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„Die Dankbarkeit und den Glauben nie verlieren“

Die gebürtige Kroatin hat eine Vorliebe fürs Schreiben und hat dabei eine meditative Erfahrung gemacht.
Die gebürtige Kroatin hat eine Vorliebe fürs Schreiben und hat dabei eine meditative Erfahrung gemacht. ©Edith Hämmerle
Menschen aus der Heimat: Dragica Kostelac erzählt von ihrer zweiten Heimat, den Höhen und Tiefen ihres Lebens.
Dragica Kostelac

Dornbirn. Als unlängst die Psalmen für das „Buch der Psalmen“ in Dornbirn vergeben wurden, machte eine Frau auf sich aufmerksam: Dragica Kostelac, eine begeisterte Schreiberin, die acht Psalmen schrieb. Das war für die VN-Heimat ein Grund, die 70-jährige Dame mit der schönen Handschrift zu besuchen. Nicht nur das, auch was die gebürtige Kroatin dazu bewog, Dornbirn zu ihrer zweiten Heimat zu machen.
Sie war sehr jung, als sie auf der Suche nach Arbeit mit weiteren 26 Mädchen aus Kroatien nach Dornbirn kam. Über das Arbeitsamt war alles organisiert. Es gab für alle einen Arbeitsplatz bei FM Rhomberg in der damaligen Textilfabrik in Dornbirn-Schwefel. „Auch die Unterkunft bei einer Dornbirner Familie war für mich vorbereitet“, erzählt sie von den Tagen ihrer Ankunft. „Dort wurde ich herzlich aufgenommen und ich fühlte mich auf Anhieb wohl. Nur das Heimweh“, beim Erzählen stockt ihre Stimme und ihre Augen werden feucht, bevor sie sagt: „Es war sehr schlimm.“ Sie war die einzige aus ihrer Familie, die gegangen ist. Deshalb war es für die damals 18-Jährige kaum vorstellbar, lange hier zu bleiben. Trotzdem sei sie ihren Eltern dankbar für die Ausbildung als Weberin. Sie konnte die Textilschule in Kroatien besuchen. Ebenso dankbar war sie für einen sicheren Arbeitsplatz. An eben diesem Arbeitsplatz lernte die junge Kroatin bald den Mann fürs Leben kennen. „Johann und ich heirateten zwei Jahre später“, erzählt sie mit Freude. Und als sie dann ein Jahr später Robert, ihren Erstgeborenen, im Arm hielt, fühlte sie sich reich beschenkt. Über so viel Glück war auch das Heimweh verflogen. Nach Robert kamen noch zwei Buben, „die uns zu einer richtigen Familie machten“, erzählt die Dreifach-Mama weiter aus glücklichen Tagen. Nur der Wunsch nach einem Mädchen blieb unterfüllt, merkt sie hinterher noch an.

Schicksalsschlag

Doch dieses Glück sollte der Familie nicht lange gegönnt sein. Es wurde bald von einem Schicksalsschlag überschattet. Ihr Mann bekam eine schwere Krankheit. Sie verschlimmerte sich zusehends. Und es kam soweit, dass beide Füße amputiert werden mussten. Mit 36 Jahren war Johann von heute auf morgen auf den Rollstuhl angewiesen. „Es war ein herber Schlag für uns. Doch wir hielten fest zusammen und mein Mann meisterte sein Leben im Rollstuhl besser, als ich es mir vorgestellt hatte“, erwähnt Ehefrau Dragica auch einen positiven Aspekt und weiter: Als gelernter Schneider in der Textilfirma ließ er sich zum Staplerfahrer umschulen, einen Beruf, den er sitzend ausüben konnte. Das Leben ging weiter, wir machten das Beste daraus und sahen auch das Gute, das es für uns bereithielt.“

Die Zeit heilt Wunden

Doch es wurde noch einmal sehr düster. Dass auch ihr ein leidvolles Missgeschick widerfahren musste, war viel auf einmal. Wegen eines schweren Verkehrsunfalls lag sie dreieinhalb Monate im Krankenhaus. Die Zeit heilte vieles, doch eine Gehbehinderung lässt bis heute Spuren des Unfalls zurück. Ihr Mann sei leider vor sieben Jahren plötzlich verstorben. Trotz allem, wenn sie heute auf ihr Leben blicke, überwiege die Dankbarkeit. „Die Familie ist mein ein und alles und ich bin glücklich, dass alle gesund sind“, zieht die Mutter und Oma Bilanz über ihr Leben. Wann immer sie Unterstützung braucht, ist ihr jüngster Sohn Jürgen, der gleich nebenan wohnt, zur Stelle, auch die beiden anderen Söhne, die in Dornbirn wohnen. Ihre acht Enkelkinder und ihre vielen Hobbys füllen ihre Zeit. Ihr Glaube an Gott, den sie als praktizierende Christin lebt, gibt ihr Frieden und Halt. Sie zeigt eine ganz kleine Bibel. Es sei für sie schon zu einem Ritual geworden, jeden Morgen einen Vers daraus zu lesen. Außerdem habe sie durch das Schreiben der Psalmen eine meditative Erfahrung gewonnen. Sie erzählt auch noch von ihren hilfsbereiten Nachbarn und wie gern sie in Dornbirn, ihrer zweiten Heimat, lebt. EH 

Zur Person
Dragica Kostelac
geb.: 1950 in Kroatien
Wohnort: Dornbirn
Früherer Beruf: Weberin
Familie: verw. seit 7 Jahren, 3 Söhne, 8 Enkel
Hobbys: Lesen, Schreiben, Handarbeiten, Malen, Natur
Lebensmotto: „Jeden Tag so leben, als wäre es der letzte.“

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