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Vorarlbergs Gesundheitssystem weiter unter Druck

Direktor Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, informiert wieder über die aktuelle Covid-Lage in den Krankenhäusern.
Direktor Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, informiert wieder über die aktuelle Covid-Lage in den Krankenhäusern. ©VOL.AT/Steurer
Auf den Normal- und Intensivstationen des Landes liegen derzeit insgesamt 223 Corona-Patienten. Am Donnerstag informierten die Spitäler über die aktuelle Lage.
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Die Zweite Welle setzt Vorarlbergs Gesundheitssystem weiter unter Druck. Während die Zahl der Neuinfektionen im Land seit Tagen stetig abnimmt, müssen immer mehr Covid-Erkrankte stationär aufgenommen werden. Am Mittwoch verzeichneten die Spitäler 223 Hospitalisierte, davon 44 Intensivpatienten. Derzeit gebe es täglich durchschnittlich 20 Neuaufnahmen zu bewältigen, zuletzt sogar 44, erklärt Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft. Er zieht einen direkten Vergleich zur Grippesaison 2018/19: "Damals lag der Höchstwert bei 30 stationären Aufnahmen - innerhalb einer Woche."

Spitäler am Limit

Im Intensivbereich bleibt die Lage weiterhin ernst. Zusätzlich zu den 44 Covid-Erkrankten benötigen derzeit 12 Nicht-Covid-Patienten intensivmedizinische Betreuung. "Um eine bestmögliche Versorgung von Notfällen gewährleisten zu können, haben wir die Zahl der Intensivbetten diese Woche vorsorglich von 63 auf 71 erhöht", so Fleisch. Diese Kapazitäten lassen sich jedoch nicht unbegrenzt ausbauen. Vor allem, wenn das Fachpersonal knapp wird. In dieser Hinsicht zeichne sich keine Entspannung ab. 217 Mitarbeitende in den Spitälern sind derzeit in den Spitälern nicht einsatzbereit: 124 Mitarbeitende sind Corona-positiv getestet, 93 weitere in Quarantäne.

Insbesondere der Bezirk Dornbirn hat mit hohen Infektionsraten zu kämpfen, das bekommt auch das LKH Hohenems zu spüren. Gemeinsam mit Bludenz wurde Hohenems während des ersten Lockdowns als Covid-Schwerpunktspital geführt. Zwischenzeitlich sind nach den Erfahrungen aus dem ersten Halbjahr alle Krankenhäuser in die Betreuung Corona-Kranker mit involviert. Dies ermöglicht eine bessere, landesweite Verteilung und sichert auch ein gewisses Maß an Grundversorgung in den Spitälern Bludenz und Hohenems.

Hohenems voll belegt

Die Zunahme bei den Normalbetten ließe sich noch bewerkstelligen, informiert Primararzt Dr. Peter Cerkl, Leiter der Abteilung Pulmologie am LKH Hohenems. Auf der Intensivstation sei die Situation jedoch sehr angespannt: "Wir sind voll belegt, verfügen im Haus aktuell noch über zwei Notbetten." Einer der OP-Säle wurde bereits geschlossen, um weiteres Personal für den Intensivmedizin-Bereich freizuspielen. Im Fall der Fälle würden auch die anderen Vorarlberger Spitäler aushelfen, betont der Mediziner. In der derzeitigen Situation komme den Spitälern die langjährige gute Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung zu gute.

Weniger Langzeitbeschwerden

Erfreuliche Erkenntnisse gibt es indessen aus der Nachsorge von Patienten, die im Frühjahr am Coronavirus erkrankten: Die Veränderungen bilden sich selbst bei Patienten, die intubiert werden mussten, weitgehend zurück. Nach circa zwölf Wochen seien sie im Röntgen nicht mehr nachweisbar, so der Primar: "Es scheint, als würde sich das Gros der Erkrankten vollständig erholen." Dabei leiden nicht nur beatmetet oder hospitalisierte Patienten noch längere Zeit unter Belastungssymptomen - etwa Atemnot bei körperlicher Anstrengung - auch Erkrankte mit milden Verläufen. Solche Beschwerden können mitunter monatelang anhalten, so der Lungenfacharzt. Ebenso wie andere Langzeitfolgen, wie Geruchs- und Geschmacksstörungen, verschwinde auch die Kurzatmigkeit in der Regel wieder. Der Weg bis dahin sei jedoch für viele Betroffene lang.

Pflege: Viele Herausforderungen

Auch der Arbeitsalltag des Pflegepersonals gestaltet sich derzeit in vielerlei Hinsicht beschwerlich. So berichtet Arno Geiger, Pflegedirektor am LKH Hohenems, vom Management von Covid-Verdachtsfällen: "Tritt beispielsweise in einem mit drei Patienten belegten Zimmer plötzlich ein Verdachtsfall auf, muss sofort jeder Patient für sich isoliert werden." Bei eingeschränkten Bettenkapazitäten würden Zimmer, die für die Belegung mit drei Patienten ausgelegt seien, dadurch zu Einzelzimmern. Erst wenn das Testergebnis vorliegt, können die Patienten auf die Normalstation oder die Covid-Station verlegt werden. Man müsse laufend improvisieren, um Platz für Patienten zu finden, schildert Geiger die Zusatzbelastung für das Personal neben der zeitaufwändigen Pflege.

Besuchsverbot: Eigene Strategien

Das seit 16. September gilt mit wenigen Ausnahmen ein s Besuchsverbot an Vorarlbergs Krankenhäusern. Wird ein Patient länger als eine Woche aufgenommen, ist ein Besucher ein Mal pro Woche erlaubt. Den fehlenden persönlichen Kontakt hat einmal mehr das Pflegepersonal auszugleichen - einerseits als Bezugspersonen für den Patienten, andererseits als Schnittstelle zu den Angehörigen. Die Krankenhäuser entwickeln eigene Strategien, um all diesen Herausforderungen gerecht zu werden. "Auf der Abteilung Innere I rufen unsere Pflegekräfte täglich die Angehörigen an, um sie über den Zustand des Patienten zu informieren und Fragen zu beantworten", sagt Geiger. Damit habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. Viel Druck falle von der Station, auf der wenige Anrufe eingehen und natürlich auch von den Angehörigen, die sich gut informiert fühlen.

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