Dichte in bester Lage

"Siedlungsraum wird immer knapper. Nachverdichtung ist deshalb das Gebot der Stunde." (Berndhard und Stefan Marte, Architekten)
"Siedlungsraum wird immer knapper. Nachverdichtung ist deshalb das Gebot der Stunde." (Berndhard und Stefan Marte, Architekten) ©Robert Fabach
Göfis - Logenplatz. Das Grundstück am Waldrand von Göfis schien bestens fürs Wohnen geeignet. Mit Geschick war dies für vier Häuser, 12 Wohnungen und 24 Autos möglich. Außerdem gab's Aussicht und repräsentativen Flair.
Wohnanlage Hofnerwald, Göfis

Der Blick auf die Landkarte zeigt Göfis als reizvollen Flecken oberhalb von Feldkirch und Satteins. Ein gleichmäßig verzweigtes Straßennetz erstreckt sich vom Dorfzentrum bis an die Wald- und Wiesenränder, die den Göfner Siedlungsraum begrenzen. Wer in Göfis lebt, der pendelt. Zumeist, denn es sind nur 3 km oder 5 Minuten bis ins Stadtzentrum von Feldkirch oder zu den Unternehmensstandorten im Walgau. Aber hier oben geht der Blick weit über Verwall, Silvretta und Rätikon. So lässt sich’s leben, denkt sich der, der alles haben will und sucht im Göfner Gemeindegebiet einen Flecken Land. Da er mit diesem Wunsch nicht allein ist, sind die Preise entsprechend. Zahlreiche Einfamilienhäuser und die Landwirtschaft ringen hier bereits um einen Platz an der Sonne und so liegt es nahe, über einen besonders langen Schatten im Vorarlberger Erbgut zu springen und Grundstück und Haus zu teilen. Weil man einen solchen Wunsch nur mit großer Scheu auszusprechen wagt, organisieren sich Bau- und Wohngemeinschaften nicht von allein. Der übliche Weg dazu führt folglich über Menschen, die von Beruf aus Häuser bauen und das Bauen und Verkaufen auf ihren Schultern tragen, den Bauträgern. Diese holen sich im glücklichen Fall wiederum redliche Architekten, denen man zutraut, diese Bau- und Wohngemeinschaft in eine ansprechende Form zu bringen. Oftmals zeigen diese Architekten auch die nötige Überzeugungskraft, um andere Architekten zu überzeugen, die über das höchste Gut der Landschaft wachen: Das Ortsbild. Ortsbild und Dichte der Verbauung werden regelmäßig in von Architekten besetzten Gestaltungsbeiräten verhandelt, um ingenieursmäßige Monströsitäten und andere Unbesonnenheiten zu verhindern. Das ist nicht ganz unvernünftig, denn wir bauen das Außen unserer Häuser eigentlich für die Nachbarschaft und verändern etwas an dem, was ein jeder beschreiben würde, wenn man ihn fragt, wo er zu Hause ist und welche Kultur man dort pflegt.

rundstücksbesitzer und Bauträger haben sich auf all das besonnen, als sie das Büro der Gebrüder Stefan und Bernhard Marte aus dem benachbarten Weiler als Architekten riefen. Sie und ihr Team werden nicht nur regelmäßig mit höchsten, internationalen Anerkennungen bedacht, sondern gingen auch hier mit größtem Augenmaß ans Werk. Der Maßstab der umliegenden Bebauung war der Ausgangspunkt dafür, die angestrebten zwölf Wohnungen in vier ähnliche Einzelgebäude mit drei Stockwerken aufzulösen. Die Erdgeschoße mit den Schlafzimmern ragen jeweils als helle, geschlossene Sockel aus dem Gelände, darüber schichten sich je zwei Wohngeschoße mit hellen Betondecken und dunkel verkleideten Raumschichten, die zu den Seiten nur leicht zurückspringen, zum Tal hin aber sehr breite Terrassen stehen lassen. Bergseitig verschließen sich die „vier Brüder“ zur Gänze. Dahinter verbergen sich Lift und ein offenes Stiegenhaus.

Die Flächen zur Seite füllen raumhohe Aluminiumpanelle, trapezförmig gekantet zu einem dunklen, braunen Vorhang. Die Fenster zu den Räumen dahinter sind zu einer großen Öffnung zusammengefasst, die – leicht versetzt – in den Geschoßen zueinander gleiten. Auch hier bedarf es einiger Kunst, um eine Wand mit Löchern in eine Geschichte vom Bauen zu verwandeln. So wie Geschichten ihre innere Ordnung brauchen, erzählt auch das Bauen kraft seiner eigenen Poesie. Von unerschütterlichen Sockeln, die aus der Wiese ragen, von der Schichtung aus kräftigen Decken und dunklen Panzern, die dazwischen Luft und Raum zum Wohnen lassen. Eine Anekdote von himmelweißen Felswänden bildet den Abschluss zum Wald und zum Berg. So schreiten die häufigen Spaziergänger auf dem Forstweg hinterm Haus wie an einer Erzählung entlang. Wegrand mit Mohnblumen und Waldesrauschen begleiten die Geschichte.

Unsichtbar verbindet eine gestaffelte Tiefgarage die Häuser. Man taucht ganz zu Beginn der Häuserzeile ein, fährt über Rampen hoch zu seinem Haus und nimmt den Lift bis vor die Tür. Im Inneren sind die Häuser in drei Wohnungen geteilt. Es beginnt unten mit einem Paar von Maisonetten, die man aus dem 1. Stock betritt. Ganz oben breitet sich die dritte Wohnung mit gleicher Fläche über das ganze Geschoß. Sie hat die doppelt breite Terrasse als zweites Wohnzimmer für den Sommer oder als stillen Garten für den Winter. Die Zimmer sind zahlreich, jedoch etwas zu schlafkojenartig, können aber auch zusammengelegt werden. Insgesamt ein Ausbund an zeitgenössischer Bürgerlichkeit, in dem Zimmer und Nebenflächen zugunsten eines großen Wohnraums strikt reduziert sind und in dem sich jede Wohnung mit einer raumgroßen Loge zum Bergpanorama präsentiert.

Daten & Fakten

Objekt: Wohnanlage Hofnerwald, Göfis
[googlemaps]
Bauträger: Wilhelm + Mayer Wohnbau, Götzis
Architekt: Marte. Marte Architekten, Weiler
Ingenieure, Fachplaner: Statik: Mader Flatz, Bregenz
Bauaufsicht: Gerhard Berger, Bürs; Bludenz
Planung: 2011–2012
Ausführung: 2013–2014
Wohneinheiten: 12 (3 Dreizimmer/9 Vierzimmer)
Grundstücksgröße: 2276 m²
Wohnnutzfläche: 1039 m²
Keller: 1170 m²

Bauweise: Stahlbetonbauweise; Tiefgarage unter Einzelgebäuden, durchgehend mit Rampen verbunden; hinterlüftete Aluminiumfassade; Sockel in Sichtbeton mit Innendämmung; Wohnungen mit Parkettboden und Fußbodenheizung; Innenwände Trockenbau; Holz-Alufenster

Ausführung: Baumeister: Wilhelm + Mayer Bau, Götzis; Stahlbau/Schlosser: Gmeiner, Bludenz & M+S Metalltechnik, Koblach; Estrich: Küng Bau, Thüringen; Spengler, Schwarzdecker: Rusch, Bregenz; Putzarbeiten: Jens Ellensohn, Götzis; Fenster: Feuerstein, Nüziders & Schwab, Götzis; Türen: Stuchly, Thüringen; Sonnenschutz: Fesal, Koblach; Trockenbau: Scheffknecht, Lustenau; Heizung/Sanitär: Markus Stolz, Bludenz; Elektro: Patrik Cavada, Bürs; Fliesen: bad 2000, Nüziders

Energiekennzahl: 38-43 kWh/m² im Jahr (Heizwärmebedarf)

(VN/ Leben & Wohnen)

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen