagonisten im Story-Modus des Videospiels (Alex Hunter), zu einem Unterstützer der Initiative gemacht. Damit einher geht eine Spende des Entwicklerstudios über umgerechnet 175.000 Euro.

Zweifelsohne besser als Nichts und eine gute Idee, um “Common Goal” bekannter zu machen. Allerdings fragt man sich, wann und ob “EA Sports” den Grundgedanken umsetzen wird und somit ein Prozent ihres Gewinns an der FIFA-Reihe spendet. Denn allein durch Mikrotransaktionen im Ultimate-Team-Modus setzt EA Sports, nach eigenen Angaben vom März 2017, rund 700 Millionen Euro um.

Ablasshandel der Fußballindustrie

Wer die Spendengelder am Ende erhält, wird von Spender und Organisation gemeinsam entschieden. Der Spender gibt zunächst seine geographischen und sozialen Präferenzen an und “Common Goal” stellt ihm daraufhin zwei oder drei Projekte vor.

Es bleibt dem Spender am Ende selbst überlassen, inwieweit er in die Begebenheiten vor Ort eingebunden wird. Von den gespendeten Beträgen fließen dann 90 Prozent in die sozialen Projekte selbst. Zehn Prozent werden benötigt, um laufende Kosten zu decken und die Initiative voranzubringen.


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Obwohl die Grundidee durchaus für einen positiven Wandel im Fußballgeschäft stehen könnte, gibt es auch kritische Gegenstimmen. So wurde etwa im “Spiegel” geschrieben, das Modell sei ein “moralischer Ablasshandel für die Fußball-Industrie” und verdecke Ungleichheiten, anstatt sie in Frage zu stellen. Ebenso seien Steuern das bessere Instrument, um soziale Projekte zu fördern, auch wenn die Spenden der Teilnehmer lobsenswert und das Engagement äußerst gewissenhaft ist.

Doch sollte der langjährige Kommerzialisierungsprozess im Fußball unumkehrbar sein, sodass sich die Schere der Gehälter nicht mehr schließt und die “Steuergerechtigkeit” nicht herbeigeführt werden, wäre ein Prozent dann nicht erstrebenswerter als Nichts und die Art der Geldbeschaffung zweitrangig?

Mit den Vorwürfen konfrontiert, antwortete Griesbeck im SPOX-Interview in ähnlicher Weise. Ob man es Ablasshandel statt Überzeugung nennt, ist für ihn nicht weiter bedeutsam, solange ein strukturell verankerter Beitrag mit sozialer Wirkung erzielt wird.

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